Nachrichten aus dem Jenseits: "In meinem Himmel"

Wer glaubt, Christoph Waltz habe seinen Nebenrollen-Oscar praktisch schon in der Tasche, sollte sich "In meinem Himmel" (ab Freitag im Kino) ansehen. In Peter Jacksons Verfilmung des Bestsellers von Alice Sebold (Originaltitel: "The Lovely Bones") lehrt Stanley Tucci als unauffälliger Nachbar, hinter dessen Biedermann-Fassade ein Mädchenmörder lauert, nach allen Regeln der Kunst das Fürchten.

Der 49-jährige Amerikaner, aus “Der Teufel trägt Prada” in bester Erinnerung, ist am 7. März vermutlich der härteste Konkurrent des als SS-Offizier Hans Landa ebenfalls teuflisch beeindruckenden Österreichers.

Es gibt freilich noch andere gute Argumente zum Besuch dieses zwischen Tragödie, Thriller und Fantasy-Märchens wechselnden Films. Eines ist etwa die ungewöhnliche Vorlage, die Jackson gemeinsam mit Fran Walsh und Philippa Boyens zu einem Drehbuch umgearbeitet hat: Eine 14-jährige Tote erzählt aus dem Jenseits über ihr Leben, ihre Ermordung und ihren Versuch, den Kontakt zu ihrer Familie auch danach nicht abbrechen zu lassen – unter anderem, um sie auf die Spur ihres Mörders zu führen.

Peter Jackson (“Der Herr der Ringe”) hat der Zwischenwelt, auf die Susie Salmon nach ihrer Ermordung trifft, eine ganz spezielle Ästhetik verliehen, die zwischen Pop Art und Surrealismus, Alice im Wunderland und Esoterik-Kitsch nicht immer ganz geschmackssicher wirkt. Mark Wahlberg und Rachel Weisz versuchen, als glückliches Ehepaar den unterschiedlichen Umgang mit dem Unfassbaren nachvollziehbar zu machen, Susan Sarandon setzt als schräge Großmutter mit skurrilem Humor einen erfrischenden Kontrapunkt.

Als Susie Salmon überzeugt die heute 15-jährige Irin Saoirse Ronan (die für “Abbitte” bereits für einen Nebenrollen-Oscar nominiert war) in ihrer ersten Hauptrolle: Ein nettes, hübsches, hilfsbereites Mädchen, das niemandem etwas Böses will und gerade deshalb ins Visier des Bösen gerät. In der intensivsten Szene dieses auf explizite Gewalt weitgehend verzichtenden, aber außerordentlich suggestiv wirkenden Films folgt sie dem Nachbarn in das von ihm unter einem Feld gegrabene Versteck, weil sie einfach höflich sein und ihm seine Bitte nicht abschlagen möchte.

Es ist unmöglich, dabei nicht an einschlägige österreichische Kellerverliese zu denken, und die Gewissheit, dass die Wirklichkeit mitunter grausamer ist als die düsterste Autorenfantasie, ist schwer zu verdauen. Susie wäre nie mit einem Fremden mitgegangen, der Mörder muss also im Bekanntenkreis zu suchen sein – diese Erkenntnis trifft Susies Vater spät. Den Film als erzieherische Begleitmaßnahme seinem Nachwuchs zu zeigen – davon ist jedoch dringend abzuraten. Auch wenn Peter Jackson da anderer Meinung ist. Der Film sei keineswegs verstörend, sondern positiv, sagte er in einem dpa-Interview, “Unsere Tochter ist zwölf Jahre alt, und wir haben ihn auch ihr gezeigt.”

Der Trailer:

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