Nina Proll: "2G ist schwarze Pädagogik"

Nina Proll ist gegen eine 2G-Regelung.
Nina Proll ist gegen eine 2G-Regelung. ©APA/SERVUSTV/MARTIN HÖRMANDINGER
Schauspielerin Nina Proll sieht in der 2G-Regelung einen Eingriff in die Demokratie. Sie sieht keinen medizinischen Sinn in den verschärften Maßnahmen.

Am 7. Dezember startet die achtteilige Servus TV-Serie "Aus die Maus". Nina Proll spielt darin eine Schauspielerin, die nach ihrem Rausschmiss aus einer Serie in einer Tierbestattungsfirma anfängt. Im APA-Interview erzählt sie über ihre Rolle, ihr Verhältnis zu Haustieren, aber auch ihre Haltung gegen die neuen Pandemie-Regeln. Der "Ausschluss von vollkommen unbescholtenen und gesunden Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben" sei für sie "definitiv inakzeptabel", sagt sie.

APA: Frau Proll, in "Aus die Maus" spielen Sie die neue Mitarbeiterin einer Tierbestattungsfirma. Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zu Haustieren?

Nina Proll: Gut. Vor allem die Mäuse in meinem Haus mag ich gerne. Grundsätzlich lebe ich aber lieber mit Menschen zusammen. Unsere Haustiere leben alle im Freien: Katzen, Hühner, Hirsche und Bienen - und mit keinem von denen muss ich Gassi gehen. Ich habe zwei Kinder, da bin ich mit meiner Verantwortung ausgelastet. Ich möchte mich nicht um noch etwas kümmern müssen.

Mir scheint, dass in der Coronakrise die Zahl der Hunde zugenommen hat.

Proll: Die Menschen haben ja einen Vorwand gebraucht, um raus gehen zu können. Ich habe Bekannte, die haben sich sogar Hunde "ausgeliehen", um während der Ausgangssperren nicht angeschnauzt zu werden.

Ich hab immer auch den Verdacht, dass manche Menschen einfach ein Wesen brauchen, auf das sie herunterschauen können.

Proll: Ja, viele brauchen auch das Gefühl, "gebraucht" zu werden. Das gibt ihnen Sinn und einen Grund, warum sie dieses und jenes machen müssen. Ich erinnere mich an eine Frau, die mit ihrem Hund an einer Kreuzung stand. Sie wollte nach links, der Hund ging nach rechts und sie sagte schicksalsergeben: "Na gut, immer so wie du willst..."

Und der Kuschelfaktor? Eine Katze am Schoß ist ja schon was Feines.

Proll: Ich kuschle lieber mit meinen Kindern oder mit meinem Mann. Ich streichle die Katzen zwar schon gerne, sie sind aber nicht primär meine Kuschelpartner.

Die Serie "Aus die Maus" beschäftigt sich ja eigentlich gar nicht mit Tieren, sondern mit Menschen.

Proll: Genau, sie handelt von Menschen, die mit einem Tier ein Lebensthema verknüpfen, und dieses Thema arbeite ich mit ihnen ein bisschen ab. Meine Figur Bianca kommt ungewollt in den Genuss, sich mit bestimmten Themen auseinandersetzen zu müssen, obwohl sie sich insgeheim denkt: Oh Gott, wie komme ich dazu? Das hat dann durchaus eine Komik, auch weil Bianca eigentlich mit Tieren gar nichts anfangen kann. Jede Folge hat dann aber etwas Versöhnliches am Ende. Man ist einem Menschen etwas nahegekommen, den man unter anderen Umständen nie freiwillig kennengelernt hätte, und hat vielleicht etwas voneinander gelernt. Was mir an der Figur gefällt, ist, dass sie in der Lage ist, jeden zu nehmen, wie er ist. Leben und leben lassen! Das kommt mir sehr entgegen. So versuche auch ich zu leben.

