Night Moves - Trailer und Kritik zum Film

Die US-amerikanische Autorin und Regisseurin Kelly Reichardt hat sich noch nie um Genregrenzen geschert. Ihr Western "Meek's Cutoff" beispielsweise stellte die Erzählmuster der Cowboy-Epen geradezu auf den Kopf.

Auch ihr Öko-Thriller “Night Moves” bedient die Erwartungen des Publikums nicht. Zwar geht es um ein Verbrechen, doch interessiert dessen Aufklärung nur am Rande. Ab Freitag im Kino.

Night Moves – Geschichte

Kelly Reichardt will zunächst offenkundig dazu anregen, über die Frage nachzudenken, wie weit man zur Rettung der Erde gehen darf. Dazu schickt sie drei Umweltaktivisten in den Kampf: Josh (Jesse Eisenberg), Dena (Dakota Fanning) und Harmon (Peter Sarsgaard). Sie wollen einen Staudamm sprengen. Alles ist minutiös geplant. Doch dann passiert ein schreckliches Unglück mit tödlichen Folgen.

In extrem langsamem Tempo erzählt Kelly Reichardt nun nicht, wie das zu Ökoterroristen mutierte Trio versucht, sich zu retten oder der Gerechtigkeit zu stellen. Sie interessiert sich auch nicht für die Ermittlungen von Gesetzeshütern. Reichardt zeigt vielmehr, welche psychologische Belastung das Geschehen für jeden der Beteiligten mit sich bringt. Daraus erwächst eine tatsächlich enorme Spannung.

Wenn die Nerven der Protagonisten schließlich mehr und mehr am Rand des Wahns vibrieren, werden die Zuschauer dazu provoziert, sich gedanklich in das Geschehen einzumischen. Dabei macht es ihnen die Drehbuchmitautorin und Regisseurin alles andere als einfach. Denn sie verweigert Urteile. Jeder im Kinosaal muss sich seine eigene Meinung bilden.

Night Moves – Kritik

Schauspielerisch hat es Jesse Eisenberg (“The Social Network”) am einfachsten. Sein Charakter ist vom Drehbuch her am besten ausgearbeitet. Dabei hat er die wenigsten Dialoge. Eisenberg aber gelingt es, durch Mimik und Gestik das Innere des in sich widersprüchlichen Charakters nach außen zu kehren. Dakota Fannings und Peter Sarsgaards Figuren wirken dagegen eher eindimensional.

Wie in all ihren bisherigen Filmen will Kelly Reichardt auch in diesem Fall Aspekte der gegenwärtigen US-amerikanischen Gesellschaft kritisch beleuchten. Das gelingt. Der Ökothriller wird zum Gesellschaftskrimi. Denn Kelly Reichardt setzt auf eine philosophische, grundierte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen Einzelner, für sich und für die Gesellschaft das zu verwirklichen, was unter dem Schlagwort “american way of life” längst alle Ideale der Freiheit dem Bestreben nach totaler Profitmaximierung geopfert hat.

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(APA)

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