"Nine": Platte Männerfantasie als Film-Musical getarnt

"Chicago"-Regisseur Rob Marshall bringt mit seinem neuen Musical-Film "Nine" eine Adaption des gleichnamigen Broadway-Hits auf die Leinwand. Beide basieren auf Fellinis autobiografischem Film "8 1/2".

Doch statt wie dieser ebenfalls einen zynischen Blick auf die Filmszene zu werfen, lässt Marshall Stars wie Kate Hudson und Penelope Cruz lediglich in knappen Pailletten-Outfits um Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis herumtanzen. Trotzdem ist der Film für vier Oscars nominiert. In Österreich läuft er am Freitag (26. Februar) an.

Hauptperson ist Guido Contini, hauptberuflich ein Narziss ohne Fähigkeit zur Selbstreflexion, nebenberuflich erfolgreicher Regisseur. In seiner gelebten Männerfantasie wird er umschwärmt von einer Geliebten (Penelope Cruz), seiner Frau (Marion Cotillard), seiner Muse (Nicole Kidman) und natürlich seiner Mama (Sophia Loren!). Contini gerät in eine kreative Schaffenskrise, kann seinen nächsten Film nicht fertigstellen und konzentriert sich inzwischen hauptsächlich auf in enge Korsetts gepresste Frauenkörper. Die Musical-Szenen zwischendurch stellen seine Tagträume über Frauen dar und verkommen wegen seiner mangelnden Fantasie leider zu einer mit Gesang unterlegten Modenschau für Unterwäsche.

Neben dem wenig spannenden Plot ist der hochkarätige Cast der Untergang des Films. Jede der berühmten Nebendarstellerinnen bekommt ihren speziellen Gesangsauftritt und verschwindet dann wieder von der Bildfläche. Dadurch ergibt sich eine Aneinanderreihung von berühmten Frauen, die nacheinander wenig einprägsame Lieder schmettern – meist schmachtend über Contini. Unterbrochen werden die Lobgesänge auf den Regisseur lediglich durch dessen ausuferndes Baden im Selbstmitleid. Die einzige, die bei diesem Reigen einen bleibenden Eindruck hinterlässt, ist Penelope Cruz, die auch für einen Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert ist.

Doch nicht alles ist schlecht an “Nine“, so ist zumindest der Schauplatz liebevoll gestaltet. Die legendäre Bühne 5 in den Cinecitta Studios in Rom ist Continis Arbeitsort und versetzt den Zuseher in das italienische Flair der 60er. Das goutierte auch die Oscar-Jury und stellte dem Film auch in der Kategorie “Beste Ausstattung” eine goldene Statue in Aussicht. Auch das “Beste Kostümdesign” und der “Beste Filmsong” könnte “Nine” zum Erfolg führen. Schöne Bilder, Penelope Cruz und ein Hauch Vergangenheit rechtfertigen zwar einen Besuch im Kino, alles in allem könnte selber Singen in der Palmers-Umkleidekabine aber mehr Spaß machen.

Der Trailer:

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