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Neue Präsidenten für ÖGB und AK stehen fest

Wolfgang Katzian übernimmt von Erich Foglar das Präsidentenamt im Gewerkschaftsbund.
Wolfgang Katzian übernimmt von Erich Foglar das Präsidentenamt im Gewerkschaftsbund. ©APA (Sujet)
Die neuen Vorsitzenden von ÖGB und Arbeiterkammer stehen so gut wie fest: Der Chef der Privatangestelltengewerkschaft Wolfgang Katzian übernimmt von Erich Foglar das Präsidentenamt im Gewerkschaftsbund und ÖGB-Frauenchefin Renate Anderl folgt Rudolf Kaske an der Spitze der Arbeiterkammer.

Die entsprechenden Weichenstellungen hat die Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter am Dienstag in einer Pressekonferenz kundgetan. Zwar müssen Katzian und Anderl in den jeweiligen Gremien noch gewählt werden, jedoch ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse die Kür sowohl im ÖGB als auch in der AK nur noch Formsache.

Katzian wird ÖGB-Präsident, Anderl AK-Chefin

Mit seinem Wechsel an die ÖGB-Spitze gibt Katzian auch den Vorsitz an der Spitze der sozialdemokratischen Gewerkschafter ab. Diese wichtige Machtposition in Gewerkschaft und SPÖ geht an den Chef der Produktionsgewerkschaft “pro-ge” Rainer Wimmer. Neue ÖGB-Vizepräsidentin wird Korinna Schumann. Notwendig geworden waren die Rochaden, da sich sowohl Foglar als auch Kaske wie erwartet in den Ruhestand zurückziehen.

Wolfgang Katzian: ÖGB setzt auf rot-violettes Schwergewicht

Das Amt des ÖGB-Präsidenten gilt in der Gewerkschaftswelt eigentlich mehr als Repräsentationsjob. Die wahre Macht, so heißt es, läge bei den Vorsitzenden der großen Teilorganisationen wie eben der GPA oder der ehemaligen Metallergewerkschaft “pro-ge”. Katzian wird wohl antreten das zu ändern. Schon seit einem Jahrzehnt wirbt er für eine Neuaufstellung des Gewerkschaftsbunds mit dem Ziel einer Stärkung der Zentrale.

Dass Katzian sich jetzt für das Amt zur Verfügung stellt, deutet in die Richtung, dass er zumindest die Chance sieht, die überfällige Beseitigung von Doppelgleisigkeiten zwischen den Gewerkschaften zu beenden und damit zu vermeiden, dass weiterhin mehrere Teilorganisationen das selbe Feld beackern, wie es derzeit etwa im Gesundheits- oder im Verkehrsbereich der Fall ist.

Katzian, persönlich durchaus gewinnend, geht der Ruf des Machers und Machtmenschen voraus, was ihm in der Gewerkschaft naturgemäß nicht nur Freundschaften einbrachte. Bisher zog er die Strippen lieber im Hintergrund, es sollte für ihn aber auch ein Mehr an öffentlichen Auftritten kein Problem sein. Der künftige ÖGB-Chef ist ein ganz guter Redner, bewusst nicht immer im geschliffenen Hochdeutsch, aber deutlich in der Aussage, vor allem wenn es gegen den politischen Gegner geht, gegebenenfalls auch in Richtung der Arbeitgeberseite.

Seine Amtszeit in der GPA, die nun auch schon fast 13 Jahre dauert, kann man durchaus als Erfolgsgeschichte sehen. Die GPA gehört zu den wenigen Teilorganisationen, die in den vergangenen Jahren regelmäßig Mitglieder zugelegt hat. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen vor allem gegen Handelskonzerne ist es auch gelungen, die Marke der Privatangestellten-Gewerkschaft, die angesichts der rechtlichen Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten eigentlich ein Anachronismus ist, öffentlich zu verankern.

Auch wenn Katzian zu allererst Pragmatiker ist, steht er wie die GPA insgesamt am linken Flügel des gewerkschaftlichen Spektrums. Einer Koalition mit der FPÖ steht er, der auch in der Wiener SPÖ nicht ohne Einfluss ist, im Gegensatz zu anderen Spitzengewerkschaftern grundsätzlich ablehnend gegenüber. Auch gesellschaftspolitisch repräsentiert Katzian einen deutlich liberaleren Kurs als im ÖGB üblich. Inhaltlich hat sich der gebürtige Stockerauer im Nationalrat, dem er seit 2006 angehört, vor allem dem Energiesektor gewidmet und war unter anderem Hauptverhandler der SPÖ bei diversen Ökostrom-Novellen.

