Nestroy-Preise in Wien verliehen: Simonischek, Peters und Handke geehrt

Peter Handke wurde mit dem Nestroy-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Peter Handke wurde mit dem Nestroy-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. ©APA
Am Samstagabend wurden im Theater an der Wien die Nestroy-Preise verliehen. Unter den Preisträgern befanden sich unter anderem Peter Simonischek, Peter Handke und Caroline Peters.
Das war die Verleihung

Zum 19. Mal wurden die besten Leistungen der vergangenen Theatersaison in Österreich sowie die beste Aufführung im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet. Durch den Abend führten Maria Happel, Viktor Gernot und Peter Fässlacher.

Caroline Peters als “Schauspielerin des Jahres”

en ersten Preis des im Bühnenbild der Barockoper “Teseo” mit Live-Bühnenorchester stattfindenden Galaabends durfte Caroline Peters entgegennehmen. Das deutsche Burgtheater-Ensemblemitglied erhielt den Nestroy als Beste Schauspielerin für ihre Rollen in Simon Stones “Hotel Strindberg”, für die sie bereits in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift “Theater heute” zur “Schauspielerin des Jahres” gewählt worden war. Derzeit ist sie auch in Sönke Wortmanns Komödie “Der Vorname” im Kino zu sehen.

Die mit dem Ausstattungs-Nestroy ausgezeichnete Australierin Alice Babidge hatte die Bühne des Akademietheaters in das “Hotel Strindberg” verwandelt, ein dreistöckiges Puppenhaus, bei dem man pro Etage jeweils zwei Zimmer zu sehen bekommt, plus ein nüchternes Stiegenhaus an der rechten Seite. In den zwei Pausen fährt die aufgerissene Hotelfront scheinbar einmal ein Stockwerk höher, einmal eines tiefer. So bekommt man im Schlussakt auch Frühstücksraum und Rezeption zu Gesicht. Die vierte Wand zum Zuschauer existiert als Glaswand. Babidge bedankte sich bei Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann für ihr Vertrauen und bei Regisseur Simon Stone für die Zusammenarbeit: “You are a genius!”

Der Nestroy für die beste Nebenrolle ging an die deutsche Schauspielerin Dörte Lyssewski, seit 2009/2010 Ensemblemitglied am Burgtheater. Sie wurde für ihre Darstellung der Annemarie Krause in der Akademietheater-Produktion “Vor Sonnenaufgang” von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann ausgezeichnet und bedankte sich vor allem bei Autor Palmetshofer und dem Regisseur Parizek.

Peter Simonischek als “Schauspieler des Jahres”

Peter Simonischek, beim Nestroy-Preis bereits mehrfach nominiert und auch mehrmals als Moderator im Einsatz, konnte seine erste Trophäe nicht persönlich entgegennehmen, da er infolge einer kurzfristigen Vorstellungsänderung an diesem Abend doch auf der Bühne stehen musste. An seiner Stelle nahm sein Sohn Benedikt den Preis entgegen und verlas Dankesworte des Vaters.

Simonischek, seit seiner Hauptrolle in “Toni Erdmann” auch im Filmgeschäft gefragt, wurde für seinen liebenswerten Patriarchen Afzal in der Akademietheater-Aufführung “The Who and the What” von Ayad Akhtar als bester Schauspieler geehrt.

Ein Double landete der deutsche Regisseur Ulrich Rasche. Als beste deutschsprachige Aufführung wurde seine spektakuläre Inszenierung von “Die Perser” des Aischylos ausgezeichnet. Das sich auf zwei rotierenden Scheibe wuchtig entfaltende Anti-Kriegs-Drama hatte bei den Salzburger Festspielen Premiere und übersiedelte anschließend an das Schauspiel Frankfurt. Bereits im Vorjahr war seine Münchner “Die Räuber”-Inszenierung in dieser Kategorie gewürdigt worden.

2015 war Dusan David Parizeks Akademietheater-Uraufführung “Die lächerliche Finsternis” von Wolfram Lotz zur besten deutschsprachige Aufführung gekürt worden. Heute konnte der tschechische Regisseur den Nestroy-Preis für die beste Regie entgegennehmen. Gewürdigt wurde seine Inszenierung von “Vor Sonnenaufgang” von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann im Akademietheater.

Peter Handke erhielt Nestroy für sein Lebenswerk

Den Nestroy für sein Lebenswerk nahm Peter Handke aus den Händen von Klaus Maria Brandauer entgegen, der seine Laudatio mit Handkes “Satzbiografie” begann und so schloss: “Du bist ein Unvergleichlicher. Und manchmal sind Deine Texte einfach zu groß für das Theater. Aber von Dauer!” Auch Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) stellte sich mit einer Laudatio ein. Handke, der am 6. Dezember seinen 76. Geburtstag feiert, war 2011 für sein Stück “Immer noch Sturm” bereits mit dem Nestroy-Autorenpreis ausgezeichnet worden. Der in Paris lebende österreichische Dichter wurde mit stehenden Ovationen gefeiert, hielt eine launige Rede und meinte: “Ich habe was zu geben. Das war immer meine Grundhaltung im Leben.” Er plädierte für die Rückbesinnung des Theaters auf jene Dinge, die es auszeichne: Sprache, Konfrontation, Rhythmus.

Geehrt wurde auch die Kulturjournalistin Karin Kathrein (80). Sie legt nach 19 Jahren den Vorsitz der Nestroy-Jury zurück und erhielt zum Abschied einen Ehren-Nestroy-Preis sowie lang anhaltende Standing Ovations.

(APA/Red)

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