NATO intensivierte Luftangriffe gegen Gaddafi

Die NATO hat ihre Luftangriffe auf Ziele in Tripolis intensiviert. Das libysche Staatsfernsehen meldete am frühen Dienstag in der Früh heftigen Beschuss. Die NATO-Angriffe in der Nacht waren die bisher schwersten Angriffe gegen Gaddafi.

Die NATO bestätigte einen Angriff auf einen Fuhrpark in der Nähe des Stützpunktes Bab Bab al-Aziziyah. NATO-Flugzeuge hätten einen Reihe von Lenkwaffen abgeschossen, teilte das Militärbündnis auf seiner Internetseite mit. US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron wollen weiter gegen den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi vorgehen.

Gaddafi gesichtet

In Bab al-Aziziyah soll Machthaber Gaddafi nach Angaben der Opposition zuletzt am Sonntagabend zusammen mit Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi gesichtet worden sein. Die Aufständischen meldeten auf ihren Websites außerdem, in Tajoura (Tajura) und Souk al-Jumaa, zwei Stadtvierteln in der libyschen Hauptstadt, sei es in der Nacht zu Gefechten zwischen Gaddafi-Anhängern und Regimegegnern gekommen.

Am Montag war der libysche Außenminister Abdelati al-Obeidi in Begleitung mehrerer Diplomaten nach Tunesien gereist. Welchen Zweck diese Reise hat, die von der tunesischen Nachrichtenagentur TAP gemeldet wurde, blieb unklar. Zunächst gab es jedoch keine Hinweise dafür, dass er dem Beispiel seines Amtsvorgängers Moussa Koussa folgen will, der sich Ende März nach London abgesetzt hatte.

Schwerste NATO-Angriffe

Die NATO-Angriffe in der Nacht waren die bisher schwersten Angriffe gegen Gaddafi. In Bab al-Aziziyah waren nach Angaben eines AFP-Journalisten mehr als 15 starke Explosionen zu hören. Der libyschen Regierung zufolge wurden drei Menschen getötet und etwa 150 weitere verletzt. Die NATO habe zwischen zwölf und 18 Angriffe auf Kasernen der Volksgarde in Tripolis geflogen, sagte Regierungssprecher Moussa Ibrahim, der Journalisten in ein Krankenhaus führte. Die Kasernen seien aber leer gewesen. Bei den meisten Opfern handle es sich um Zivilisten, die in der Nähe gelebt hätten. Die libysche Volksgarde besteht aus Freiwilligen, die die Armee unterstützen.

Einem AFP-Journalisten zufolge begann das Bombardement gegen 01.00 Uhr Ortszeit und dauerte länger als eine halbe Stunde an. Ein weiterer AFP-Reporter sah in einem Krankenhaus die aufgebahrten Leichen von drei jungen Männern. Alle wiesen schwere Kopfverletzungen auf. Augenzeugen gaben an, sie seien nach den ersten Luftangriffen auf die Straße nahe der Kasernen gerannt und dann von den folgenden Bomben getötet worden.

Der Stadtteil Bab al-Aziziyah, wo die Residenz Gaddafis steht, war bereits mehrfach Ziel von NATO-Angriffen. Fast täglich seit Wochen fliegt das Bündnis Einsätze gegen den Machthaber, um so gemäß UNO-Resolution Angriffe seiner Truppen auf Zivilisten zu verhindern. Hintergrund sind die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen, die den Ostteil des Landes beherrschen. Die Kräfte Gaddafis bestreiten, Zivilisten anzugreifen. Bei den Rebellen handle es sich um Islamisten.

Frankreich und Großbritannien wollen für die NATO-Angriffe künftig auch Kampfhubschrauber zur Verfügung stellen. Sie wurden bisher noch nicht eingesetzt. Mit Kampfhubschraubern seien “präzisere” Angriffe möglich, sagte der französische Verteidigungsminister Gerard Longuet am Montagabend in Brüssel. Zuvor hatte Außenminister Alain Juppe erklärt, der Einsatz der Helikopter erfolge im Einklang mit der Resolution 1973 des UNO-Sicherheitsrats. Dieser erlaubt zum Schutz von Zivilisten in Libyen “alle erforderlichen Mittel” – Bodentruppen ausgenommen. Der NATO stehen für Luftangriffe bisher 200 Flugzeuge zur Verfügung. US-Präsident Obama und der britische Premier Cameron ließen in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung “The Times” (Dienstag-Ausgabe) wissen, man werde den Einsatz gemeinsam mit den Alliierten fortsetzen, bis Resolutionen der UNO umgesetzt seien. Man werde nicht zulassen, dass die Proteste gegen das Gaddafi-Regime mit Waffengewalt zerschlagen würden. (APA)

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