Notre Dame: Großbrand komplett gelöscht

Der Brand konnte komplett gelöscht werden.
Der Brand konnte komplett gelöscht werden. ©AP
Nach Angaben der Feuerwehr konnte der Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre Dame komplett gelöscht werden.
Notre Dame in Flammen
Löscheinsatz der Feuerwehr
Brand in Pariser Kathedrale
Kosten der Restaurierung
Schock in ganz Europa
Erste Bilder aus dem Inneren

Der Großbrand in der weltberühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame ist nach Angaben der Feuerwehr komplett gelöscht. “Das ganze Feuer ist aus”, sagte der Sprecher der Feuerwehr, Gabriel Plus, Dienstagfrüh.

Alle Flammen seien gelöscht, nun müssten Experten das Ausmaß der Schäden prüfen, hieß es weiter. Der Brand war demnach am Montagabend auf dem Dach ausgebrochen und hatte sich rasend schnell auf einer Fläche von rund 1.000 Quadratmetern ausgebreitet.

Notre Dame in Flammen
Notre Dame in Flammen ©APA

Feuerwehr: Drei Leichtverletzte bei Brand von Kathedrale

Bei dem verheerenden Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame sind nach ersten Erkenntnissen drei Menschen leicht verletzt worden. Dabei handle es sich um zwei Polizisten und einen Feuerwehrmann, teilte die Pariser Feuerwehr Dienstag früh mit. Die Struktur der Kathedrale sei nach neun Stunden “erbittertem Kampf” erhalten, die wichtigsten Kunstwerke habe man retten können.

Glashistoriker: “Eine Rekonstruktion ist machbar”

“Im Prinzip ist eine Rekonstruktion machbar”: Der österreichische Kunsthistoriker Günther Buchinger ist Experte für mittelalterliche Glasmalerei und nach der Brandkatastrophe von Notre Dame zuversichtlich, dass die verloren gegangenen Glasfenster der Kathedrale wieder hergestellt werden können – allerdings nicht mit dem originalen Material.

Durch die enorme Hitzeentwicklung sei das mittelalterliche Glas geschmolzen, nicht geborsten. “Das ist damit dann de facto verloren”, bedauerte Buchinger, der auch Sekretär des Corpus Vitrearum Österreich ist, eines Projekts zur mittelalterlicher und moderner Glasmalerei. Die Frage, ob man ein derart bedeutendes, historisches Kunstwerk überhaupt rekonstruieren solle, stelle sich dabei gar nicht: “Wenn man ein Objekt von diesem Rang hat, gibt es keine Diskussion. Bei solch einem Kunstwerk wird es so rekonstruiert, wie es war.”

Fenster der Kathedrale wurden detailliert dokumentiert

Zum Glück seien in der jüngeren Vergangenheit die Fenster der Kathedrale ausgebaut und detailliert dokumentiert worden. “Man weiß deshalb sehr genau, wie die Fenster aussehen.” Und heutzutage sei es sogar möglich, das mittelalterliche Farbenspiel, das auf einer speziellen chemischen Zusammensetzung beruhe, wiederzugewinnen: “Dieser Effekt ist mittlerweile rekonstruierbar.” Dieser unterscheide sich substanziell von demjenigen, der in den Kirchen des 19. Jahrhunderts zum Einsatz kam. Es gebe europaweit noch zwei Glashütten, die dieses mundgeblasene Glas herzustellen imstande sei – eine Frankreich und eine in Deutschland.

Schließlich sei Notre Dame vor allem für seine Glasarbeiten bekannt. “Das Aufreißen der Wände war der absolute Stilbruch von der Romanik zur Gotik”, so Buchinger. Dahinter steckte die Idee, aus der Kathedrale ein himmlisches Jerusalem zu machen: “Das farbige Licht ist eine Materialisierung dessen, was in der Apokalypse steht.”

Immerhin lassen erste Aufnahmen aus dem Inneren der Kathedrale vermuten, dass das Glashauptwerk, die berühmte Rosette mit ihren zwölf Metern Durchmesser und ihren markanten Blautönen, unzerstört geblieben sein könnte.

Österreicherin erwartet Zusammenstehen

Zusammenhalt der Franzosen einen Wiederaufbau Notre Dame betreffend erwartet die Österreicherin Gabriele Kecht-Massin, die seit 30 im Großraum Paris lebt. Sie glaube schon, dass die Kathedrale auch im laizistischen Frankreich ein starkes Symbol darstelle und das über die Stadtgrenzen von Paris hinaus. Zudem hätten vermögenden Familien bereits großzügige Spenden angekündigt.

Kecht-Massin selbst hat die Ereignisse erst in der U-Bahn mitbekommen, als sie vom Institut, an dem sie unterrichtet, heimgefahren war. Der Zug sei überfüllt gewesen, völlig unüblich für die Tageszeit und es habe “Grabesstille” geherrscht, berichtete sie am Dienstag auf APA-Anfrage. Eine Sitznachbarin habe dann geklagt, dass Verwandte morgen auf Besuch kommen wollten, just um Notre Dame zu sehen. Als Kecht-Massin dann in ihrem Wohnviertel Charenton angekommen war, hätten die Kirchenglocken geläutet.

Brand im Spitzturm: “Optimale Richtung”

Der Brand in der Dachkonstruktion der Pariser Notre Dame dürfte aus mehreren Gründen für die Ausbreitung des Feuers gut und damit schlecht für den Bau und die Einsatzkräfte gewesen sein. Einer davon war der Spitzturm, der innerhalb kurzer Zeit einstürzte. “Der Spitzturm bietet den Flammen eine optimale Brandrichtung”, sage Jürgen Figerl, Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr, am Dienstag zur APA.

Doch Flammen breiten sich auch in horizontaler Richtung aus, und durch die enorme Menge an sehr altem Holz im Dachstuhl entstehen große Hitze und brennbare Gase. Versagt dann ein Gebäudeteil – das kann ein Abschnitt der Dachkonstruktion sein, ein berstendes Fenster oder etwas Anderes -, verbinden sich diese Gase mit Sauerstoff und es kommt zu einer Rauchdurchzündung, einem sogenannten Flashover. “Wenn wir Türen öffnen, achten wir sehr genau darauf, wie weit fortgeschritten ein Brand ist”, betonte Figerl.

(APA/Red)

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