Neues Buch über die Toten Hosen: Campino im Interview

Campino im Interview in Wien.
Campino im Interview in Wien. ©APA
"Am Anfang war der Lärm" - so heißt das am Freitag erscheinende Buch über die Toten Hosen, das verdeutlicht, wie leidenschaftlich die Band auch nach 30 Jahren auf den Bühnen steht und deshalb zwischen Riesen-Open-Airs gerne in Clubs gastiert: "Dass wir es uns erlauben dürfen, abwechselnd in Clubs, Wohnzimmern und Stadien auftreten zu dürfen, ist ein Privileg", so der 52-jährige Sänger.
Campino im Interview
Die Toten Hosen am FQ

Wie chaotisch Konzerte der Düsseldorfer zu Beginn ihrer Karriere abliefen, schildert Philipp Oehmke in seinem Buch über die Toten Hosen. Schlägereien standen an der Tagesordnung, wurden sogar gesucht, wenn etwa rechte Skinheads im Publikum auftauchten.

Die Toten Hosen waren ein Aufbegehren gegen die Gesellschaft. “Damals war es unerhört, dass jemand über Alkohol singt und es abfeiert, dass er morgens umkippt”, erzählt Campino. “Heute wird ein ganz anderer Härtegrad akzeptiert. Ein Skandalsong von früher fällt heute gar nicht mehr auf. Damals war es anstößig, mit einer offenen Bierflasche über die Straße zu laufen und zu grölen.”

Die Toten Hosen und “Tage wie diese”

Seit “Tage wie diese” sind die Toten Hosen sogar im Formatradio angekommen. “Natürlich waren wir froh, dass das Lied in den Fußballstadien lief, dass es abgefeiert wurde”, so Campino.

“Aber dann kam eine ganze Wagenladung von Problemen dazu, mit denen wir erst einmal umzugehen lernen mussten. Du siehst plötzlich, wie Parteileute nach einer Wahl zu deinem Lied feiern. Und du denkst dir, das hast du aber nicht gewollt. Allerdings: Wenn du so ein Lied schreibst und es veröffentlichst, dann musst du es auch loslassen, deine Schultern müssen stark genug sein, das auszuhalten.”

Campino über Jugendbewegungen

Der Umgang mit Erfolg und die Bewahrung von Glaubwürdigkeit sind wichtige Themen in “Am Anfang war der Lärm”. Oehmke verdeutlicht anhand der Toten Hosen aber auch, wie sich Sub-Kulturen verändert haben bzw. stellt er die Frage, ob es sie noch gibt. Dazu Campino: “Ich will der Jugend von heute auf keinen Fall unterstellen, dass sie nachgelassen haben, was das Wutpotenzial betrifft. Aber die Geschwindigkeit hat sich geändert.”

In den 70ern sind Monate vergangen, bis eine neue Bewegung von London nach Düsseldorf gekommen sei: “Das hat gut getan, so konnte sich die Bewegung erst einmal definieren”, analysierte der Sänger. “Heute hast du das Phänomen: Eine neue Bewegung entsteht über Nacht, es gehen Hysteriewellen durch die sozialen Netzwerke. In der Woche zwei ist alles bereits wieder ein alter Hut. Jugendbewegungen artikulieren sich heute anders.”

(Interview: APA)

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