Nur jede Zweite schafft Wiedereinstieg

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Synthesis-Studie zeigt höhere Arbeitslosigkeit von Frauen - Ein Drittel der Wiedereinsteigerinnen bekommt nur geringfügige Beschäftigung - Momentan 132.271 Frauen arbeitslos gemeldet.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist in Österreich vor allem auch weiblich: Das belegen die veröffentlichten Statistiken des Arbeitsmarktservice (AMS) in den vergangenen Monaten. Die Gründe dafür seien die schlechte Lage am Arbeitsmarkt, der Mangel an Lehrstellen, aber auch der „erschwerte Wiedereinstieg“ nach Bezug des Kinderbetreuungsgeldes, erläuterte AMS-Frauenreferentin Eva Egger. Laut einer Studie des Synthesis-Instituts versuchten drei von vier Frauen den Wiedereinstieg nach der Elternkarenz, aber nur jede Zweite schafft ihn.

Mehr junge Frauen arbeitslos

Mit Stichtag 1. Dezember 2004 waren beim AMS 132.271 Frauen arbeitslos gemeldet. Das ist ein Plus zum Vorjahreszeitraum um 0,5 Prozent. Besonders auffällig: In der Gruppe der 25- bis 49-jährigen Frauen wird ein Anstieg um 3,8 Prozent verzeichnet. Im Oktober war der Anstieg ausschließlich weiblich: Bei den Männern nahm die Arbeitslosigkeit um 1,3 Prozent ab, bei den Frauen um 2,4 Prozent zu.

Die Gründe dafür sind wohl eine „Mischung von allem“, merkte Egger an: die Familiensituation von Frauen, die Lage am Arbeitsmarkt, die nach wie vor traditionelle Berufswahl bei Mädchen und nicht zuletzt der schwierige Wiedereinstieg nach der Elternkarenz. „Der Wiedereinstieg hat sich erschwert, vor allem nach längerer Abwesenheit“, betonte Egger.

Höhere Bildung = bessere Wiedereinstiegschancen

Laut einer Untersuchung der Innsbrucker Forschungsgesellschaft Synthesis im Juli 2004 versuchen drei von vier Frauen einen Wiedereinstieg, aber nur jeder Zweiten gelingt es. Wenig verwunderlich: Den höher qualifizierten Frauen gelingt der Wiedereinstieg leichter. 83 Prozent der Akademikerinnen hatten 2003 eine Standardbeschäftigung, aber nur 57 Prozent der Pflichtschulabgängerinnen. Unter den Frauen, denen ein Wiedereinstieg gelingt, nimmt jede Dritte nur eine geringfügige Beschäftigung auf.

Die höhere Arbeitslosigkeit der 25- bis 49-jährigen Frauen zeige – positiv gesehen -, dass mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt drängen und arbeiten wollen, meint Egger. Bei der Frauenerwerbsquote von 63 Prozent – sie ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen – müsse man berücksichtigen, dass in diese Zahl auch Frauen einberechnet sind, die Kinderbetreuungsgeld beziehen und sich noch unter Kündigungsschutz befinden.

Bei Lehrberufen größte Zunahme

Der Anstieg an Frauenarbeitslosigkeit ist in bestimmten Bereichen jedenfalls sehr auffällig: Im Gesundheitsbereich ist ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, ebenso im Dienstleistungssektor. Bei den Lehrberufen führt das AMS überhaupt eine Zunahme um 11,8 Prozent an. Da würden die allerorts durchgeführten Sparmaßnahmen wirksam werden. Der Anteil der arbeitslosen Frauen sei in diesen Arbeitsbereichen aber auch deshalb hoch, weil dort deutlich mehr Frauen beschäftigt seien als Männer, so Egger.

Bei der Arbeitslosigkeit von weiblichen Lehrlingen wirke sich der allgemeine Mangel an Lehrstellen aus. Die nach wie vor traditionelle Berufswahl der Mädchen habe auch Anteil daran. Laut Egger wählen 50 Prozent der Mädchen drei Lehrberufe: Friseurin, Bürokauffrau und Handelskauffrau. Frauen haben zwar insgesamt gesehen bei den Ausbildungen aufgeholt, aber ihr Anteil an den weniger qualifizierte Arbeitnehmern ist nach wie vor größer: 44 Prozent der Pflichtschulabgänger, die keine weitere Ausbildung mehr machen, sind Frauen.

Rauch-Kallat will Maßnahmenpacket

Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) hat kürzlich das IHS-Institut mit einer Studie über die Ursachen der steigenden Frauenarbeitslosigkeit beauftragt. Wenn die Ergebnisse auf dem Tisch liegen, werde sie gemeinsam mit dem AMS und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) ein Maßnahmenpaket schnüren, kündigte sie an.

Das AMS formuliert aber schon Vorhaben: Laut Egger setzt das AMS in dem speziellen Jahresziel für Frauen im Jahr 2005 auf einen dreimonatigen Kurs, um den Wiedereinstieg zu fördern. Weiters soll es eine Einstellförderung für Firmen geben, die Frauen zumindest über eine Teilzeitbeschäftigung wieder einsteigen lassen. Zudem versuche man über ein Beratungsangebot das Berufswahlspektrum der Mädchen zu erweitern. Es gebe schließlich über 200 Lehrberufe und nicht nur drei, merkte Egger an.

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