Mutter Teresa vor 100 Jahren geboren

Für viele ist sie der Inbegriff der Barmherzigkeit, die alte, runzelige, kleine Frau mit dem weiß-blauen Sari. Viele Beinamen hat sie für ihr aufopferndes Engagement für die Slum-Bewohner von Kolkata (Kalkutta) erhalten: "Engel der Armen und Sterbenden", "Flamme des Lebens", "Heilige der Gosse". Heiliggesprochen wurde sie noch nicht, das Verfahren dazu läuft noch.
Also sprach. . . Mutter Teresa
Die Lebensstationen der Mutter Teresa

Seliggesprochen wurde sie aber schon 2003, im Eilverfahren nur sechs Jahre nach ihrem Tod. 1979 erhielt sie den Friedensnobelpreis: Ordensgründerin Mutter Teresa, die vor 100 Jahren geboren wurde.

Mutter Teresa erblickte am 26. August 1910 in Skopje als Anjeza Gonxha Bojaxhiu (sprich: Gondscha Bojadschiu) das Licht der Welt als Tochter eines wohlhabenden, katholischen, albanischen Kaufmannes. Die heutige mazedonische Hauptstadt Skopje gehörte damals noch zum Osmanischen Reich.

Noch heute wird Mutter Teresa von den Albanern besonders verehrt, obwohl sie nur 18 von 87 Lebensjahren auf dem Balkan verbrachte und obwohl die meisten Albaner Muslime sind. So ist der Flughafen der albanischen Hauptstadt Tirana nach ihr benannt. Nicht nur in Skopje gibt es eine Mutter-Teresa-Statue, sondern etwa auch im Empfangszimmer des albanischen Staatspräsidenten neben jener des Nationalhelden Skanderbeg. In Skopje wurde im Vorjahr ein “Mutter-Teresa-Haus” eröffnet. Und nicht nur im Kosovo, woher ihre Mutter stammte, wird mit Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen der Landsfrau zu ihrem 100. Geburtstag gedacht, sondern weltweit und vor allem an ihrer Hauptwirkungsstätte Kolkata.

Auch in Wien, wo der von Mutter Teresa gegründete Orden Missionarinnen der Nächstenliebe seit 25 Jahren eine Niederlassung hat, gibt es im Stephansdom eine Gedenkmesse. Die Päpstlichen Missionswerke in Österreich (“Missio Austria”) richten in der Peterskirche eine Ausstellung über die “Missionarin der grenzenlosen Liebe” aus. Missio-Austria-Direktor Leo Maasburg, ein langjähriger Begleiter von Mutter Teresa, hatte bereits im Frühjahr eine neue Biografie veröffentlicht. In Graz wird ein interkulturelles Fest und ein Symposium organisiert.

Mutter Teresa besuchte zweimal Österreich: 1988 sprach sie aus Anlass des Weltfriedenstages in der UNO-City, 1990 traf sie mit dem damaligen Wiener Erzbischof, Kardinal Hans Hermann Groer zusammen. Umgekehrt besuchten österreichische Politiker wie Alois Mock und Benita Ferrero-Waldner (beide V) sie in Kolkata.

Mutter Teresa war im Alter von 18 Jahren den irischen Loreto-Schwestern beigetreten, die sie als Lehrerin nach Kolkata sandten. 1948 verließ sie diese Gemeinschaft und ging nach einem Ruf Christi in eines der schlimmsten Elendsviertel der ostindischen Stadt, um dort das Leben der Armen zu teilen und ihnen zu helfen. Ihre Gründung der “Missionarinnen der Nächstenliebe” machte sie weltweit bekannt. Freiwillige Helfer und Spender fanden sich. Mutter Teresa rief Schulen, Hospize, Waisenhäuser, Lepra-Stationen, Suppenküchen, Obdachlosenheime und Jugendzentren ins Leben. Für ihr Werk, das international in über 130 Ländern fußfasste, wurden ihr zahlreiche Ehrungen zuteil, so auch der Friedensnobelpreis.

Am 5. September 1997 starb Mutter Teresa 87-jährig in Kalkutta an Herzversagen. Bereits sechs Jahre später sprach sie Papst Johannes Paul II. im Eilverfahren selig. Erst zehn Jahre nach ihrem Tod wurde durch bis dahin nicht unveröffentlichte Briefe Mutter Teresas bekannt, dass sie Zweifel an ihrer Berufung, an ihrem Glauben und an der Existenz Gottes hatte. Auf das noch immer laufende Heiligsprechungsverfahren sollte dies keinen negativen Einfluss haben, versicherten Kardinäle damals.

Mutter Teresa war aber schon zu Lebzeiten auch Kritik ausgesetzt: Sie wolle die Armen nur bekehren, hieß es. Die Menschen, die in ihren Sterbehäusern ein letztes Zuhause finden, bestätigten das nicht. Kinder in ihren Waisenhäusern werden nicht getauft, damit Adoptiveltern sie in ihrem jeweiligen Glauben erziehen können. Den Vorwurf, sie helfe zwar den Armen, tue aber nichts gegen die Ursachen der Armut, kehrte Mutter Teresa in die Aufforderung um, doch selbst Hilfsprojekte zu starten: “Ich leiste meinen kleinen Beitrag.” Bemängelt wurden nicht zuletzt aber auch ihre gemäß katholischer Lehre strikte Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen und künstlichen Verhütungsmethoden.

Mehr zum Thema unter

http://www.motherteresa.org/german/layout.html

und http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/1979/teresa.html

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