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Niki de Saint Phalle verstorben

Unauffälliges hat die Künstlerin Niki de Saint Phalle, die im Alter von 71 Jahren in San Diego (USA) nach langer schwerer Krankheit gestorben ist, nie geschaffen.

Ihre Monster-Frauen, die „Nanas“, sind überdimensionierte, ebenso bunte wie üppig verlockende weibliche Figuren. Die Französin, die als Zweijährige mit ihrem Vater, einem Bankier, nach New York zog, ist mit solchen Arbeiten zu einer der bekanntesten Pop-Artistinnen der internationalen Kunstszene geworden.

Die unförmigen Plastik-Matronen, mit denen die am 29. 10. 1930 in Neuilly, einem Nobelvorort von Paris, geborene Künstlerin 1964 zum ersten Male von sich reden machte, stehen oder liegen fast überall:
In Paris, New York, Brüssel, Genf, Tokio, Luzern, Amsterdam und Los Angeles. Für die große Halle des Moderna Museet in Stockholm schuf die Künstlerin 1966 die „Größte Hure der Welt“ – das liegende Überweib ist sechs Tonnen schwer und 27 Meter lang. Durch die „keineswegs geheime Öffnung“ zwischen den Schenkeln strömen täglich rund 2.000 Besucher in ihr komfortables, mit Bar und Bibliothek ausgestattetes Inneres. Das „fantastischste Unternehmen ihres Lebens“ nannte die Künstlerin diese berühmteste ihrer „Nanas“.

Im Sommer 2000, knapp vor ihrem 70. Geburtstag, hat Niki de Saint Phalle dem Sprengel Museum in Hannover mehr als 300 ihrer Werke übereignet. Mit dem großzügigen Geschenk kehrte die Künstlerin, die im November des selben Jahres zu Hannovers erster Ehrenbürgerin geworden ist, gewissermaßen zu ihren Wurzeln zurück, denn 1969 hatte sie in Hannover eine ihrer ersten großen Ausstellungen. Auch der Stadt Nizza schenkte die Künstlerin mehr als 170 Kunstwerke.

Bevor die Komtesse mit den breithüftigen und großbrüstigen Frauenskulpturen international populär wurde, hatte sie sich in der Fachwelt bereits mit ihren „Schießbildern“ einen Namen gemacht. Robert Rauschenberg und Jasper Johns ließen ihren aggressiven Instinkten freien Lauf, wenn sie auf die von der Künstlerin geschaffenen Gipsfiguren mit Farbbeuteln schossen. Die Schöpferin der Figuren nannte sich damals eine „Terroristin der Kunst“ und versuchte offensichtlich, sich von schrecklichen Kindheitserlebnissen zu befreien. „Ich schoss gegen Daddy, gegen alle Männer“, meinte sie dazu.

1972 zielte Niki mit ihrem surrealen Filmversuch „Daddy“ zum letzten Mal auf die verhassten Väter. Danach begann sie mit ihren Riesenfrauen an ihrem Mythos des Matriarchats zu arbeiten. „Männer waren sehr erfinderisch. Sie haben alle diese Maschinen erfunden, das Industriezeitalter, aber keine Ahnung, wie man die Welt verbessert“, sagt die Gräfin in dem Porträtfilm „Niki de Saint Phalle“ von Peter Schamoni (1996).

Für ihre „Nanas“ brachte sich die Künstlerin fast um, denn sie atmete jahrelang gefährliche Dämpfe ein und litt schließlich unter einem lebensgefährlichen Emphysem, einer Aufblähung der Lunge. Seit sie in der Toskana an der frischen Luft arbeitet, geht es ihr besser. Ihren großen Garten in Capalbio will sie in einen Zaubergarten mit bewohnbaren „Nanas“ verwandeln. Ihr zweiter Mann, der Schweizer „Maschinenpoet“ Jean Tinguely, arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 1991 intensiv daran mit.

Diesen Garten verstand die Künstlerin als ihr Lebenswerk. „Tod“, „Pferd“ oder „Teufel“ heißen ihre Monster – Trumpfkarten des Tarock- Kartenspiels. In den „Tarock-Garten“ hat sie bisher mehr als 4,60 Mill. Euro investiert. „Ich habe für diesen Garten alles geopfert. Meinen Geliebten und mein Privatleben“, sagte sie einmal.

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