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Neo-faschistischer Sänger "Thompson" trat in Wien auf

Der umstrittene kroatische Popsänger Marko Perkovic alias "Thompson" ist am Samstag im Budo-Center der Stadt Wien aufgetreten.

Der Auftritt des Sängers sei nicht genehmigt gewesen, hieß es am Dienstag seitens des Wiener Sport-Stadtrats gegenüber der APA. Man sei von dem Konzertveranstalter falsch informiert worden. Dieser habe einen Auftritt des umstrittenen Musikers negiert. “Das ist ein ärgerliches Faktum”, sagte der Wiener Sport-Stadtrat Christian Oxonitsch. Nun sei das Nachdenken über Sanktionen bei solchen Verstößen ein “Muss”.

“Ein unmittelbares Instrumentarium (zur Sanktionierung der Falschauskunft des Veranstaltervereins, Anm.) haben wir nicht”, so Oxonitsch im APA-Gespräch. Die MA 51 (Sportamt) habe als Eigentümer der Halle diese an den kroatischen Kulturverein vermietet. Thompson sei nicht auf dem Veranstaltungsprogramm gestanden und sein Auftreten sei auf Nachfragen dementiert worden.

Auch die Wiener Sportamtsleiterin Sandra Hofmann bestätigte, dass der Verein einen Auftritt des Sängers sowohl mündlich als auch schriftlich vor der Veranstaltung verneint habe. Sie werde künftige Veranstaltungen des kroatischen Vereins in Wiener Sporteinrichtungen untersagen. Auch das Büro für Terrorismusbekämpfung und Verfassungsschutz (LVT) sei nach ihren Angaben Ende März eingeschaltet worden, weil Gerüchte über einen möglichen Auftritt aufgetaucht waren.

Der Konzertveranstalter, die Österreichisch-Kroatische Gemeinschaft für Kultur und Sport, war am Dienstag für die APA nicht erreichbar. Jadranka Vincek, Kassierin des Veranstalter-Vereins, meinte gegenüber der Online-Ausgabe der Zeitung “Standard”: Sie habe Thompsons Auftritt schon “vor Monaten” der MA 36 (Veranstaltungswesen) angekündigt. Vincek: “Wenn MA 36 und MA 51 nicht miteinander kommunizieren, ist das ihre Sache”.

Die MA 36 verwies gegenüber der APA auf den Datenschutz. Aus dem Wiener Kulturamt hieß es am Dienstag auf Anfrage der APA: “Wir waren mit dem Konzert nicht befasst”. Die Vermietung des Budo-Centers falle in das Ressort des Sportamts. Das Kulturamt könne nur eine beratende Funktion einnehmen.

Laut dem Online-Artikel der Zeitung “Standard” soll Thompson bei seinem Konzert am Samstag von Fans umjubelt und umschwungen von Fahnen, darunter auch Ustascha-Fahnen, gespielt haben. Das Konzert verlief laut Hofmann aber friedlich.

Perkovic hat seinen Spitznamen “Thompson” von der gleichnamigen Maschinenpistole, die im Bürgerkrieg in Kroatien (1991-1995) verwendet wurde. Einige der Liedtexte seiner gleichnamigen Band stammen aus dem Repertoire des faschistischen kroatischen Führerstaates, dem nazi-treuen Ustascha-Regime, zwischen 1941 und 1945. In mehren Ländern wurden Konzerte des Sängers bereits abgesagt – etwa in der Schweiz mit dem Verweis auf Anti-Rassismus-Gesetze. Auch in der Ortschaft St. Andrä in Südkärnten wurde ein für Anfang Juni geplanter Auftritt letztlich aufgrund des erhöhten Sicherheitsrisikos untersagt. Im Juli klagten drei kroatische Nichtregierungsorganisationen den kroatischen Sänger wegen Aufhetzung zu Rassendiskriminierung, weil er bei einem Konzert in Zagreb einen faschistischen Gruß proklamiert habe.

Die 1929 von Ante Pavelic gegründete Ustascha-Bewegung (wörtlich: “Der Aufständische”) herrschte in Kroatien von 1941 bis 1945 als Handlangerin der deutschen Nazis und der italienischen Faschisten. Das Ustascha-Regime verübte Gräueltaten und Massenmorde, Hunderttausende Serben, Juden und Roma wurden umgebracht. Allein im KZ Jasenovac wurden laut Schätzungen des Simon-Wiesenthal-Zentrums etwa 600.000 Menschen getötet.

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