Neuer Vorstoß der Unis für Studienplatz-Finanzierung

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Einen neuen Vorstoß für Vollkosten-Finanzierung von Studienplätzen ähnlich den Fachhochschulen (FH) wollen Universitäten nun im Zuge der Verhandlungen über die Leistungsvereinbarungen (LV) zwischen Bund und Unis unternehmen - Anlass ist der Spezialfall Psychologie.
Weil für die Studienrichtung Psychologie eine Erhöhung der Zahl der Anfängerplätze gesetzlich vorgeschrieben wurde, fordern die Unis Wien, Graz und Salzburg für die zusätzlichen Plätze “einen Satz, der zumindest in der Nähe jenes der FH liegt”, erklärte Uni Wien-Rektor Georg Winckler Donnerstag Abend im Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten.

Erhöhung der Anfängerplätze

In einer Novelle zum Universitätsgesetz (UG) 2002 wurde die Erhöhung der Zahl der Anfängerplätze in Psychologie bis 2015 von derzeit 1.600 auf bis zu 2.300 fixiert. “Wie viel sind dem Bund diese Studienplätze wert?” will Winckler in den Verhandlungen mit dem Ministerium fragen, sieht aber “keinerlei Grund für eine fachliche Differenzierung zwischen Unis und FH”. In dieser Frage haben sich laut Winckler die Rektoren der Unis Wien, Graz und Salzburg abgesprochen.

Im Zuge der Verhandlungen zu diesem Thema könne man dann durchaus auch die Frage stellen, ob solche Kostensätze auch für die schon bisher eingerichteten Studienplätze in der Psychologie gezahlt werden sollten bzw. ob man dies nicht auch für die anderen Studienrichtungen fordere, meinte Winckler. Bei Nichteinigung wären die Rektoren auch bereit, die im UG in diesem Fall vorgesehene Schlichtungskommission anzurufen, die dann einen Bescheid erlässt und den Unis damit den Rechtsweg bis zu den obersten Gerichten öffnen würde.

Der Rektor der Montanuniversität Leoben, Wolfhard Wegscheider, kritisierte scharf den Stil, wie die LV-Verhandlungen geführt werden. Es sei das verbriefte Recht der Unis Vorschläge etwa für eigene Schwerpunkte zu machen, doch das Wissenschaftsministerium gebe Projekte vor, einzelne Vorschläge seien ident für mehrere Unis. Wegscheider sprach in diesem Zusammenhang von einer “Vergewaltigung der Unis”. An seine Uni stelle das Ministerium etwa die “apodiktische Forderung”, komplett bis 2012 zertifiziert zu sein. “Da müssten unsere Professoren 1,5 Jahre nichts anderes tun als zu zertifizieren”, sagte Wegscheider.

Neuer Kollektivvertrag

Kritisch sieht der Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien, Stephan Schmidt-Wulffen, die Situation rund um den neuen Kollektivvertrag (KV) für die Unis, der am 1. Oktober in Kraft tritt. Er habe noch keine vertragliche Regelung gesehen, bei der so viele Menschen so knapp vor Inkrafttreten nicht über Details Bescheid wüssten. Zudem sieht der Rektor eine Finanzierungslücke: “Der KV kostet die Unis 60 bis 70 Mio. Euro, das Ministerium will nur 30 Mio. Euro zahlen, die Differenz müssen die Unis begleichen.” Winckler sprach zwar von “kurzfristigen Entlastungen” in den kommenden zwei Jahren durch einige Kompromisspunkte, “aber ab 2012 treffen uns die Mehrkosten voll”.

Weil die Unis “in Zeiten knapper Budgets jedem Euro nachlaufen müssen”, können sie auch nicht auf die noch verbleibenden Einnahmen aus den Studiengebühren verzichten, sagte Winckler. Die Verwaltung der stark ausgeweiteten Ausnahmebestimmungen hat zwar zu höheren Kosten geführt, die Einnahmen seien aber noch immer höher. Allerdings befürchten die Rektoren aufgrund des weitgehenden Entfalls der Studiengebühren einen starken Zuwachs an Studierenden, erste Anzeichen dafür hat es bereits im Sommersemester 2009 gegeben. An der Uni Wien rechnet man mit einem Anstieg von derzeit 74.000 auf rund 80.000 Studenten, das wäre ein Drittel aller Hochschul-Studenten in Österreich.

Die in der UG-Novelle fixierte Studieneingangsphase für alle Studien will die Uni Wien im Ausmaß von einem halben bis einem Semester (15 bis 30 ECTS-Punkte) bis 2011 realisieren. Winckler erwartet sich davon eine “Kultur der wechselseitigen Verbindlichkeit”. Wichtig sei es, bereits in den letzten Jahren vor der Matura klare Vorstellungen zu schaffen, wie die verschiedenen Studien aussehen.

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