Österreich: Politikerinnen schlägt Hass entgegen

Informationen gibt es im Hinblick auf Hass, mit dem Politikerinnen konfrontiert sind.
Informationen gibt es im Hinblick auf Hass, mit dem Politikerinnen konfrontiert sind. ©APA/HELMUT FOHRINGER (Symbolbild)
Eine österreichische Parlamentarierin, die mit Hassnachrichten konfrontiert ist: Das ist kein Szenario, das niemals vorkommt. Das "Momentum"-Institut hat gemeinsam mit der Autorin Ingrid Brodnig eine Arbeit erstellt.

Politikerinnen in Österreich sind in hohem Maß von frauenfeindlichem, sexistischem Hass betroffen. Wie eine Untersuchung des "Momentum"-Instituts und der Ingrid Brodnig ergeben hat, berichteten unter weiblichen Nationalratsabgeordneten 73 Prozent von entsprechenden Nachrichten. Kontaktiert wurden alle Mandatarinnen, 30 Prozent - aus allen Fraktionen - nahmen teil.

"Spiegel"-Untersuchung: Kein gänzlich anderes Resultat

Mit der Befragung wurde eine Untersuchung des deutschen Nachrichtenmagazins "Spiegel" nachvollzogen, die zu Jahresbeginn zu ähnlichen Ergebnissen gekommen war. Dort hatten 69 Prozent "frauenfeindlichen Hass als Bundestagsabgeordnete" erlebt. 36 Prozent berichteten dort auch von "Angriffen auf sich, ihre Büros oder ihren Wohnsitz", was in Österreich nicht der Fall war.

Hassnachrichten mit Schimpfwörtern

Die Nachrichten selbst haben es aber auch so in sich, wie Brodnig in einer Pressekonferenz am Montag berichtete. Von "Hure", "Schlampe" bis zu "hysterisch" reichen da die Bezeichnungen, körperliche Merkmale wurden herabgewürdigt, und auch Beleidigungen aufgrund der Herkunft oder der sexuellen Orientierung kamen hinzu. Der Großteil (73 Prozent) kam via Internet.

Die Gefahr dabei sei der "Chilling Effect" bzw. das "Silencing", so Brodnig. Die Belästigungen führten zu mehr Zurückhaltung in Debatten. Jede Vierte habe bestimmte Äußerungen schon einmal nicht getätigt, weil sie ahnte, "dass entsprechende Reaktionen/Drohungen kommen".

Parlament: Sexismus keine Unbekannte

Rund ein Drittel der teilnehmenden Frauen, 32 Prozent, gab an, dass sie schon einmal die Parlamentsdirektion, die Polizei oder den Verfassungsschutz eingeschaltet hätten. Im Parlament hat bereits jede zweite Abgeordnete Frauenfeindlichkeit oder Sexismus erlebt, etwa in Zwischenrufen oder despektierlichen Kommentaren. 77 Prozent sprachen sich dafür aus, sämtliche Formen von misogyner Gewalt und Frauenhass als eigene Kategorie für Ermittlungen und als Statistik einzuführen.

Wie Leonhard Dobusch, wissenschaftlicher Leiter des Momentum-Instituts ausführte, fehlten bedauerlicherweise Daten, wie sich dieses Phänomen im zeitlichen Verlauf entwickle. Eine Folgeerhebungen in zwei bis drei Jahren wäre gut, meinte er.

(APA/Red)

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