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Neue DNA-Spur weckt Hoffnung auf Lösung des Barschel-Falls

Könnte der mysteriöse Tod Barschels nach Jahren aufgeklärt werden?
Könnte der mysteriöse Tod Barschels nach Jahren aufgeklärt werden? ©APA
Auf den ersten Blick hört es sich vielversprechend an. Knapp 25 Jahre nach dem mysteriösen Tod von Uwe Barschel in einem Genfer Hotelzimmer haben Spezialisten des Landeskriminalamts in Kiel DNA-Spuren eines Unbekannten an der Kleidung des CDU-Politikers gefunden.

Könnte damit nun doch noch Licht in den bisher ungelösten Polit-Krimi um den früheren schleswig-holsteinischen Regierungschef kommen? Klären die Spuren, ob sich Barschel nach der Waterkant-Affäre 1987 umgebracht hat oder ob er womöglich doch ermordet wurde, weil er angeblich über illegale, internationale Waffenschiebereien auspacken wollte?

Vermutungen bestätigt?

Für den früheren schleswig-holsteinischen CDU-Landtagsabgeordneten Werner Kalinka, der bereits Bücher über den Fall verfasst hat, steht schon lange fest, dass Barschel ermordet wurde. Er sieht sich durch die Ergebnisse der von ihm selbst 2010 angeregten DNA-Analyse von Asservaten in seiner Vermutung bestätigt. Stehe doch nun fest, dass es eine zweite Spur gebe, die nicht von Barschel selbst stamme, und dass dieser damals in seinem Hotelzimmer eigentlich nicht allein gewesen sein könne.

In der Tat haben die Spezialisten Rückstände von DNS (engl.: DNA) einer fremden Person auf der Strickjacke, den Socken und der Krawatte sichergestellt, die der CDU-Politiker in der Nacht seines Todes am 11. Oktober 1987 im Genfer Hotel “Beau Rivage” trug. Auch auf einem Hotel-Handtuch im Zimmer 317, in dem Barschel tot in der Badewanne lag, seien Spuren entdeckt worden, berichtet die “Welt am Sonntag”.

Doch helfen sie bei der Lösung des Falls? Sicher ist bisher nur, dass Barschel 1987 in einen der größten deutschen Politskandale verwickelt war, bei dem SPD-Spitzenkandidat Björn Engholm illegal ausgespäht und denunziert wurde. Als Ministerpräsident gab Barschel damals sein “Ehrenwort”, dass die Vorwürfe haltlos seien. Rund eine Woche später trat er zurück, noch drei Wochen später war er tot.

Mythen um den Tod Barschels

Während etliche danach auf einen Selbstmord aus Verzweiflung schlossen, mehrten sich später Stimmen, die von einem Mord ausgingen. So wurde etwa bei der Autopsie ein tödliches Gemisch aus acht verschiedenen Medikamenten in Barschels Leiche gefunden. Auch ließen Zeugenaussagen vermuten, dass Barschel wegen Waffendeals von Leuten im Umfeld internationaler Geheimdienste zum Schweigen gebracht wurde.

Selbst die Staatsanwaltschaft Lübeck wollte die Mordtheorie nicht ausschließen, stellte aber 1989 dennoch die Ermittlungen ein. Sie erklärte, es gebe keine Perspektive für weitere Untersuchungen. Diese könnten aber jederzeit wieder aufgenommen werden. Genau das verlangt Kalinka nun im Licht der neuen Spur und beklagt, dass sich die Anklagebehörde bereits in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe.

Tatsächlich war der Fall Barschel von Anfang an derart von Pleiten, Pech und Pannen begleitet, dass manche Absicht dahinter vermuteten. Bereits die Schweizer Ermittler hatten wegen eines defekten Filmes lausige Tatortfotos abgeliefert, der erste Obduktionsbericht war unvollständig. Später verschwanden Beweismittel aus der Asservatenkammer.

Und nun? Für die Staatsanwaltschaft Lübeck gibt es trotz der Spur bisher keinen Grund für neue Ermittlungen. “Die Ergebnisse können der Staatsanwaltschaft Lübeck keinen Anlass geben, in die Todesermittlungssache wieder einzutreten”, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders dem NDR. Die Spuren seien so schwach, dass sie nicht für ein recherchefähiges DNA-Profil genutzt oder mit der Datenbank des deutschen Bundeskriminalamts (BKA) abgeglichen werden könnten.

“War professioneller Mord”

Der frühere Chef-Ermittler im Fall Barschel, Heinrich Wille, ist ähnlicher Meinung – wenn auch aus anderen Gründen. Selbst wenn die Spuren aussagekräftig wären, sagte der damalige Leiter der Lübecker Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur (dpa), brächte das kaum etwas. Denn auch dann wäre nichts in den Datenbanken zu finden. “Wenn ich Recht habe, dann war es ein professioneller Mord”, sagt Wille. Und Geheimagenten aus dem Iran, Israel oder Südafrika seien nun einmal nicht registriert. “Damals gab es keine Ansatzpunkte, die auf einen Täter weisen. Ich befürchte, das wird jetzt nicht anders sein.”

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