NÖ: Unwetter-Hotspots noch weit von Normalität entfernt

Paudorf in Niederösterreich wurde als Katastrophengebiet eingestuft.
Paudorf in Niederösterreich wurde als Katastrophengebiet eingestuft. ©APA/HELMUT FOHRINGER (Symbolbild)
In zahlreichen Teilen Niederösterreichs gab es in diesem Sommer Unwetter-Folgen. In Paudorf (Bezirk Krems), Allentsteig (Bezirk Zwettl) und Schrattenberg (Bezirk Mistelbach) sind Instandsetzungsarbeiten im Gange. Man nähert sich zwar der Normalität - ist aber noch lange nicht am Ziel.

Alle drei Regionen waren vorübergehend zu Katastrophengebieten erklärt worden.

In Paudorf hat sich der 18. Juli sozusagen in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Binnen kurzer Zeit sorgte Starkregen für ungekannte Wassermassen, es fielen bis zu 150 Liter pro Quadratmeter innerhalb von zwei Stunden. Die Fladnitz wurde zu einem reißenden Fluss. Zahlreiche Gebäude wurden überschwemmt und in Mitleidenschaft gezogen. Bürgermeister Martin Rennhofer (ÖVP) sprach mehr als einen Monat danach von einer "riesigen Naturgewalt". Die Unwetterfront sei über der Region "wirklich stehengeblieben", derartiges habe es in der Gemeinde "noch nie gegeben".

Paudorf erlebte wieder Unwetter

Mit der Wiederherstellung werde man bis Herbst oder gar Winter "massiv beschäftigt" sein, befand Rennhofer. Neben vielen Privatpersonen sei auch die Gemeinde betroffen, rechnete der Lokalpolitiker mit Ausgaben von bis zu 400.000 Euro u.a. für Schäden an Güterwegen und im Kanalsystem. Was außerdem bleibt, ist in Paudorf stets der bange Blick zum Himmel. Erst zu Wochenbeginn wurde in der Gemeinde bei einem Unwetter erneut starker Regen verzeichnet. Dieser habe aber "keine neuen Schäden an den Häusern" nach sich gezogen, atmete der Bürgermeister durch.

Allentsteig und Schrattenberg wurden am 24. Juni von schweren Hagelunwettern heimgesucht. Mehrere Zentimeter große Körner beschädigten Hunderte Hausdächer und veränderten das Bild dieser Regionen nachhaltig. Schrattenberg wurde tags darauf von einem erneuten Gewitter getroffen. Dieses sorgte in Objekten mit kaputter Dachkonstruktion für Überschwemmungen.

Feuerwehr-Kommandant blickt auf Zeit nach Unwetter zurück

Für Franz Loidolt, den Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Allentsteig, waren die einsatzreichen Tage nach dem Hagelunwetter eine "einmalige Geschichte", es "war nicht einmal das Hochwasser 2002 so schlimm". Zerstört wurden in der Waldviertler Stadtgemeinde rund 400 Dächer von Wohnobjekten. "Im Grunde war die ganze Ortschaft betroffen, es gab so gut wie kein Haus ohne Schaden", blickte Loidolt, der als Einsatzleiter zahlreiche Helfer koordiniert hatte, zurück. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch Objekte der Mitglieder seiner Mannschaft: "Es gab keinen einzigen, den es nicht selber auch erwischt hat."

Aktuell gehe in Sachen Dächerreparatur "viel weiter", dennoch seien mehrere Personen noch in einer Art Warteschleife - auf Material oder Termine. Die Stadtgemeinde wurde in den vergangenen zwei Monaten aus der Not heraus zum Anziehungspunkt für Dachdecker- und Spenglerunternehmen aus diversen Regionen. "Letzens habe ich sogar einen aus der Steiermark gesehen", schilderte Loidolt.

Schrattenberg-Bürgermeister über Unwetter

Ähnlich gestaltet sich die Lage in Schrattenberg. "Bei uns ist derzeit alles am Werken", fasste Bürgermeister Johann Bauer (ÖVP) zusammen. 15 bis 20 Dachdecker- und Spenglerunternehmen sind regelmäßig an Ort und Stelle. Viele Dächer seien aber weiterhin nur notdürftig gesichert. "Ich hoffe, dass zumindest von allen Wohnhäusern bis zum Herbst die Planen weg sind", blickte Bauer im APA-Gespräch voraus. Die Reparatur der Dächer aller Nebengebäude werde sich in diesem Jahr wohl gar nicht ausgehen, meint er.

Die Schadensbegutachtung geht laut Bauer ins Finale, rund 600 Gebäude werden in Summe besichtigt. Eine erste Schätzung von 400 zerstörten Hausdächern habe sich leider ziemlich genau bewahrheitet. Das Hagelunwetter "wird in die Chronik eingehen - im negativen Sinn".

Dachdecker stehen vor Herausforderung

Eine fast historische Herausforderung stellen die Hunderten Schadensstellen in Allentsteig und Schrattenberg auch für die in den jeweiligen Regionen ansässigen Dachdecker und Spengler dar. Viele Betriebe verschoben andere Aufträge nach hinten, teils blieb Unternehmern kaum Zeit, um Kostenvoranschläge für herkömmliche Projekte zu erstellen. Ein Ende des Arbeitens an der Kapazitätsgrenze ist vorerst nicht in Sichtweite. "Die Lage für die Betriebe in den betroffenen Gebieten hat sich leider noch nicht entspannt", befand Friedrich Sillipp, Landesinnungsmeister der Dachdecker, Glaser und Spengler in der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ). "Die Wiederinstandsetzungsarbeiten werden sicher das ganze Jahr über dauern, manche Schadensfälle sich über den Winter bis ins Frühjahr ziehen. Denn trotz aller Anstrengungen ist es nicht möglich, so viele Schadensfälle binnen so kurzer Zeit abzuarbeiten."

Einen Blick in die fernere Zukunft riskiert WKNÖ-Funktionär Werner Linhart, Inhaber eines Dachdecker- und Spenglereibetriebes in Gänserndorf. "Gebäude und Infrastruktur müssen künftig robuster gebaut und ausgestattet werden." Eine drohende Häufung von Unwetterereignissen gelte es bereits "bei der Planung zu berücksichtigen". Weiters sollten bestehende Objekte nachgerüstet werden, um Auswirkungen und Schäden zu minimieren.

(APA/Red)

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