Finden Sie sich auch im eigenen Leben gelegentlich in therapeutischer Funktion?

Proll: Na ja, unter Freundinnen fragt man sich natürlich gegenseitig immer wieder um Rat. Und mein Bruder z.B. schätzt an mir, dass ich mich, wie er meint, von allen Zwängen befreit habe und versuche, andere Blickwinkel auf Dinge zu werfen... Wieso schmunzeln Sie?

Weil ich Sie auch so einschätzen würde. Wenn man in der österreichischen Schauspielszene nach jemandem sucht, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt, kommt man ja recht schnell auf Sie.

Proll: Das habe ich mir aber erarbeitet. Ich glaube, dass es mir wirklich gelungen ist, mich von vielen Zwängen zu befreien - umso mehr tue ich mir schwer, weil ich jetzt so vielen Zwängen ausgesetzt bin. Damit kann ich ganz schlecht umgehen. Ich fühle mich manchmal wie in der Pubertät, wo mein Vater mir gesagt hat, was ich studieren soll, wie ich mich benehmen soll, welche Männer ich treffen soll und welche nicht, und was man überhaupt als Frau alles zu tun und zu lassen hat. Ich habe das Gefühl, ich hatte mich davon wirklich erfolgreich befreit - und jetzt ist es wieder so, dass mir jemand sagt, was ich tun und wie ich leben soll. Damit komme ich ganz schlecht zurecht.

Ist Ihnen das beruflich auch schon auf den Kopf gefallen? Oder merken Sie, dass man anders mit Ihnen redet?

Proll: Ich stelle fest, dass tatsächlich manche gar nicht mehr mit mir reden. Andererseits kommen Menschen auf mich zu, von denen ich es gar nicht erwartet hätte, die mein Bemühen für eine offene Gesellschaft nicht als "feindlich" empfinden. Aber ich kann einfach nicht anders als meine wirkliche Meinung zu sagen, wenn ich gefragt werde. Alles andere ist für mich Zeitverschwendung. Und ich erwarte auch, dass mit mir offen und ehrlich kommuniziert wird. Ich halte Ehrlichkeit aus. Schauspielen tu ich auf der Bühne.

Zumindest was Uli Brée angeht, von dem die Drehbücher zu den "Vorstadtweibern" stammten und der nun bei "Aus die Maus" für Buch und Regie verantwortlich ist, scheint das ja eine relativ glückhafte, aber zumindest eine langjährige Arbeitsbeziehung zu sein?

Proll: Gerade der Uli und ich haben eine lange Geschichte, die nicht immer harmonisch war. Auch wir hatten schon Auseinandersetzungen um Bücher, inhaltliche und künstlerische Diskussionen, die nicht immer erfreulich waren, aber wir haben das Gott sei Dank beide gut ausgehalten. Wir haben einmal ein Jahr lang nicht miteinander gesprochen, aber einen Weg gefunden, neugierig aufeinander zu bleiben und wieder aufeinander zuzugehen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass er "Aus die Maus" mit mir machen wollte.

Einer der Running Gags in der Serie ist ja, dass Bianca für ihre Rolle als Schwester Erika in der Serie "Klinik am See" wiedererkannt wird. Geht es Ihnen ähnlich mit der Nicoletta in den "Vorstadtweibern"?

Proll: Ja, natürlich. Gott sei Dank hat man mich nicht aus der Serie geschmissen, wie es bei Bianca der Fall war, es ist also nicht mit einer Niederlage verbunden. Und es gibt schlimmere Schubladen, in denen man stecken könnte. Aber so sehr es mir Spaß gemacht hat, es ist schon ganz gut, dass wieder mal etwas Neues kommt. Irgendwann hat man schon wieder Lust, sich in eine andere Schublade zu setzen. (schmunzelt)

Die Schublade Schwarzwaldklinik, wie Bianca mit ihren 15 1/2-Staffeln "Klinik am See", ist Ihnen erspart geblieben.

