Österreich und Singapur: Kooperation bei Digitalisierung vereinbart

Bundeskanzler Kurz empfing den Premierminister Singapurs in Wien.
Bundeskanzler Kurz empfing den Premierminister Singapurs in Wien. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Für einen leichteren Wissens- und Erfahrungsaustausch zum Thema Digitalisierung haben Österreich und Singapur am Mittwoch ein "Memorandum of Understanding" unterzeichnet. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte zuvor den Premierminister Singapurs, Lee Hsien Loong, auf dem Ballhausplatz mit militärischen Ehren empfangen.

“Das Abkommen schafft die Möglichkeit, Know How und Erfahrungen auszutauschen und dies mit einem Land, das in vielerlei Hinsicht Österreich einen Schritt voraus ist”, teilte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) mit. Sie hatte das MoU gemeinsam mit Singapurs Handelsminister S. Iswaran unter den Augen der beiden Regierungschefs unterfertigt.

Orientierung an Singapur

Konkret will sich Österreich ein Beispiel an der Verwaltung des südostasiatischen Stadtstaates nehmen, die schon jetzt “nahezu papierlos funktioniert”. Beide Länder wollen auch Klein- und Mittelbetriebe bei der Bewältigungen neuer Herausforderungen unterstützen. Außerdem könne Österreich vom Austausch zu Strategien profitieren, so Schramböck mit Blick auf die “Smart Nation Initiative” Singapurs. Zur Umsetzung des Memorandums wurde ein Ausschuss eingerichtet, der in regelmäßigen Abständen tagen soll.

Eine Regierungsdelegation unter Führung des Kanzlers hatte Ende August Singapur besucht. Kurz trifft Lee heuer bereits zum dritten Mal, im April hatte es eine Begegnung beim Wirtschaftsforum im chinesischen Boao gegeben. Singapur spielt derzeit auch eine wichtige politische Rolle in Asien, führt es doch den Vorsitz in der bedeutendsten Wirtschaftsgemeinschaft des Kontinents, dem Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Beim EU-Asien-Gipfel (ASEM) ab Donnerstagabend in Brüssel will Singapur auch ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnen.

Kurz empfing Singapurs Premier Lee Hsien Loong

Vor dem Hintergrund der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft wollen Kurz und Lee auch über die Kooperation der beiden Weltregionen Europa und Asien sprechen. Diese machen zusammen 60 Prozent der globalen Wirtschaftskraft, der Weltbevölkerung und des Welthandels aus. “Wenn die 51 ASEM-Partnerstaaten gemeinsam an einem Strang ziehen, dann ist es auch möglich, global gemeinsam etwas zu bewegen”, so der Kanzler mit Blick etwa auf Klimawandel und Cyberkriminalität.

Kurz hatte im Vorfeld die “beeindruckende Entwicklung” gelobt, die Singapur in den vergangenen 40 Jahren genommen hatte. Österreich könne “viel von Singapur lernen, gerade im Bildungsbereich und der Innovation”, so der Kanzler. Erst in der Vorwoche war Singapur im von der Weltbank neu entwickelten “Human Capital Index” auf dem ersten Platz gelandet. Dieser Index beruht unter anderem auf Bildungs- und Gesundheitsindikatoren und misst, wie viel ihres Potenzials Kinder in den jeweiligen Staaten ausschöpfen können.

Österreich hofft auch auf eine Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen mit Singapur. Die österreichischen Exporte nach Singapur machten im Jahr 2017 389 Mio. Euro und von Jänner bis Juli 2018 rund 224 Mio. Euro aus, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Etwa 100 österreichische Unternehmen sind in Singapur präsent und haben dort knapp 2,5 Milliarden Euro investiert. Das EU-Singapur-Freihandelsabkommen könnte hier einen weiteren Schub bringen.

(APA/Red)

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