Neues Album: "Captain Fantastic" von Fanta 4 mit einem "Happy Finish"

Die Fantas kommen im Jänner 2019 wieder nach Wien.
Die Fantas kommen im Jänner 2019 wieder nach Wien. ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Die fantastischen Vier bleiben ihrem Superhelden-Image in ihrem neuen Album "Captain Fantastic" treu. Nach mehr als 30 Jahren begeistern die Vier erneut mit ihrer musikalischen Superkraft.

Seit bald drei Jahrzehnten stehen sie für Wortwitz, knackige Beats und musikalische Vielfalt: Die Fantastischen Vier sind weit mehr als eine Hip-Hop-Institution, sondern fester Bestandteil der Poplandschaft. Am Freitag veröffentlichen Thomas D, Smudo, Michi Beck und And.Ypsilon ihr neues Album “Captain Fantastic”. Im Interview beleuchtete Rapper Beck dessen Entstehung näher.

Den Titel der Platte wollt Ihr als “Geisteshaltung” verstanden wissen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Michi Beck: Wir wollten nicht, dass die Leute denken: Die sehen sich als Superhelden. Aber es muss schon eine Art Superkraft geben, die es geschafft hat, uns vier seit mehr als 30 Jahren zusammenzuhalten und immer noch funktionieren zu lassen. Das ist dieser Spirit, der uns leben lässt. Was die Macht für den Jedi ist, ist Captain Fantastic für den Fanti. (lacht)

Das Vorgängeralbum “Rekord” markierte Euer 25-Jahr-Jubiläum, die neue Veröffentlichung ist wiederum Eure zehnte Studioplatte. Wie schafft man nach so langer Zeit noch einen frischen Zugang?

Beck: Ab einem gewissen Alter hangelst du dich nur noch von Jubiläum zu Jubiläum. (lacht) Der Zugang war am Anfang wirklich sehr schwer. Ich bin ja sowieso der Superskeptiker und Pessimist der Band. Wir haben uns zunächst gefragt, wie lange wir eigentlich noch weitermachen wollen. Wir sind aber keine Band, die ihr Ende selbst ausrufen wird und mit einer Tour dann noch ordentlich Reibach macht. Wir hören dann auf, wenn wir merken, es kommt nichts mehr. Das ist natürlich sehr gefährlich am Anfang einer jeden Albumproduktion. Es wird ja nicht einfacher nach 30 Jahren Rap, du brauchst nicht nur nachvollziehbare Themen, sondern auch den Blick über den eigenen Tellerrand. Neue Impulse dafür haben wir uns in der textlichen Zusammenarbeit mit Leuten wie Samy Deluxe, Curse oder Damion Davis holen können – das wurde ein richtig effektives Creative Camp…

Inhaltlich gibt es teils auch kritischere, ernstere Töne…

Beck: Das war ein weiterer Knackpunkt: das Öffnen gegenüber politischeren Themen. Unsere Meinung war lange: Politische Zustände zu beschreiben, ist so komplex, dass es eigentlich immer auch eines Diskurses bedarf. Politische Texte kommen uns oft zu polemisch oder trivial daher. Man vereinfacht komplexe Themen in einem Text oft zu leicht. Bei “Endzeitstimmung” hatten wir dann genau diese Diskussion. Ich hatte Bilder wie: “Es geht nicht um irgendwelchen heiligen Kram, es geht in Wirklichkeit um Reich gegen Arm.” Aber manchmal musst du Sachen einfach auch sagen, da musst du einen Nagel reinhauen. Sich dem zu öffnen, war der zweite große Motivator für das Album.

Erneut sind viele Bezüge zu Eurem eigenen Werk eingebaut. Aber wie vermeidet man Wiederholungen?

Beck: Thementechnisch ist es fast unmöglich. Man schreibt etwas und denkt sich: Das kenn’ ich irgendwoher. Klar, man hat es ja schon mal so ähnlich geschrieben! Aber es geht darum, wie du es sagst und wie du es umsetzt. Es gibt Millionen Lieder über Liebe, aber trotzdem immer wieder schöne neue Songs. Man kann sich natürlich schon wiederholen, wenn es um Inhalte geht. Aber nicht, wenn es um Performance geht oder darum, wie man die Inhalte transportiert. Trotzdem haben wir geschafft, auch neue Sachen anzupacken. Zum Beispiel: Schöne Uhren. (lacht) Daraus wurde dann “Watchmen”. Aber klar spielst du mit Zitaten. Deutschrap hat einfach so eine lange Historie, die du kreativ nutzen kannst.

Wie hat sich denn die Szene aus Eurer Sicht verändert? Fühlt Ihr Euch noch wohl in dieser großen Familie?

Beck: Wir haben uns von Anfang an immer schon ein bisschen außen vor gefühlt, weil wir nie Lust hatten die gängigen Klischees zu erfüllen. Großteils wollten wir nicht, oft konnten wir diese auch gar nicht erfüllen. Deshalb haben wir uns immer lieber als Alternative-Rap-Act bezeichnet. Auch musikalisch haben wir uns meist anderer Elemente bedient, als in gängigen Hip-Hop-Produktionen angesagt waren. Da spielt auch die Vielfalt an Produzenten rein, von Psychedelic Rock bis zu poppigen Einflüssen. Und so sehen wir unsere Position immer noch. Wir laufen eher immer parallel. Fanta 4 war immer eigene Musik, auch wenn wir 1991 als erste ein deutschsprachiges Rapalbum released und dadurch viel losgetreten haben.

Ab Sommer steht eine große Tour an. Welche Stellenwert haben die Konzerte?

Beck: Das ist unser wichtigster Motor, was uns am meisten am Leben erhält. Das neue Album geht auch ziemlich nach vorne, fast alles kann man live spielen. Jetzt sind wir gerade dabei, mit unseren Musikern alles wieder neu aufzurollen, auch die alten Songs. Da wird der Sound aktualisiert. Deshalb sind wir viel am Proben. Wir freuen uns sehr darauf, ab Winter wird es dann mit komplett neuer Bühnenshow richtig fett. Wir wollen akustisch mit der Zeit gehen und aufräumen. In der Band gibt es gerade ein Frühjahrsputz-Gefühl. (lacht) Und im Grunde genommen schreiben wir Alben, um neue Songs zum Livespielen zu haben.

(APA/red)

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