ÖBB-Ausstellung zur NS-Zeit appelliert gegen Rechtsextremismus

Bei der Eröffnung der ÖBB-Ausstellung "Verdrängte Jahre - Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938-1945" in Wien
Bei der Eröffnung der ÖBB-Ausstellung "Verdrängte Jahre - Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938-1945" in Wien ©APA/HERBERT NEUBAUER
Am Montag wurde mit deutlichen Appellen gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung von Minderheiten in unserer Zeit eine Ausstellung der ÖBB zur Rolle der Bahn in der NS-Zeit eröffnet. Da die Beschuldigung von Minderheiten in Krisenzeiten wieder populärer werde, sei das Thema jetzt wichtiger denn je, so die Veranstalter.
Die ÖBB-Ausstellung

Anlässlich der Ausstellungseröffnung erinnerte der ÖBB-Chef Christian Kern daran, dass es in der Wirtschaftskrise in Europa wieder populärer werde, Minderheiten für schlechte Entwicklungen die Schuld zu geben. Verkehrsministerin Doris Bures (S) appellierte zur Auseinandersetzung mit den dunkelsten Jahren der österreichischen Geschichte, um sich gegen Rechtsextremismus zu immunisieren.

Aufklärung soll Fanatismus bekämpfen

Man müsse dem Fanatismus mit Mitteln der Aufklärung begegnen, sagte Bures bei der Eröffnung der ÖBB-Ausstellung “Verdrängte Jahre – Bahn im Nationalsozialismus in Österreich 1938-1945”. Der wichtige Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte dürfe nie aufhören. Besonders hob sie das Engagement der ÖBB-Lehrlinge und die Gespräche mit Zeitzeugen bei der Erstellung der Ausstellung hervor.

ÖBB-Generaldirektor Kern erläuterte die Motivation für das Projekt: Bisher habe eine gründliche Aufarbeitung der dunkelsten Jahre der Unternehmensgeschichte nicht stattgefunden. Im heurigen Jubiläumsjahr von 175 Jahren Eisenbahn in Österreich werde das nachgeholt. “Wir wurden nicht gedrängt”, betonte Kern unter Verweis auf frühere Sammelklagen, sondern die Bundesbahn habe ihre eigene Rolle im NS-Regime beleuchten und Respekt vor den Opfern zeigen wollen.

Schwierige Rolle der ÖBB in der NS-Zeit

Die Bahn habe den Massenmord der Nazis möglich gemacht: “Ohne die logistische Kapazität der Bahn wäre das systematische Morden nicht möglich gewesen”, sagte Kern. Besonders beklemmend seien für ihn die vielen kleinen bürokratischen Details der Entmenschlichung, wenn etwa die Deportierten für ihre eigene Fahrt in den Tod noch das Ticket bezahlen mussten. Gerade aus der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte müsse für die Gegenwart das Versprechen “Niemals Wieder” kommen.

Den Widerstand von Eisenbahnern gegen das NS-Regime hob Bahn-Gewerkschafter Gottfried Winkler hervor. Viele der Verhafteten seien nicht mehr zurückgekehrt, viele wurden im KZ Mauthausen inhaftiert. 154 Eisenbahner wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. 1.438 bekamen Zuchthaus- oder KZ-Strafen, 135 Bahnbedienstete starben in einem Zuchthaus oder Konzentrationslager. Julia Scherzer, Lehrling bei den ÖBB, schilderte die berührende Begegnung mit Zeitzeugen.

Menschenunwürdige Massendeportation per Bahn

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, erinnerte an die menschenunwürdigen Umstände der Massendeportation in Viehwaggons – “doch was sie erwartet hat, war noch schlimmer”. Rudolf Sarközi vom Verband der österreichischen Roma und Sinti, der selbst 1944 im Lager Lackenbach geboren wurde, sprach die Hoffnung aus, dass die Bahn nie wieder als Mittel für Verschleppung eingesetzt werde.

“Verdrängte Jahre – Bahn im Nationalsozialismus in Österreich 1938-1945” wurde unter wissenschaftlicher Aufsicht des Historikers Univ.-Prof. Oliver Rathkolb von Traude Kogoj und Michael Wimmer konzipiert. Die ÖBB- Ausstellung ist bis zum 30. September im Foyer der ÖBB Infrastruktur am Praterstern 3 zu sehen und täglich zwischen 8 und 17 Uhr geöffnet.

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