Lauda: "Geburtstage sind mir wurscht"

Der dreifache Formel-1 Weltmeister und doppelter Fluglinien-Gründer Niki Lauda feiert seinen 60. Geburtstag nur im kleinsten Kreis. Bilder: Bewegtes Leben  |  Video 

Der 60er bedeute ihm “nix”, sagte Lauda kürzlich, “weil mir Geburtstage immer wurscht waren und der 60er sowieso”.

Niki Lauda hat selten im Leben gemacht, was von ihm erwartet wurde: Als seine Familie darauf bestand, dass er zumindest die Matura macht, bevor er seiner Leidenschaft Rennfahren frönen durfte, hat er das Zeugnis für die erwartungsvollen Angehörigen einfach selber gebastelt. Als die ganze Welt damit rechnete, dass er nach seinem schweren Unfall am 1. August 1976 Abschied vom Rennsport nehmen würde, saß er 42 Tage später wieder im Cockpit. Statt nach der Übernahme seiner Lauda Air durch die AUA das Luftfahrt-Kapitel abzuschließen, gründete er kurzerhand eine neue. Und anstatt seinen 60. Geburtstag am 22. Februar mit einer Riesen-Party zu feiern, will er den Tag im kleinsten Kreis entweder nur mit seiner Frau Birgit Wetzinger und seinen zwei Hunden verbringen oder “wenn mir das nicht gelingt, mit maximal noch acht bis zehn Leuten, mit denen ich gerne zusammen feiern würde”. Und Geburtstagsinterviews sind ihm überhaupt ein Gräuel.

Der 60er bedeute ihm “nix”, sagte Lauda kürzlich, “weil mir Geburtstage immer wurscht waren und der 60er sowieso”. Das Schönste an den vergangenen sechs Jahrzehnten sei, “dass ich immer noch gesund am Leben bin und jeden Tag entscheiden kann, was ich machen will und guter Laune bin”, sagte der dreifache Formel-1-Weltmeister und zweifache Airline-Gründer in einem Interview mit den Nachrichtenagenturen APA und dpa nach einem Flug mit “flyniki” von Wien nach Innsbruck, den er selbst pilotierte.

Er sieht auch keinen Grund, warum er – wie viele Piloten – mit dem Fliegen aufhören sollte: “Im Gegenteil, im Gegenteil. Das Alter des Berufspiloten wurde auf 65 erhöht, ja, was absolut normal und richtig ist. Warum das früher 60 war, hat mit den Gewerkschaften zu tun.” Angesichts der regelmäßigen Tests und Gesundheitschecks, denen sich jeder Pilot unterziehen müsse, sei es für ihn normal, bis 65 fliegen zu können.

Der berühmte Kapperl-Träger sieht seine Zeit im Cockpit auch als “Teil meiner Übersicht über die Airline und über die Produktentwicklung”. Damit sei er “einfach mit dabei” und “ein gutes Vorbild für meine ganze Besatzung”. Außerdem finde er auf jeden Flug irgendwas was zum “Ausstallieren”, das dann sofort korrigiert werde. “Das ist im Grunde das, was der Passagier bei uns hoffentlich spürt”, sagte Lauda.

Das Erlebnis, das Lauda spontan immer noch als das schlimmste seines Lebens nennt, war der Absturz der Lauda-Air-Maschine am 26. Mai 1991 auf dem Flug von Thailand nach Wien, bei dem alle 223 Insassen ums Leben kamen. “Ich meine, die Verantwortung, eine Airline zu führen, und dann stürzt ein Flugzeug in Bangkok ab, war sicher das Fürchterlichste, was ich erleben musste, durchmanagen musste, korrigieren musste”. Gott sei Dank sei damals nicht die Lauda Air schuld gewesen an diesem 767er Absturz, sondern der Flugzeughersteller. Die Verantwortung sei natürlich groß, “so wie natürlich jetzt, immer, mein ganzes Leben lang”. Entscheidend sei “Verantwortung richtig zu tragen und immer das Richtige zu machen”. “Gott sei Dank hab ich’s damals auch richtig gemacht,” meinte er.

Die Eckdaten von Laudas öffentlichem Leben sind weitgehend bekannt: Geboren wurde Andreas Nikolaus Lauda am 22. Februar 1949 als Sohn einer Wiener Industriellenfamilie. Ohne Wissen der Eltern gab er mit 19 mit einem von der Großmutter finanzierten Mini Cooper S bei einem Bergrennen in Mühllacken sein Renndebüt. 1971 konnte er sich bereits seinen Traum vom Einstieg in die Formel 1 erfüllen und bestritt in einem March seinen ersten Formel-1-Grand Prix. Der Wagen war jedoch nicht in Schuss – Lauda gab auf. Der große Durchbruch gelang ihm schließlich bei Ferrari: Am 28. April 1974 gewann er in Spanien seinen ersten – von insgesamt 25 – Grand Prix. Im Jahr darauf holte er den ersten von insgesamt drei WM-Titeln.

Am 1. August 1976 hätte ein schrecklicher Unfall auf dem Nürburgring beinahe alles gestoppt. Bei rund 220 km/h flog Laudas Ferrari von der Strecke und fing Feuer. Lauda erlitt schwere Verbrennungen, fünf Tage kämpften Ärzte in Mannheim um sein Leben, dennoch saß er 42 Tage nach dem Unfall in Monza wieder im Cockpit und … wurde Vierter und im Jahr darauf bereits wieder Weltmeister. Am 28. September 1979 gab er mit dem berühmten Spruch “Ich habe genug vom Im-Kreis-fahren” überraschend seinen Rücktritt bekannt. Zwei Saisonen später feierte Lauda ein Comeback bei McLaren, das 1984 mit dem dritten Weltmeistertitel belohnt wurde.

Anfang November 1985 verabschiedete er sich endgültig aus dem Grand-Prix-Zirkus – sieht man einmal von seiner Formel-1-Kommentatorentätigkeit ab – und widmete sich ganz dem Aufbau seiner Fluglinie Lauda Air. Gegründet hatte er die Chartergesellschaft bereits im April 1979, allerdings wurde ihm damals rasch klar, dass es alleine nicht ginge. Diesmal kooperierte er mit Basile Varvaressos und dessen Reiseveranstalter Itas und baute die Chartergesellschaft in wenigen Jahren zu eine vollwertigen Fluglinie mit weltweiter Linienkonzession aus und brachte sie an die Börse.

1993 stieg die deutsche Lufthansa mit einer Sperrminorität bei der Lauda Air ein und stockte später auf 39,7 Prozent auf. 1997 übernahm die AUA 36 Prozent der Lauda Air und kaufte Niki Lauda nach jahrelangem, heftigen Streit – bei dessen Höhepunkt Lauda als Vorstand zurücktrat – 2001 endgültig aus. Nach einem kurzen neuerlichen “Ausflug” in die Formel 1 als Teamchef bei Jaguar kaufe Lauda 2003 die Mehrheit an der Österreich-Tochter der insolventen deutschen Aero Lloyd, taufte sie in flyniki um und ließ sich extra auf Airbus umschulen. Mittlerweile hält Air Berlin knapp 25 Prozent an flyniki.

Nicht nur als Unternehmer und Rennfahrer, auch gesundheitlich gesehen hat der Vater dreier Söhne “mehrere Leben”: 1997 musste sich Niki Lauda wegen einer schleichenden Nierenentzündung einer Nierentransplantation unterziehen, der Spender der Niere war sein Bruder Florian. Mittlerweile musste auch diese Niere ersetzt werden, Spenderin war diesmal seine jetzige Frau Birgit.

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