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Nowhere Boy

John Lennons rebellische Jugendjahre: Biopic über den "intellektuellen Beatle" zwischen authentischem Rock 'n' Roll-Zeugnis und eindringlichem Beziehungsfilm - ab 8. Dezember im Kino.
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2010 kann getrost als John Lennon-Gedächtnisjahr bezeichnet werden. Am 9. Oktober hätte er seinen 70. Geburtstag gefeiert und morgen, Mittwoch (8. Dezember), jährt sich sein Todestag zum 30. Mal. Passenderweise kommt an diesem Tag ein Spielfilm in die heimischen Kinos, der sich mit den Jugendjahren des “intellektuellen Beatles” beschäftigt. “Nowhere Boy” ist das Langfilmdebüt der britischen Künstlerin und Regisseurin Sam Taylor-Wood mit Aaron Johnson (bekannt aus der Comic-Adaption “Kick-Ass”) in der Rolle des Musikers, der sich schon als Teenager nirgends so wirklich zu Hause fühlte. Mit einer Ausnahme: seiner Musik.

Das Liverpool der 1950er Jahre ist wenig einladend, der konservative Charme von Ziegelhäusern und britischer Tristesse wohl kaum ein Ort, an dem sich ein heranwachsender Teenager mit rebellischer Ader wohlfühlt. Der fünfzehnjährige John Lennon sieht sich mit einem Umfeld konfrontiert, das ihm seiner Ansicht nach zu wenig Freiräume bietet. In der Schule gibt es nur Probleme und auch seine Tante Mimi (Kristin Scott Thomas), bei der er lebt, schenkt ihm hauptsächlich strenge Blicke und Zurechtweisungen. Als dann sein Onkel George, dem er sich durch die gemeinsame Vorliebe für Musik verbunden fühlt, plötzlich stirbt, bleibt zunächst wenig Herzlichkeit in dem kleinen Haus im Stadtteil Woolton zurück.

Bei der Beerdigung seines Onkels taucht plötzlichen Johns Mutter Julia (Anne-Marie Duff) auf, die ihn als Fünfjährigen verlies, und die vergangenen Jahre nur wenige Schritte von ihrem Sohn entfernt lebte – inklusive neuer Familie. Nach anfänglichem Zögern entsteht ein Band zwischen Mutter und Sohn, das die sehr lebendige, aber auch etwas leichtsinnige Julia immer wieder strapaziert. In der Folge entwickelt sich eine sehr intensive Dreiecksbeziehung zwischen den beiden Frauen, die gänzlich verschiedene Lebenskonzepte vertreten, und dem jungen John. So ist er letztlich hin und her gerissen zwischen einschränkendem, aber behütetem Familienleben und einer neuen Welt von Musik, Mädchen und Alkohol.

Natürlich nimmt die Gründung der ersten Band von John Lennon, den nach seiner Schule benannten “Quarrymen”, einen wesentlich Teil des Films ein, von ersten Versuchen am Banjo über Auftritte bei Jahrmarktsfesten und in Bars bis zu den – aus heutiger Sicht – historischen Treffen mit Paul McCartney (Thomas Brodie Sangster) und George Harrison (Sam Bell). Vor allem die Beziehung zwischen Lennon und McCartney wirkt wie eine Vorschau auf künftige Ereignisse: Zwei kreative Köpfe, die sich musikalisch perfekt ergänzen, auf menschlicher Basis aber verschiedener nicht sein könnten.

Mitunter wirken die Ereignisse etwas konstruiert, erscheinen die zufälligen Begegnungen und der sich ohne Vorwarnung einstellende Erfolg der jungen Musiker beinahe zu schön um wahr zu sein. Gleichzeitig laufen Lennons Familienbande immer mehr aus dem Ruder. Mit recht konventionellen, aber ausdrucksstarken Bildern und einem passenden Soundtrack der damaligen Zeit gelingt “Nowhere Boy” aber die Gratwanderung zwischen authentischem Rock ‘n’ Roll-Zeugnis und eindringlichem Beziehungsfilm.

Schwächen des Drehbuchs werden auch durch die Schauspieler wettgemacht, vor allem Scott Thomas’ Darstellung der strengen, aber letztlich führsorglichen Tante überzeugt auf ganzer Linie. Aaron Johnson wirkt mitunter eher wie eine Mischung aus James Dean und Elvis, sein körperbetontes Spiel verleiht der Figur John Lennons aber ausreichend Charme und zeigt einen Jugendlichen mit realistischen Ecken und Kanten. Und der milchgesichtige Thomas Brodie Sangster ist als etwas schüchterner Paul McCartney einfach sympathisch. Ein Film über Entwicklungen, ohne die es die Beatles nie gegeben hätte – ohne dass dieser Name auch nur einmal fällt.

www.nowhereboymovie.com

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