Neil Young - Grandioser Gig in grauenhafter Halle

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Einer der letzten Heiligen des Rock, Neil Young, hat am Freitagabend nach langer Zeit wieder ein Konzert in Wien gegeben. Genau genommen waren es zwei Auftritte des 62-jährigen Kanadiers im grauenhaften Austria Center.

Zuerst eine fast museale, akustische einstündige Darbietung, dann eine im wahren Sinn des Wortes elektrische Bandleistung von rund 90 Minuten. Young brachte im Rahmen seiner “Continental Tour” viele Raritäten mit, aber auch jede Menge Hits in grandioser Aufmachung.

Eigentlich bestand die Show aus drei Teilen, denn Ehefrau und Backgroundsängerin Pegi bestritt das Vorprogramm mit sauber vorgetragenen, aber etwas zu zahmen Country-Singer-Songwriter-Stücken aus ihrem soeben erschienen späten Debütalbum. Sehr melancholisch, mit “From Hank To Hendrix”, stieg Neil Young in sein Solo-Programm ein: “Here I am with this old guitar, doin’ what I can.” Und er hatte gleich mehrere Gitarren mitgebracht, die mit jeweils eigenem Sound den Liedern Charakter gaben.

Es folgte eine akustische Zeitreise von den Platten “On The Beach” (“Amublance Blues”) und “Tonight’s The Night” (“Mellow My Mind” am Banjo) über Raritäten (“Try”, “Sad Movies”) bis zum Hitalbum “Harvest”, das ordentlich abgefeatured wurde. Neben “A Man Needs A Maid” (schwermütig-skurril im Piano-Orgel-Arrangement und seit rund 30 Jahren so gut wie nie live zu hören) sowie “Old Man” kam auch “Heart Of Gold”, Youngs einziger Nummer-eins-Hit, zum Zug. Viel Jubel außerdem für “After The Gold Rush”, aber selbst dem ausgegrabenen “Love Art Blues” aus der “On The Beach”-Periode, nie offiziell auf Tonträger, wurde Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Tickets waren sauteuer, die Halle ein Graus (samt fehlender Infrastruktur beim Heimgehen: Betriebsschluss der U-Bahn, weit und breit weder Nachtbus noch Taxis, auf der Reichsbrücke herumirrende Fans aus dem Ausland), doch Neil Young wusste mit dem Schlussakt vieles zu entschädigen: “Mr. Soul”, den 40-jährigen Buffalo-Springfield-Klassiker, rockte der Kanadier mit Begleitung (Ben Keith, Rick Rosas, Ralph Molina und Anthony Crawford) im Stil einer jugendlichen Garagenband, gefolgt vom zornigen “Dirty Old Man” und dem Soulgrunge “Spirit Road” (beide von der aktuellen CD “Chrome Dreams II”).

Den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart spannten epochale, ja monströse und zugleich aufregend agile Versionen von “Down By The River” (der Höhepunkt) und “No Hidden Path”. Erstaunlich, welche Sprengkraft “Hey Hey, My My” noch heute hat, wenn die Gitarren zu zerbröseln scheinen. Bei “Rockin’ In The Free World” rissen tatsächlich sämtliche Saiten, schöner als zum aufgepumpten “Too Far Gone” hätte Young damit ohnehin nicht mehr spielen können.

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