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Österreicher haben großes Interesse an elektronischen Pflege-Hilfen

Das Interesse an elektronischen Hilfen ist zwar groß, zum Einsatz kommen sie jedoch noch nicht so oft.
Das Interesse an elektronischen Hilfen ist zwar groß, zum Einsatz kommen sie jedoch noch nicht so oft. ©APA/HARALD SCHNEIDER
Die Österreicher haben ein großes Interesse an elektronischen Pflege-Hilfen. Bisher kommen sie jedoch aber wenig zum Einsatz.

Die Österreicher haben zwar ein recht großes Interesse an digitalen Möglichkeiten zur Erleichterung der Pflege, nutzen die bestehenden Angebote dafür bisher allerdings sehr wenig. Das geht aus einer Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervor, das im November 2020 1.000 Personen befragt hat.

58 Prozent der Österreicher machen sich über Pflege Sorgen

Der Mehrheit der Österreicherinnen bereitet das Thema Pflege Sorgen (58 Prozent). Vor allem Frauen und ältere Personen zerbrechen sich darüber den Kopf, nur jeder zehnte Befragte (11 Prozent) denkt nicht über die Pflege nach. Fast zwei Drittel (61 Prozent) der Österreicher sind bereits mit dem Thema Pflege in Berührung gekommen. Viele nehmen die Pflege ihrer Angehörigen selbst in die Hand - mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen (53 Prozent) wird aktuell zuhause betreut.

Großes Interesse bei digitalen Möglichkeiten

Um sich die Pflege zu erleichtern, stoßen digitale Möglichkeiten auf großes Interesse. Rund drei Viertel könnten sich vorstellen, die elektronische Anamnese (bei sich selbst 76; bei Familienangehörigen 77 Prozent) bzw. die elektronische Patientenaktie (76 bzw. 78 Prozent) einzusetzen. Etwas geringer ist das Interesse an Online-Sprechstunden beim Arzt - etwa zwei Drittel können sich vorstellen, auf diese Alternative zu vertrauen (63 bzw. 66 Prozent). Eine elektronische Dokumentation der konsumierten Pflegeleistungen ist für rund 70 Prozent der Österreicherinnen vorstellbar.

Dem hohen Interesse steht aber ein relativ geringer Anteil von Bürgerinnen gegenüber, die digitale Pflegemaßnahmen zur erleichterten Zusammenarbeit mit Gesundheitseinrichtungen und -personal bereits einsetzen. Nur etwa jeder zwölfte Österreicher nutzt beispielsweise bereits die elektronische Patientenakte (8 Prozent), hier überraschenderweise ein erheblicher Anteil der über 75-Jährigen (18 Prozent). Die übrigen Maßnahmen wie Online-Sprechstunden (4), die elektronische Anamnese (4) und die elektronische Dokumentation der konsumierten Pflegeleistungen (2 Prozent) werden aktuell kaum als digitale Pflegemöglichkeit angenommen.

Wesentliche Vorteile der elektronischen Möglichkeiten

Als wesentliche Vorteile von Maßnahmen wie der elektronischen Patientenakte oder Online-Sprechstunden mit Ärzten werden die Übersichtlichkeit der Krankendaten (65), die Zeitersparnis (56) und die Reduktion des bürokratischen Aufwands (54 Prozent) gesehen. Weniger als jeder Dritte erwartet sich dadurch aber bessere Diagnosen (32) oder ein verringertes Ansteckungsrisiko (31 Prozent). Vorherrschend ist hingegen die Angst, dass beispielsweise bei Online-Sprechstunden wichtige Symptome übersehen werden (55) und dass der Online-Kontakt den persönlichen Kontakt mit Ärzten nicht ersetzen (51) und nur bedingt bei kleineren medizinischen Problemen eingesetzt werden kann (44 Prozent).

Auch digitale Maßnahmen zum Monitoring des Gesundheitszustandes wie Armbänder am Handgelenk für den Notruf, automatische Sturzerkennung oder Erfassung der Vitalfunktionen haben noch großes Potenzial. Wenn sie eingesetzt werden, dann hauptsächlich zur Pflege von Familienangehörigen. Besonders trifft das auf das Armband am Handgelenk für den Notruf zu - sogenannte Rufhilfe-Systeme, die aber auch nur von 5 Prozent der Befragten zur Pflege von Angehörigen eingesetzt werden. Interesse für das Armband am Handgelenk für den Notruf haben aber rund 85 Prozent. Das Armband zur automatischen Sturzerkennung könnten sich 82 Prozent zur Pflege von Familienangehörigen vorstellen, 78 Prozent würden es auch bei sich selbst einsetzen. Als wesentlichen Vorteil von Armbändern zum Monitoring des Gesundheitszustands erachten mehr als zwei Drittel die höhere Sicherheit (69 Prozent). Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) befürchtet jedoch, mit dem Armband durch ein unbeabsichtigtes Anrufen des Notdienstes Kosten zu verursachen.

Auf etwas geringeres Interesse stoßen digitale Maßnahmen zur Alltagsbewältigung wie ein Armband zur automatischen Türöffnung (56), intelligente Trinkgläser (53) oder intelligente Pflegebetten (60 Prozent). Vor allem ein intelligentes Pflegebett zur automatischen Gewichtsmessung, Feuchtigkeitserkennung bzw. zum Notruf würden fast zwei Drittel (64 Prozent) einsetzen. Fakt ist jedoch, dass genau diese Maßnahmen bisher äußerst selten eingesetzt werden.

Österreicher können sich auch Einsatz von Robotern vorstellen

Die Österreicher können sich auch vorstellen, sowohl bei sich selbst als auch bei Pflegebedürftigen in der Familie Roboter zur Pflegeunterstützung einzusetzen - besonders für das Heben ins und aus dem Bett (62 bzw. 63 Prozent), Unterstützung im Umgang mit Elektronik (61 bzw. 63), Unterhaltung (55 bzw. 56) und zum Vorlesen (54 bzw. 57 Prozent). Roboter für den Haushalt würden zwei Drittel der Befragten einsetzen - Staubsauger- (14) und Rasenmähroboter (9 Prozent) sind bereits in einigen Haushalten im Einsatz.

(APA/Red)

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