Nihat Kahveci: Doppelpack für die Ewigkeit

Lediglich ein Treffer war Nihat Kahveci in der Vorbereitung auf die EURO 2008 für das türkische Fußball-Nationalteam gelungen.

Doch im Schicksalsspiel in Genf genügte der 28-Jährige selbst seinen eigenen hohen Ansprüchen. Mit zwei Toren in den Schlussminuten (87., 89.) führte der Kapitän sein Team zu einem epischen Comeback-Sieg (3:2) und damit ins Viertelfinale.

“Das waren die wichtigsten Tore, die ich jemals geschossen habe”, sagte Nihat. Und er hat schon viele geschossen. In der abgelaufenen Saison führte der 1,76 m kleine Stürmer Villarreal mit 18 Toren in 25 Ligaspielen zum spanischen Vizemeistertitel. Im Team hält Nihat bei 17 Treffern, jene gegen Tschechen waren die ersten im Doppelpack. Nach der Verletzung von Emre Belözoglu hatte Teamchef Fatih Terim seinen profiliertesten Stürmer auch zum Kapitän gemacht.

“Nihat kann uns immer wieder etwas Besonderes geben”, sagte Terim über seinen Star. Die drei magischen Minuten im strömenden Regen von Genf waren tatsächlich etwas Besonderes. In der 87. Minute profitierte Nihat von einem Patzer des bis dahin so souveränen tschechischen Startorhüter Petr Cech, schob den Ball sicher ins Tor. Zwei Minuten und eine gehörige Schub an Selbstvertrauen später hob er einen Schuss in überlegter Eleganz über Cech und via Unterkante der Latte ins Netz – ein Traumtor.

“So etwas passiert nicht oft bei einer Europameisterschaft”, weiß der Matchwinner. “So ein Tor zu schießen in so einem Spiel ist eine unglaubliche Erfahrung. Dieser Sieg ist ein Geschenk an unsere Nation.” Ein Nation, deren neuer Volksheld den Namen Nihat Kahveci trägt. Schon 2002 war der ehemalige Besiktas-Spieler mit der Türkei ins WM-Halbfinale eingezogen – damals allerdings noch als Ersatzmann. Nach dem Turnier wechselte er nach Spanien, um für vier Jahre bei Real Sociedad auf Torjagd zu gehen.

Die Emotionen jener Schlussphase hätten aber alles bisher Dagewesene in seiner Karriere übertroffen, gestand Nihat. “Nach der Niederlage gegen Portugal (0:2) haben nur noch wenige Leute an uns geglaubt. Aber jetzt stehen wir im Viertelfinale und wir schreiben weiter Fußball-Geschichte.” Als Wendepunkt der Partie bezeichnete der bescheidene Stürmer aber nicht seine eigenen Tore, sondern den Anschlusstreffer von Arda Turan in Minute 75. “Danach sind die Tschechen nervös geworden.”

Doch so perfekt die Geschichte auch klingen mag. Nihat ist sich des Glücks, dem es zum Aufstieg bedurft hatte, bewusst. “Wir haben nicht gut gespielt, aber wir haben immer an uns geglaubt”, versicherte der 28-Jährige und dachte wohl schon an das Viertelfinale gegen Kroatien: “Wir wissen, dass wir einige Dinge besser machen müssen. Aber wenn wir ein Spiel auch gewinnen können, wenn wir schlecht spielen, dann können wir jeden schlagen, wenn wir gut spielen.” Nihat, der große Kritiker, als Optimist.

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