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Österreich als "liberaler Trendsetter": Ausland lobt unser Corona-Krisen-Management

Österreich wird von der ausländischen Presse für sein Vorgehen in der Corona-Krise gelobt.
Österreich wird von der ausländischen Presse für sein Vorgehen in der Corona-Krise gelobt. ©APA (Sujet)
Ungewöhnlich unkritisch äußert sich die Presse im Ausland derzeit zum Corona-Krisen-Management der österreichischen Bundesregierung. Gelobt wird etwa das rasche Vorgehen zu Beginn der Coronavirus-Verbreitung - genauso wie das jetzige Lockern der Maßnahmen. Gespannt blickt Europa auf Österreich als "liberalen Trendsetter".

"Neue Zürcher Zeitung"

"Die schwarz-grüne Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz kann sich in ihrer Strategie bestätigt sehen. Zwar hat Österreich wohl auch viel Glück gehabt: Anders als etwa die Schweiz mit dem Tessin musste man nicht mit dem Problem kämpfen, dass es ein Gebiet mit engem Kontakt zum Coronavirus-Hotspot Lombardei gab. Die Regierung Kurz machte aber auch vieles richtig. Sie ging beim Lockdown etwas schneller vor als etwa die Schweiz oder Deutschland, und in der Folge ist die Kurve der Infektionszahlen stark abgeflacht. Österreich kann deshalb jetzt auch wieder schneller öffnen als andere Länder. Gleichzeitig wird Wien nun zum interessanten Fallbeispiel: Man kann Erfahrungen sammeln, wie sich Lockerungen auf die Wirtschaft und auf die Verbreitung von Sars-CoV-2 auswirken. Dank solchen Daten lässt sich besser abschätzen, welches Vorgehen funktioniert und welches nicht. Davon können auch andere Regierungen in Europa lernen."

"taz" (Berlin)

"Wörther See statt Ibiza. Die Österreicher werden demnächst wieder beim Heurigen sitzen und mit haushaltsfremden Personen ihren Wein schlürfen dürfen. Auch Demonstrieren soll an weniger Auflagen geknüpft werden als derzeit noch. Das, was Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) die 'neue Normalität' nennt, kommt früher als in den meisten anderen von Covid-19 befallenen Staaten. Die 'neue Normalität' trägt allerdings Maske und endet mit einer generellen Sperrstunde um 23 Uhr. Sie bedeutet Urlaub am Wörther See statt auf Kreta, Ibiza oder den Malediven. Aber immerhin: das Jammertal der strengen Ausgangsbeschränkungen, der geschlossenen Schulen und Gasthäuser, Möbelhäuser und Autosalons ist demnächst durchschritten.

Man mag darüber streiten, ob es die in 700 Jahren Habsburgerherrschaft eingeübte Untertanenmentalität, die Vernunft und Disziplin der Bevölkerung oder die Einschüchterung durch des Kanzlers Angstparolen ist, die zum Erfolg der Corona-Eindämmung beigetragen hat. Das jüngst bekannt gewordene Protokoll einer Krisensitzung vom März enthüllt, dass Kurz offenbar gezielt auf Einschüchterung setzte: Am Ende der Krise werde jede und jeder jemanden kennen, der am Coronavirus gestorben ist. Oder: 'Das ist die Ruhe vor dem Sturm!' Was immer man von dieser Taktik halten mag: sie funktioniert. Nicht zuletzt dank des Gegengewichts, das der besonnene grüne Gesundheitsminister Rudi Anschober verkörpert. Er gibt auf Fragen vernünftige Antworten und er ist imstande, eigene Fehler zu korrigieren. Und der Öffnungsplan für die kommenden Monate ist ein brauchbarer Kompromiss zwischen den Interessen der ungeduldigen Wirtschaft, des Staates, der nicht endlos sein Füllhorn über Arbeitslose und bankrottreife Betriebe ausschütten kann, und der Vorsicht, die Epidemiologinnen und Virologen einfordern. Und schließlich ist jeder Lockerungsschritt mit einer Notbremse versehen, die angezogen werden kann, wenn nach zwei Wochen der R-Faktor wieder in die falsche Richtung zeigt."

"Süddeutsche Zeitung" (München)

"Erfolg verpflichtet. Österreich sperrt auf und atmet auf. Nachdem bereits vor zwei Wochen die ersten Geschäfte wieder geöffnet wurden, werden nun nach sieben langen Wochen die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben: Man darf heraus zum 1. Mai. Auch für die Öffnung der Schulen, der Gastronomie und der Hotels gibt es einen Fahrplan bis Ende Mai. Normalität ist das noch nicht bei Maskenpflicht und Abstandsregeln. Aber es ist eine Erfolgsgeschichte in Zeiten der Corona-Pandemie, zumindest in Kapitel eins. Regierung und Bevölkerung haben vieles richtig gemacht in dieser Krise, und dieser Etappenerfolg sollte nun die Kraft geben, gleich in zwei Richtungen zu schauen: mutig nach vorn und kritisch zurück. Auch Letzteres ist keine 'Spitzfindigkeit', wie Kanzler Sebastian Kurz das gern darstellt. Denn nur aus einer ehrlichen Aufarbeitung des Ischgl-Desasters oder der Untersuchung, welche Einschränkungen möglicherweise nicht verfassungskonform waren, lassen sich Lehren ziehen für kommende Herausforderungen. Beim Blick nach vorn wird es nicht nur darum gehen müssen, wie das Land wirtschaftlich und sozial aus dieser Krise herauskommt. Österreich, das sich nun als Primus in Europa darstellt, sollte - auch im eigenen Interesse - bei der Wiederbelebung der europäischen Solidarität mit vorangehen."

"Berliner Morgenpost"

"Servus, Lockdown. (...) Ausgerechnet der konservative Bundeskanzler Sebastian Kurz, der Mitte März eine harte Ausgangssperre über sein Land verhängt hatte, wird nun zum liberalen Trendsetter in Europa."

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(APA/Red.)

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