Nach Familiendrama: Frauenhäuser für massiv mehr Prävention

Gewalt gegen Frauen: Mehr Prävention gefordert.
Gewalt gegen Frauen: Mehr Prävention gefordert. ©APA (Symbolbild)
Nach der Bluttat in Kottingbrunn, bei der eine Frau und zwei Kinder getötet wurden, fordert der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) massive Steigerung bei der Präventionsarbeit und beim Opferschutz.

"Wir können und wollen nicht mehr zur Tagesordnung übergehen", sagte AÖF-Geschäftsführerin Maria Rösslhumer am Montag im Gespräch mit der APA.

Frauenhelpline und Frauenhäuser

Viele Frauen, die von Gewalt betroffen sind, wissen immer noch nicht, dass es Einrichtungen gibt, an die sie sich wenden können. Dies gehöre Rösslhumer zufolge "flächendeckend" kommuniziert. Entsprechende mehrsprachige Infoblätter sollten in Supermärkten, Gemeindeeinrichtungen, Schulen und bestenfalls "in jedem Haushalt" aufliegen. "Frauen müssen wissen, dass es eine Frauenhelpline mit der kostenlosen Nummer 0800 222 555 gibt, an die sie sich rund um die Uhr hilfesuchend wenden können. Frauen müssen wissen, dass es ein Frauenhaus in der nächsten Stadt und Umgebung gibt und dass sie jederzeit und sofort einen sichereren Platz finden können", sagte Rösslhumer.

Wie wichtig die umfassende Unterstützung der Betroffenen ist, liegt auch an der doppelten Belastung der Frauen: Einerseits leiden sie unter einer gewalttätigen Beziehung, andererseits müssen sie meist alleine einen Ausweg finden. "Die Männer haben oft keinerlei Schuldbewusstsein", sagte Rösslhumer. Im Gegenteil: Oft würden sie sogar versuchen, zu verhindern, dass ihre Partnerinnen Hilfe suchen. "Diese Männer sehen sie als ihren Besitz", erklärte die AÖF-Geschäftsführerin.

Täterarbeit durch fehlendes Schuldbewusstsein schwierig

Das fehlende Schuldbewusstsein mache auch die Täterarbeit so schwierig, da diese Männer meistens nicht gelernt haben, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Zwar werden Gewalttäter etwa nach einer Wegweisung von der Polizei über die Konsequenzen ihres Verhaltens aufgeklärt und auch über Angebote wie etwa Anti-Gewalttraining informiert, "aber das sind Kann-Bestimmungen, die Täter sind nicht dazu verpflichtet", kritisierte Rösslhumer. Lernt der betroffene Mann jedoch keine anderen Kommunikationsformen, ist ein Rückfall sehr wahrscheinlich.

Um Gewalt gegen Frauen "endlich zu beenden", sieht die AÖF-Geschäftsführerin die gesamte Gesellschaft in der Pflicht. Alle Berufsgruppen, die mit häuslicher Gewalt und Partnergewalt konfrontiert sind, müssten laufend sensibilisiert und geschult werden, damit sie geschlechtsspezifische Gewalt verstehen. Aber auch reguläre Bürger seien gefordert: So sollten bei wiederholten Streitigkeiten in der Nachbarschaft die Behörden informiert werden. "Man muss genauer hinsehen", forderte Rösslhumer. Einem Mord an einer Frau in einer Beziehungen geht in der Regel nämlich eine Gewaltspirale voraus, die auch von außen unterbrochen werden kann.

Mehr Geld in Sicherheit von Frauen investieren

"Wir fordern auch alle PolitikerInnen im Land auf, ab sofort alles zu tun, um Gewalt an Frauen und Kindern zu beenden und Morde zu verhindern. Österreich muss viel mehr Geld in die Sicherheit von Frauen investieren", forderte Rösslhumer. Benötigt würden dafür 210 Millionen Euro pro Jahr.

Zudem sollte Österreich die schon 2013 ratifizierte Istanbul-Konvention - das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt - "endlich umsetzen". Mit der Unterzeichnung hat die Republik sich verpflichtet, die Maßnahmen der Konvention anzuwenden, um alle Formen der Gewalt gegen Frauen aktiv zu bekämpfen. Angesichts des 18. Frauen-Mordes heuer in Österreich forderte der AÖF zudem eine 18-minütige Staatstrauer.

(APA/Red)

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