New York: Tausende zu Fuß unterwegs

Den zweiten Tag in Folge haben Millionen New Yorker nach Alternativen zu bestreikten Bussen und Bahnen suchen müssen. Die Transportgewerkschaft hält nach wie vor an ihren Forderungen fest.

Bei Minustemperaturen stapften erneut Hunderte von Menschen über die Brooklyn Bridge, an deren Ende Freiwillige mit heißem Kakao warteten. Viele machten lautstark ihrem Unmut über die Streikenden Luft, die vom Boulevardblatt „New York Post“ sogar als Ratten beschimpft wurden. Die Transportgewerkschaft hielt indes trotz einer deftigen Geldstrafe an ihren Forderungen nach mehr Lohn fest.

Ein New Yorker Gericht verurteilte die Gewerkschaft am Dienstagabend zur Zahlung von einer Million Dollar (840.000 Euro) pro Streiktag. Den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes im Staat New York sind Arbeitsniederlegungen gesetzlich verboten. Die Gewerkschaft bezeichnete die Strafe als unverhältnismäßig und kündigte Berufung an. Laut Gesetz müssen neben der Gewerkschaft auch die Streikenden selbst mit schweren finanziellen Einbußen rechnen: Für jeden Tag im Ausstand verlieren sie zwei Tagessätze ihres Gehalts. Sogar die Verhängung von Freiheitsstrafen ist möglich.

Bürgermeister Michael Bloomberg rief die Beschäftigten des öffentlichen Nahverkehrs dazu auf, zur Arbeit zurückzukehren. Sie sollten auf das Gericht hören und an „ihre eigenen Familien und ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen“ denken. Auch zahlreiche Bürger äußerten Unverständnis für den ersten Streik im öffentlichen Nahverkehr seit 25 Jahren. „Es ist zu kalt für sowas“, sagte der 55-jährige Jose Cepedes, als er sich am Dienstagabend zu Fuß auf den Weg zu seiner 25 Blocks entfernten Wohnung machte. „Ich bin sehr enttäuscht, dass keine Seite an die Gemeinschaft gedacht hat.“

Streikposten an der U-Bahn-Strecke von der Bronx nach Manhattan zeigten sich jedoch entschlossen, weiterzumachen. „Wir sind es leid, wie Abfall behandelt zu werden“, sagte einer von ihnen, der 32-jährige Angel Ortiz.

Auch die Transportarbeitergewerkschaft verteidigte sich gegen die Kritik und erklärte, bei einem Überschuss von einer Milliarde Dollar (830 Millionen Euro) hätten die Arbeitgeber auf die Lohnforderungen der Bediensteten eingehen sollen. Die Verhandlungen waren am Montagabend gescheitert. Besonders umstritten waren offenbar die Bedingungen für die betriebliche Rente. Die New Yorker Nahverkehrsgesellschaft MTA forderte, dass die Beschäftigten ihren Eigenbeitrag zu dieser Alterssicherung von derzeit zwei Prozent ihres Gehalts auf sechs Prozent steigern. „Ohne das Rententhema würden wir nicht streiken“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Roger Toussaint dem Lokalsender NY1.

Der Dachverband der Gewerkschaft, International TWU, hatte sich gegen den Streik ausgesprochen. Zur Begründung verwies der Vorsitzende Michael O’Brien auf das gesetzliche Streikverbot. Nur Verhandlungen könnten zum Ziel führen, sagte O’Brien.

Nach Schätzungen des Stadtkämmerers dürfte der Streik New York allein am ersten Tag 400 Millionen Dollar (335 Millionen Euro) an entgangenen Einnahmen gekostet haben, für jeden weiteren Tag kämen 300 Dollar hinzu. Einnahmeausfälle drohen vor allem Restaurants, Lokale und dem Einzelhandel, dem nun ein Teil des Weihnachtsgeschäfts entgeht.

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