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Neuerliche Vergeltung gegen Palästinenser

Als „Vergeltungsmaßnahme“ für den jüngsten Doppel-Selbstmordanschlag von Tel Aviv schloss die Armee am Mittwoch zwei palästinensische Universitäten in Hebron.

Diese wurden als „terroristische Brutstätten“ bezeichnete. Auch Häuser verurteilter Attentäter, einige davon in Ostjerusalem, wurden wieder zerstört. Bei Zusammenstößen wurden im Westjordanland drei Palästinenser getötet, darunter zwei 16-Jährige.

Israelische Besatzungssoldaten riegelten die Eingänge zur Islamischen Universität und zum Polytechnischen Institut in Hebron mit Eisenstangen ab. Die Armee umstellte die Hochschulareale und verhängte ein Ausgehverbot. Anschließend kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen, als Studenten mit Steinen warfen. Die Soldaten setzten Gummigeschoße ein. Ein Armeesprecher erklärte, mehrere Studenten gehörten militanten Gruppen an, so der Hamas oder dem „Islamischen Heiligen Krieg“. Sie hätten die Einrichtungen der Hochschulen missbraucht, um Anschläge zu planen.

Zwei der drei von der israelischen Armee getöteten Palästinenser waren nach palästinensischen Angaben 16-jährige Jugendliche aus dem Flüchtlingslager von Tulkarem. Einer sei erschossen worden, als die Soldaten auf Steine werfende Jugendliche das Feuer eröffnet hätten. Der andere sei erschossen worden, weil er die Ausgangssperre missachtet habe. Der dritte wurde in Kabatia bei Jenin erschossen. Nach Berichten von Einwohnern sei der 42-jährige Mann, der psychische Probleme gehabt habe, auf die Straße gegangen, um Soldaten bei der Festnahme zweier militanter Palästinenser zu beobachten. Die Soldaten erklärten, sie hätten vermutet, der Mann habe einen Sprengstoffgürtel getragen und sich in die Luft sprengen wollen.

Im Osten von Jerusalem betonierten die Behörden drei Häuser von Familien verurteilter Hamas-Mitglieder zu, um sie unbewohnbar zu machen. Die mehrstöckigen Gebäude seien nicht abgerissen worden, da dort auch andere Familien wohnten, teilte die Polizei mit. Das Haus eines Hamas-Aktivisten wurde gesprengt. Insgesamt nahmen die israelischen Streitkräfte im Westjordanland in der Nacht mehr als 20 mutmaßliche militante Palästinenser fest.

Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) hat die Tötung von Zivilisten angeprangert. In dem am Dienstag vorgelegten HRW-Jahresbericht heißt es, Israel töte „wissentlich und ungesetzlich“ palästinensische Zivilisten und nutze sie außerdem als „menschliche Schutzschilde“. 4.500 palästinensische Häftlinge, unter ihnen auch Jugendliche, seien bei ihrer Festnahme und während der Verhöre „Misshandlungen“ ausgesetzt. Kritisiert werden in dem Bericht Israels “übermäßige Anwendung von Gewalt“, das Verbot für internationale, auch ärztliche Organisationen, sich während der „Operation Schutzwall“ des israelischen Militärs im Frühjahr 2002 ins Westjordanland zu begeben, und die „Straflosigkeit für Militärs“. Auch dass die Armee 148 verdächtige Palästinenser „gezielt getötet“ habe, statt sie festzunehmen, prangert die Menschenrechtsorganisation an. Mindestens 46 Zivilisten seien bei diesen völker- und menschenrechtswidrigen „Liquidierungen“ getötet worden.

Human Rights Watch wirft andererseits der palästinensischen Führung vor, sie habe es nicht nur verabsäumt, palästinensische Angriffe und Anschläge auf israelische Zivilisten zu verhindern. Die Fatah-Bewegung von Präsident Yasser Arafat halte darüber hinaus weiterhin Kontakt zu den so genannten „Al-Aksa-Märtyrerbrigaden“, die für zahlreiche Selbstmordattentate in Israel verantwortlich seien.

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