Nachbaur auf Tauchstation

Nachbaur wollte kein Statement abgeben
Nachbaur wollte kein Statement abgeben
Nach einem Zeitungsbericht, dass Parteigründer Frank Stronach ihr aus Enttäuschung eine 140.000-Euro-Gage vonseiten der Stronach Group gestrichen hat, ging Klubobfrau Kathrin Nachbaur am Freitag auf Tauchstation: Auf Anfrage der APA wollte sie keine Stellungnahme abgeben, eine Pressekonferenz mit ihr wurde kurzfristig abgesagt.


Eigentlich wollte Nachbaur Freitagvormittag zum Thema “Existenzängste der Gewerkschaften vernichten Arbeitsplätze” vor die Medien treten, knapp drei Stunden vorher wurde die Pressekonferenz “aus terminlichen Gründen” wieder abgesagt – hinter vorgehaltener Hand hieß es in der Partei allerdings, dass die jüngsten Schlagzeilen der Grund dafür waren. Auf Anfrage der APA wollte Nachbaur am Freitag auch keine Stellungnahme abgeben.

Somit herrscht weiter Verwirrung um ihre Tätigkeiten in Stronachs Firmen und ihrem aktuellen Verhältnis zum Parteichef. In den Umfragen läuft es für die Partei ja seit längerem miserabel. Dem “Kurier” bestätigte Nachbaur in der Freitag-Ausgabe mit den knappen Worten “Es ist halt so”, dass Stronach ihr die 140.000 Euro-Jahresgage der Stronach Group gestrichen hat. Die Zeitung schrieb von Vertrauensverlust zwischen den beiden.

Unklar ist allerdings, wann genau Nachbaur aus Stronachs Firmenimperium ausgeschieden ist. Noch im August hatte sie der APA bestätigt, weiterhin bei der Stronach Group beschäftigt zu sein. Im Oktober hieß es dann, sie sei derzeit für keine Firma des Parteigründers tätig, auch nicht mehr für die Frank Stronach Beteiligungs GmbH. Im Firmen-Compass schien sie Freitagmittag aber noch als Geschäftsführerin der Frank Stronach Beteiligungs GmbH auf. Und die im Parlament aufliegende Liste mit ihren Nebentätigkeiten hat die Abgeordnete seit Juli nicht mehr aktualisiert. Hier scheint Nachbaur noch immer als Angestellte der Stronach Group sowie als Geschäftsführerin der Frank Stronach Beteiligungs GmbH auf.

Eine Pflicht zur Aktualisierung der Nebenjobs besteht für die Abgeordneten aber offenbar nicht. Wie Experten der APA sagten, ergibt sich nämlich aus dem Gesetz unmittelbar nur die Verpflichtung, die Aufnahme einer neuen Tätigkeit innerhalb eines Monats zu melden, nicht aber das Ausscheiden aus einem Job.

Die Stimmung zwischen Stronach und Nachbaur soll derzeit jedenfalls schlecht sein, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Zu Unstimmigkeiten in Geldangelegenheiten sollen zuletzt auch persönliche Spannungen gekommen sein.

Druck aus der Partei auf Nachbaur, ihre Positionen als Vizeparteichefin und Klubobfrau zurückzulegen, gibt es nach Informationen der APA aber nicht. Sie selbst sagte in einem “Standard”-Interview, dass der Klub ihr das Vertrauen ausgesprochen habe, wiewohl sie ihren Rücktritt angeboten habe. Der APA wurde von mehreren Seiten bestätigt, dass eine entsprechende Abstimmung in der Klubsitzung am Dienstag einstimmig ausgegangen ist.

Und dass sich bereits andere in Stellung bringen, wird von den Genannten heftig bestritten: Das sei “in keiner Weise” der Fall, betonten etwa Ex-Klubchef Robert Lugar und Mandatar Leo Steinbichler. “Wir sind ein Team und jeder in diesem Team hat eine hohe Qualität. Wir werden gemeinsam daran gehen, dass wir die Partei wieder erfolgreicher machen in den Umfragen”, beteuerte der Abgeordnete Rouven Ertlschweiger.

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