New York Memories

Vor 20 Jahren präsentierte der Filmemacher Rosa von Praunheim Claudia, Anna und Uli, die Anfang der 80er Jahre nach New York kamen und versuchten, in der Stadt Fuß zu fassen. Nun besuchte von Praunheim seine Protagonistinnen erneut und schildert gleichzeitig die Veränderungen der Stadt New York.
Für den “dienstältesten schwulen Filmemacher” Rosa von Praunheim war NewYork immer “die schwulste Stadt der Welt”, noch vor oder gleich nach Berlin, je nachdem. Der Berliner Regisseur (“Nicht der Homosexuelle ist pervers…”) hat dort auch zeitweise gelebt und die Stadt immer wieder in seinen Filmen verewigt wie zum Beispiel in seinem erfolgreichsten Film “Überleben in NewYork“, dem 20 Jahre später nun die Fortsetzung folgt und ebenso schlicht wie anspruchsvoll “NewYorkMemories” heißt.

Dabei interessiert von Praunheim das Schicksal von Anna und Claudia, es waren seine damaligen NewYorker Protagonistinnen, die seinerzeit Deutschland verlassen hatten und ihr Glück im Schmelztiegel NewYork (“Hier wird nicht gejammert”) gesucht haben. Die damalige Dritte im Bunde, die “kleine süße Ulli”, wie von Praunheim sie nennt, ist inzwischen nach Kalifornien gezogen. Anna und Claudia aber blieben, trotz mancher Probleme, immerhin wurde Claudia sogar einmal in ihrer Wohnung überfallen und vergewaltigt. Aber zurück nach Deutschland? “Ich war zu stolz zurückzugehen”, sagt Anna in dem Film. Für den Lebensabend aber hat eine der Frauen mit ihrem amerikanischen Partner inzwischen eine Zweitwohnung im heimatlichen Görlitz (“wo es billiger ist”) ausgekundschaftet.

Auch die beiden inzwischen erwachsenen Töchter des Autors und Schauspielers Klaus Pohl (“Das Alte Land”), Lucie und Marie Pohl, die von Praunheim seinerzeit in NewYork noch als Kinder kennenlernte, erzählen in dem neuen Film von ihren Abenteuern in der großen Stadt. Von Praunheim spricht von einem “Überlebenskampf” in NewYork, wo vieles härter und schwieriger sei als in Deutschland. Außerdem porträtiert der Regisseur den 13-jährigen Sohn seines damaligen Kameramanns Jeff Preiss (der auch jetzt wieder zusammen mit dem Berliner Lorenz Haarmann hinter der Kamera stand) nach der Geschlechtsumwandlung vom Mädchen zum Jungen.

Wie in jeder großen Metropole liegt auch in NewYork “die Wahrheit auf der Straße”, es ist ein “Alltag der Extreme”, der fasziniert, wie die Frauen sagen. Aber es gibt auch andere Stimmen in dem Film: “Ich hasse NewYork, es ist kaltherzig. Und alle müssen schuften, damit sie überhaupt ihre Miete bezahlen können.” Von Praunheims Rückkehr nach NewYork ist eigentlich seinem neuen Berliner Freund Oliver zu verdanken, für den es immer ein Traum war, einmal nach NewYork zu kommen (er ist auch für den Ton des Films verantwortlich).

Im Begleitheft des Verleihs meint von Praunheim: “Obwohl viele NewYorker inzwischen von Berlin schwärmen – NewYork ist und bleibt einmalig.” Berlin sei für ihn “immer Erholung”, nach NewYork werde man süchtig, obwohl NewYork sehr teuer geworden sei und viele Szenekneipen verschwunden seien, “das ist alles weg, nur noch spießige Touristenläden”, aber immerhin sei NewYork nicht mehr so kriminell wie früher.

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