Proll: Ja, der bin ich lustigerweise immer entkommen. Ich hatte nie ein Angebot für eine Arztserie. Ich hatte einmal ein "Traumschiff"-Angebot, Kommissare werden mir immer wieder angeboten, aber ich bin kein großer Krimi-Fan. Hin und wieder, wenn das Buch außerordentlich gut ist, mache ich einen. Wie zum Beispiel beim "Tatort"-München in der Folge "Kehraus". Der war wirklich besonders. Kommt im Februar 2022.

Was wären spannende neue Herausforderungen für Sie?

Proll: Ich schreibe gerade wieder an einem Drehbuch. Eine Tragikkomödie. Überhaupt liebe ich das Drama, die Tragödie. Das liegt mir am meisten. Wie das in "Nordrand" der Fall war. Ich hatte bis dahin keine Ahnung vom Österreichischen Arthouse Film - ich habe nicht mal gewusst, dass es den gibt. In meiner Jugend wurde ich total verdorben von amerikanischen Blockbustern wie "Pretty Woman" und "Der Prinz aus Zamunda". Dass es auch andere Erzählweisen und Dramaturgien gibt, hab ich erst viel später erfahren.

Ob es eine Fortsetzung von "Aus die Maus" geben wird, hängt, nehme ich an, von den Quoten ab? Denn acht Folgen sind ja eigentlich nichts.

Proll: Na ja, bei "Braunschlag" haben wir auch nur acht Folgen gemacht, und dann war es aus. Aber das waren 8 x 45 Minuten. Natürlich hoffen wir alle, dass es beim Publikum gut ankommt. Vorher wird es sicher keine Entscheidung geben.

Gedreht wurde im August und im September in Tirol. Wie waren die Corona-Drehbedingungen am Set?

Proll: Eigentlich sind es seit eineinhalb Jahren die gleichen: Die Bedingungen stellt der Ausfallsfonds der Bundesregierung. Wenn man den beanspruchen möchte, sind tägliche Tests und drei verschiedene Zonen, für die jeweils etwas andere Regeln gelten, vorgeschrieben.

Geimpft muss man nicht sein?

Proll: Nein, für den Ausfallfonds ist es nicht entscheidend, ob jemand geimpft ist. Interessant ist aber, dass der Österreichische Produzentenverband in vorauseilendem Gehorsam möglichst viele Geimpfte am Set haben will. Deswegen wurden Schauspieler sowie Teammitglieder bei manchen Produktionen unter Druck gesetzt. Ich selbst bin Gott sei Dank nicht unter Druck gesetzt worden.

Sind Sie geimpft?

Proll: Ich bin genesen. Es hat mir das Leben sehr erleichtert, dass ich Antikörper habe, ohne dass ich jemals bemerkt habe, dass ich krank bin. Aber keine Ahnung, wie das in Zukunft gehandhabt wird. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das eine freie Entscheidung sein soll. Ich habe nichts gegen die Impfung und möchte auch niemanden belehren. Ich möchte nur auch leben dürfen als Nicht-Geimpfte. Die 2G-Regelung ist keine medizinische, sondern eine rein pädagogische Maßnahme, um nicht zu sagen: schwarze Pädagogik. Dass Geimpfte das Virus genauso verbreiten wie Nicht-Geimpfte, ist empirisch erwiesen. Ich halte 2G schlichtweg für unmoralisch und menschlich verwerflich, denn der Ausschluss von vollkommen unbescholtenen und gesunden Menschen aus dem gesellschaftlichen/öffentlichen Leben ist definitiv inakzeptabel. Wenn der allgemeine Gleichheitsgrundsatz nicht mehr gilt, wir also nicht mehr alle gleich an Würde und Rechten sind, sondern uns dafür erst "qualifizieren" müssen, dann leben wir nicht mehr in einer Demokratie.

(APA/Red)

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