Musical-Spaß: "Forbidden Ronacher"

"Come look at the Freaks", lädt das an Zombies erinnernde Ensemble die Zuschauer ein: Im Künstlerheim wird nach pharmakologischer Grundversorgung durch Schwester Rebecca der "Time Warp" geprobt.

Die alten Herrschaften möchten mit einer Musicalgala den einstigen Ruhm wieder auferstehen lassen. So singen bald drei Schreckschrauben auf der Suche nach dem passenden Partner “I need a Hero”, huldigt der Senior mit gewinnendem Lächeln seinen dritten Zähnen (“I can’t smile without you”) und gerät Rebecca bald an den Rande des Wahnsinns: “I want to break free!” – Die “All-Star Musicalcomedy” “Forbidden Ronacher” funktioniert nach einem simplen Grundrezept: alte Hits in neuem Gewand.

Uraufgeführt wurde der von Hannes Muik ersonnene und unter Gesamtleitung von Werner Sobotka realisierte Abend rund um “die etwas seltsame Entstehung einer Musicalgala” unter branchenüblichem Jubel gestern, Sonntag, allerdings im Wiener MuseumsQuartier. Die Wiedereröffnung des Etablissements Ronacher ist zwar nach jahrelangen Provisorien und verschobenen Umbauplänen nicht erst für 2038, sondern für den 30. Juni 2008 geplant, bis dahin nutzt diese letzte Produktion der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) in ihrer Schiene “Ronachermobile” die Wartezeit, um liebevoll die eigene Branche auf die Schaufel zu nehmen.

Daher funktioniert der zweieinhalbstündige Abend am Besten bei den Hardcore-Fans, die nicht nur die verballhornten Hits und die zahlreichen aufgewärmten Uralt-Witze aus der Theater-Branche, sondern auch die eingebauten Insider-Scherze am meisten zu würdigen verstehen. Die anderen Besucher haben zwar durchaus Spaß an der professionell gemachten Persiflage, wünschten sich jedoch ein Buch, das für die Figuren mehr als reine Klischees übrig hat, das anstelle von Worthülsen über echte Dialoge verfügt, und dessen Dramaturgie über die reine Grundidee hinaus auch noch Einfälle für Entwicklung und Ende hat. Denn was im ersten Teil mit großem Schwung in Gang gesetzt wird, wird nach der Pause zusehends kraftlos und schleppt sich eher mühsam ins Ziel. Aus dem Nachteil, dass aus rechtlichen Gründen sämtliche Musical-Evergreens von Andrew Lloyd Webber fehlen müssen, einen Running Gag zu machen, erweist sich überdies nicht als die glanzvollste aller Ideen.

Das siebenköpfige Ensemble ist in dem Altersheim-Aufenthaltsraum, den Bühnenbildner Hans Kudlich schön als Mischung aus Arbeiterkammer-Barock und Nostalgie-Rumpelkammerl gestaltet hat, mit Begeisterung bei der Sache. Am gelungensten ist die bis an den Rand des Grabes fortgesetzte alte Rivalität zwischen der Diva Norma (Carin Filipic) und der ewigen Zweitbesetzung Susanne (Annette Wimmer). Wenn sie in ihren “Elisabeth”-Kostümen von anno dazumal einen herrlichen Zickenkrieg veranstalten und “Dieses Lied gehört nur mir!” schmettern, bleibt kein Auge trocken. Während Kerstin Ibald als Schwester Rebecca nicht nur Gelegenheit zu schönen Anspielungen auf das gleichnamige Musical erhält, hat sich Sigrid Hauser, die ehemalige “kranke Schwester” der TV-Comedy, als alzheimergeplagte Rampensau eine anrührende Figur zurechtgelegt, die auch stimmlich punkten kann. Das Männertrio – Roman Frankl als verstimmter Klavierspieler, Sascha O. Weis als Regisseur mit Allmachtsfantasien und Oliver Mülich als Tunte im Rollstuhl – fällt dagegen deutlich ab.

Das hinter der Bühne postierte VBW-Orchester intoniert die Neuarrangements von Herbert Pichler und sorgt für das nötige Live-Feeling bei dem Jukebox-Musical, das von Herbert Grönemeyer bis Nana Mouskouri auch zahlreiche musikalische Ausflüge in andere Genres unternimmt. Am Ende wirft sich die Generation 75 plus auf offener Bühne in Rocker-Montur und zieht zu Pete Townshends “My Generation” ins Künstler-Altersheim Ronacher. Dort warten tatsächlich große Aufgaben auf das Team der Vereinigten Bühnen Wien. Bis dahin leistet “Forbidden Ronacher” augenzwinkernde, doch unterhaltsame Überbrückungshilfe.

Forbidden Ronacher“, Uraufführung, Buch: Hannes Muik, Musikalische Leitung und Arrangements: Herbert Pichler. Gesamtleitung: Werner Sobotka, Bühne: Hans Kudlich, Choreografie: Ramesh Nair. Halle E im Museumsquartier Wien, Bis 26.4., tgl. außer Mo., 19.30 Uhr, Karten: 01 / 58885, http://www.musicalvienna.at)

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