Österreichs EU-Grüne sehen durch Ukraine-Krieg Green Deal in Gefahr

MEP Thomas Waitz (Grüne) im Rahmen einer Sitzung des Nationalrates im Parlamentsausweichquartier in der Hofburg in Wien.
MEP Thomas Waitz (Grüne) im Rahmen einer Sitzung des Nationalrates im Parlamentsausweichquartier in der Hofburg in Wien. ©PA/ROLAND SCHLAGER
Aufgrund des Kriegs in der Ukraine sucht die EU Wege, um die Ernährungssicherheit zu grantieren. Österreichs EU-Grüne sehen dadurch den Green Deal gefährdet.

Es brauche "sehr wohl kurzfristige Maßnahmen, aber jetzt den Kampf gegen die Klima- und Biodiversitätskrise hintenrum aus dem Bug rauszuschmeißen, das ist eine verfehlte Politik", sagte EU-Mandatar Thomas Waitz am Mittwoch. Laut Grüne sollte die EU unter anderem bei der Lebensmittelverschwendung ansetzen.

Österreichs EU-Grüne sehen durch Ukraine-Krieg Green Deal in Gefahr

Lobbyisten der Agrarindustrie und Konservative wollten die Ukraine-Krise gegen die Klimakrise ausspielen "mit der Ausrede, es gehe um Ernährungssicherheit", sagte die EU-Abgeordnete Sarah Wiener vor Journalisten in Brüssel. Aber genau für die Ernährungssicherheit würden die Grünen für ein "vielfältiges System" kämpfen, betonte Wiener weiter. Gerade der agrarindustrielle Zugang habe zur Abhängigkeit von anderen Ländern geführt.

"Stabiles Ernährungssystem kann nur ökologisch sein"

"Wir müssen ein stabiles, in sich geschlossenes Ernährungssystem machen, das kann nur ökologisch sein", forderte die EU-Mandatarin. Dazu brauche es kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen. Unmittelbar müssten unter anderem die Märkte offen gehalten werden, Getreide auf den Teller und nicht in Tanks und Futtertrögen landen, sowie die "enorme" Lebensmittelverschwendung verringert werden, erklärte Wiener.

EU-Kommission will Brachflächen zum Anbau temporär freigeben

Die EU-Kommission will hingegen für die Versorgungssicherheit Brachflächen für den Anbau temporär freigeben. Wiener bezeichnete diesen Vorschlag als "kurzsichtig". Die Brachflächen seien meistens Flächen, die "minderwertig sind", sagte die EU-Abgeordnete. Wenn all diese vier Prozent Brachflächen zum Getreideanbau genutzt werden, würde das gerade einmal einen Anstieg von 0,4 Prozent an Weizen weltweit zur Folge haben. Waitz forderte: "Wir hören auf, das Getreide in die Tiere zu stecken und diese zu exportieren, sondern exportieren das Getreide direkt in die Länder, um die Menschen dort vor dem Hunger zu retten."

Kritik daran Reduktion von Künstdünger auszusetzen

Der EU-Abgeordnete kritisierte auch den Plan die Reduktion von Kunstdünger auszusetzen. "Wo kommt denn der Kunstdünger her? Zwei Kilo Gas brauche ich für einen Kilo Kunstdünger. Und wo kommt das Gas her?", stellte Waitz in Anspielung auf Russland in den Raum. Der Umstieg auf Gründünger würde die Abhängigkeit verringern. "Ich finde es zynisch, mit dem Argument der Versorgungssicherheit jene Politik zu verhindern, die dazu führen, unsere Böden so zu behandeln, dass sie auch in Zukunft fähig sind, uns zu versorgen", sagte Waitz.

Weltmarktpreise von Düngemittel seit Ukraine-Krieg stark gestiegen

Seit dem Beginn des Konflikts sind die Weltmarktpreise für wichtige Rohstoffe und Düngemittel bereits stark in die Höhe geschossen. Die Ukraine gilt als "Kornkammer Europas" und ist einer der größten Weizenexporteure der Welt. Russland ist unterdessen der wichtigste Brennstofflieferant der EU und liefert etwa 30 Prozent der Düngemittelimporte in die EU.

(APA/Red)

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