Nur Fünfer: Kein gutes Zeugnis für Bildungsministerium

Das Ministerium von Faßmann erhielt ein Fünfer-Zeugnis bei inklusiver Bildung.
Das Ministerium von Faßmann erhielt ein Fünfer-Zeugnis bei inklusiver Bildung. ©APA/MARTIN JUEN
Der Behindertenrat stellt dem Bildungsministerium zum Schulschluss kein gutes Zeugnis aus. Fünfer gibt es in allen Fächern.

Ein Zeugnis mit Fünfern in allen Fächern hat das Bildungsministerium am Freitag vom Behindertenrat ausgestellt bekommen. Noch immer gingen 40 Prozent der Kinder mit Behinderung in die Sonderschule, so die Kritik in einer Pressekonferenz.

Ein "Nicht Genügend" für die vergangenen zehn Jahre gab es für das Ressort daher in der "Inklusiven Bildung", in der "partizipativen Zusammenarbeit" mit der Community sowie bei der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Behinderung.

Behindertenrat kritisiert Versäumnisse in letzten zehn Jahren

Schon seit 2008 sei in Österreich die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung gültig, erinnerte die Politikwissenschafterin Ursula Naue. Diese beinhalte das Menschenrecht auf ein inklusives Bildungssystem. Damit sei kein paralleles System wie in Österreich gemeint. "Ein Überarbeiten des österreichischen Bildungssystems ist unumgänglich", sagte sie: "Wir können es uns nicht nur leisten, wir müssen es uns leisten." Als Vorbilder nannte sie Südtirol und die skandinavischen Länder.

Claudia Rauch von der Pädagogischen Hochschule NÖ verwies auf wissenschaftliche Evidenz: So sei die Lesekompetenz Südtiroler Kinder um vieles besser als jene in Nordtirol. Es verwundere, dass hierzulande weiter Ressourcen dafür verwendet würden, neue Sonderschulen zu bauen. "Es erschüttert mich selbst, dass heute noch immer Eltern auf den guten Willen von Pädagogen, der Schul- und Kindergartenleitungen angewiesen sind, ob ihre Kinder in die Regelschule, den Kindergarten oder die Nachmittagsbetreuung aufgenommen werden können", sagte sie.

Große Unterschiede bei inklusiver Bildung in den Bundesländern

Für Wilfried Prammer (Pädagogische Hochschule OÖ) geht es in erster Linie um das beste Bildungssystem für die Kinder, wie er betonte. Er wünsche sich, dass der Corona-Spruch "Koste es, was es wolle" auch in der inklusiven Bildung zur Anwendung kommt.

Dass es zwischen den Bundesländern große Diskrepanzen im Grad der Umsetzung gibt, liege nicht an der dortigen politischen Färbung, betonte Prammer und verwies etwa auf das schlechte Standing Wiens und Niederösterreichs und den hohen Grad der Umsetzung in der Steiermark oder in Kärnten. Es hänge viel an den Einzelpersonen, meinte auch Naue: "Das darf nicht sein."

Bernhard Bruckner, Geschäftsführer des Behindertenrats, ortete "riesengroßen Handlungsbedarf" und setzte Hoffnungen auf den neuen Nationalen Aktionsplan, der ab 2022 gelten soll. Es gehe darum, die vorhandenen Ressourcen von der Sonderschule in die Regelschule überzuführen, meinte er. Man müsse jetzt damit aufhören, neue segregierende Einrichtungen zu bauen oder zu renovieren: "Da muss jetzt einfach Stopp sein." Denn: "Es gibt momentan kein inklusives Bildungssystem in Österreich."

Wenig Zuversicht bei Monitoringausschuss

Beim Monitoringausschusses, der die Umsetzung der UN-Konvention in Österreich überwacht, ist man wenig zuversichtlich. "Wir müssen davon ausgehen, dass auch der neue Aktionsplan nicht die notwendigen Schritte vorsieht, um allen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit und ohne Behinderungen ein gemeinsames und lebenslanges Lernen garantieren zu können", so Ausschussvorsitzende Christine Steger in einer Aussendung. Es sei besorgniserregend, wenn auch die nächsten acht Jahre keine Strategie verfolgt werde, die die Ausgrenzung im Bildungsbereich beende.

(APA/Red)

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