"Operation Viribus": Wien als Drehscheibe für riesiges Doping-Netzwerk

Rund 22 Tonnen an Doping-Präperaten wurden nach Wien geschickt und quer durch Europa verteilt.
Rund 22 Tonnen an Doping-Präperaten wurden nach Wien geschickt und quer durch Europa verteilt. ©APA/BARBARA GINDL
Im Zuge der "Operation Viribus" konnte aufgedeckt werden, dass Wien eine bedeutende Drehscheibe für ein Doping-Netzwerk gewesen ist. Rund 22 Tonnen an Doping-Präparaten wurden nach Wien geschickt und von dort quer durch Europa verteilt.

Wien ist eine bedeutende Drehscheibe für das Doping-Netzwerk gewesen, das im Zuge der "Operation Viribus" aufgedeckt wurde. Unter Einbindung des Bundeskriminalamtes (BK) konnte bei den Länder übergreifenden Ermittlungen nachgewiesen werden, dass 22 Tonnen an Doping-Präparaten und illegalen Arzneimitteln nach Wien geschickt und von dort großteils quer durch Europa verteilt wurden.

Wien-Schwechat: Paket mit verbotenen Substanzen entdeckt

Im Zuge der von Europol geleiteten Ermittlungen wurden zunächst im Juli 2018 am Flughafen Wien-Schwechat mehrere Pakete mit verbotenen Doping-Substanzen abgefangen, gab BK-Sprecher Vincenz Kriegs-Au am Dienstag bekannt. Statt der ausgewiesenen elektrischen Leitungs- und Lichtschalter enthielten die Pakete insgesamt 423 Kilogramm Tabletten und Ampullen mit einem Schwarzmarktwert von rund 480.000 Euro.

Im Zuge weiterer Erhebungen, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft Korneuburg vom Referat Wettbetrug, Doping und Arzneikriminalität des BK durchgeführt wurden und die in die "Operation Viribus" eingebunden waren, konnten weitere 22 derartige Lieferungen nachgewiesen werden, die sich über einen Zeitraum von einem Jahr erstreckten. Die illegalen Präparate waren in Indien produziert worden und wurden falsch deklariert von Singapur nach Österreich geliefert. Ein - laut BK nicht eingeweihter - Wiener Paketservice-Dienstleister stellte die Ware dann zu, wobei die Empfänger in zumindest neun verschiedenen EU-Staaten residierten. Der Gesamtwert der verschickten 21 Tonnen machte 23 Millionen Euro aus.

Herbst 2018: Weitere Lieferung konnte abgefangen werden

Neben der Sicherstellung im vergangenen Sommer gelang es den heimischen Ermittlern, im Herbst eine weitere Lieferung abzufangen. Bei dieser Amtshandlung wurden laut Kriegs-Au in der Bundeshauptstadt rund 600 Kilogramm Dopingpräparate aus dem Verkehr gezogen. Diese Präparate waren ebenfalls für die Versendung in mehrere EU Staaten bestimmt. Ein britischer Staatsbürger konnte als Drahtzieher dieser Lieferungen ausgeforscht und in Slowenien festgenommen werden. Insgesamt wurden damit in Österreich mehr als eine Tonne an verbotenen Präparaten beschlagnahmt.

Im Rahmen der "Operation Viribus" - laut Europol der bisher größte internationale Schlag gegen die Doping-Szene - wurden bisher 234 Personen festgenommen und 3,8 Millionen Doping-Präparate sowie gefälschte Arzneimittel aus dem Verkehr gezogen. Die Operation umfasste 23 EU-Staaten sowie zehn andere Länder. Der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zufolge konnte man 17 organisierten kriminellen Gruppen das Handwerk legen. "Die Ermittlungen zu den Auftraggebern und Großabnehmern sind noch nicht abgeschlossen. Die Polizei geht von weiteren Festnahmen aus", meinte BK-Sprecher Kriegs-Au.

Anabole Steroide und ihre Nebenwirkungen

Dicke Muskelpakete oder einfach nur länger und schneller laufen: Nicht nur im Profi-Sport ist Doping weit verbreitet. Seit langem kommt es auch im Freizeitsport, vor allem in der Bodybuilderszene, zum Missbrauch leistungssteigernder Mittel. Dort werden am häufigsten anabole Steoride konsumiert.

Dabei haben die eigentlich für medizinische Zwecke entwickelten Mittel bei Missbrauch zum Teil gravierende Nebenwirkungen. Anabol androgene Steroidhormone (AAS), auch als Anabolika bezeichnet, können zur Steroidakne, zu Herzrhythmusstörungen, Leberschäden wie Gelbsucht und Leberzirrhose, Hodenschrumpfung und Erektionsstörungen führen, bei Frauen zur Klitorishypertrophie. Dazu kann das Krebs- und Herzinfarktrisiko steigen, auch psychische Veränderungen wie Depressionen oder zunehmende Aggressivität und Schlafstörungen sind einige der massiven negativen Begleiterscheinungen.

Medikamente: Millionengeschäft auf dem Schwarzmarkt

Weil es ein Millionengeschäft ist, gibt es mittlerweile einen großen Schwarzmarkt für Medikamente. Auf dem auch immer mehr Produktfälschungen im Umlauf sind. So kann es zur Falschdosierung und zur Einnahme falscher sowie verunreinigter Wirkstoffe kommen. Bei längerem Konsum von Steroiden und anderen Dopingmitteln entwickelt der Körper eine Toleranz. So erhöht der Konsument die Dosis nach und nach, auch werden oft mehrere Präparate gleichzeitig eingenommen.

Einer der bekannteste Dopingfälle war der des kanadischen Sprinters Ben Johnson, dem nach seinem 100-Meter-Olympiasieg 1988 in Seoul die Einnahme des synthetischen anabolen Steroids Stanozolol nachgewiesen wurde. 1987 starb die Siebenkämpferin Birgit Dressel an einem toxischen Schock. Die Leichtathletin hatte nachweislich 20 verschiedene Mittel von drei Ärzten eingenommen.

(APA/Red)

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