Das Präsidentsein üben konnte Katzian seit einigen Jahren beim Fußball-Klub Wiener Austria, der ohnehin ein bekanntes Sammelbecken prominenter SPÖ-Funktionäre ist. Selbst versuchte sich der künftige ÖGB-Chef als Tennis- und Golfspieler. Essen gehört zu den weiteren Leidenschaften des verheirateten Vaters eines erwachsenen Sohnes, was ihm mit einem seiner ältesten politischen Freunde Alfred Gusenbauer verbindet. Auch einer guten Zigarre ist Katzian nicht abgeneigt.

Seine Avancement zum ÖGB-Präsidenten bedeutet wohl den repräsentativen Abschluss einer typischen Gewerkschafter-Karriere. Der gelernte Bankkaufmann hat in der GPA so ziemlich jede Funktion durchlaufen, die verfügbar war – vom Jugendsekretär über den Geschäftsführer bis eben zum Vorsitzenden. Nebenbei verdingte sich Katzian unter anderem auch als stellvertretender Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse sowie als Obmann der Pensionsversicherungsanstalt der Angestellten.

Renate Anderl: AK-Präsidentin Nummer zwei

Skeptiker in der Gewerkschaft sind nicht sicher, ob die 55-Jährige die nötige Durchschlagskraft haben wird, die AK in einer für die Kammer schwierigen Situation durch die kommenden Jahre zu lotsen. Denn die Regierung hat bereits klar gemacht, dass sie von der Organisation Einsparungen erwartet. Erfolgen diese nicht, könnten ÖVP und FPÖ den Geldfluss an die Kammer gesetzlich drosseln.

Zudem haben Schwarz und Blau durchaus Reformen bzw. Einschnitte im Regierungsprogramm, die von der AK wohl mit kräftigem Gegenwind bedacht werden (müssen). Bisher hat Anderl nicht unbedingt die Öffentlichkeit gesucht, dies wird die erst zweite weibliche Vorsitzende der Kammer nach Lore Hostasch in neuer Funktion wohl ändern müssen.

Persönlich gibt es in der Gewerkschaft nur wenige, die der künftigen AK-Präsidentin ihren Aufstieg missgönnen. Anderl gilt nicht nur als sehr engagiert sondern auch als menschlich integer. In der Gewerkschaft war sie in diversen Betriebsratsfunktionen aktiv, bis heute wird ihr nachgesagt, dass es für sie keine zu kleinen Anliegen gibt.

Die Katzenfreundin stammt aus einfachen Verhältnissen in Wien-Favoriten und ist auch mit ihrem steigenden beruflichen Erfolg nie abgehoben. Als ihr wesentlichster Förderer gilt der legendäre Metaller-Chef Rudolf Nürnberger, der die verheiratete Mutter eines Sohns und Oma eines Enkels in den späten 1980er-Jahren zur Leiterin der neu geschaffenen Frauenabteilung in ihrer Gewerkschaft machte.

Ihr gewerkschaftlicher Aufstieg begann so richtig im Jahr 2008, als sie zur Frauenvorsitzenden bei den Metallern wurde und in den ÖGB-Bundesvorstand einzog. 2014, als Sabine Oberhauser in die Regierung wechselte, wurde Anderl ÖGB-Frauenchefin und stellvertretende ÖGB-Präsidentin. Ein Jahr später kam noch ein Mandat im Bundesrat hinzu, einen Sitz im Nationalrat verpasste sie bei der Wahl im vergangenen Oktober nur knapp.

Schon in einem Jahr wird Anderl erstmals an vorderster Front stehen, wenn es in einen Urnengang geht. Bei der AK-Wahl haben die sozialdemokratischen Gewerkschafter eine große Mehrheit zu verteidigen. Hier könnte es allerdings sogar hilfreich sein, dass die SPÖ nicht mehr in der Bundesregierung vertreten ist. Denn gerade Schwarz-Blau I bescherte den roten Gewerkschaftern bei den AK-Wahlen 2004 herausragende Resultate – und damals stand mit Herbert Tumpel auch ein Funktionär an der Spitze, der nicht unbedingt als “Rampensau” galt.

(APA/Red)

 

 

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