Museumsquartier: Von den Hofstallungen zum Wohnzimmer der Wiener

Es ist eines der Lieblingsfreizeitfleckchen der Wienerinnen und Wiener. Aber wie entstand das vielgeliebte "MQ" eigentlich?
Künstler im MQ schnitzt aus Sandblock
Winter im MQ: Neue Architektur
Neue Enzis fürs Museumsquartier
10 Jahre Museumsquartier: Luftskulpturen

Fast drei Jahrhunderte Baugeschichte, 24 Jahre Diskussion, elf Jahre (Um-)Planung, drei Jahre Bauzeit und nunmehr zehn Jahre Betrieb – das Museumsquartier Wien hat eine lange, bewegte Geschichte. Eine Chronologie:

1713: Kaiser Karl VI. beauftragt Johann Bernhard Fischer von Erlach mit der Errichtung eines Hofstallgebäudes vor dem äußeren Burgtor.

1725: Fertigstellung der Hauptfront durch Fischer von Erlachs Sohn Johann Emanuel.

Ab 1850: Umgestaltung und Erweiterung der Hofstallungen, Errichtung u.a. der Winterreithalle durch Leopold Mayer.

Ab 1921: Nutzung als Messe- und Ausstellungsareal, Errichtung größerer Zu- und Umbauten (“Messepalast”)

1977: Beginn der Überlegungen, das Areal künftig für die Bundesmuseen zu nutzen.

1985: Erstmalige Bespielung des Areals durch die Wiener Festwochen

1986: Ausschreibung eines zweistufigen Wettbewerbs zur musealen Nutzung, bei dem sieben der 88 eingereichten Projekte zur Weiterbearbeitung in der zweiten Stufe empfohlen werden: Werner Krakora, Hans Hollein, Ernst Hiesmayr/Rudolf Prohazka, Stefan Hübner, Georg Friedler, Ortner & Ortner sowie Oswald Matthias Ungers.

1990: Die Architekten Laurids und Manfred Ortner gewinnen den Wettbewerb, die MuseumsQuartier Errichtungs- und Betriebsgesellschaft wird gegründet.

Ab 1990: Ständige Umplanungen und Veränderungen des ursprünglichen Siegerprojekts.

1993: Die Gemeinde Wien entschließt sich zu Errichtung und Betrieb einer Kunst- und Veranstaltungshalle im Areal.

1994: Der Bund erwirbt die Sammlung Leopold, die im Museumsquartier ihre Heimstatt finden soll.

1995: Absiedlung der Wiener Messen, Architekt Manfred Wehdorn, Spezialist für Renovierungen, wird beigezogen, der geplante Leseturm fällt nach heftigen Diskussionen und einer Kampagne der “Kronen Zeitung”.

Ab 1995: Verschiedene kleine Initiativen und Institutionen sorgen für beständiges kulturelles Leben im Areal.

1997: Erteilung eines positiven Denkmalschutzbescheids und der Baubewilligung. Mit einem “Startfest” feiert man am 8. 12. den endgültigen Startschuss zur Verwirklichung des Projektes.

April 1998: Baubeginn

Oktober 1999: Dachgleiche der Neubauten (Leopold Museum, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien sowie Kunst- und Veranstaltungshalle)

Dezember 2000: Ein Konzept für das “Quartier 21″ wird von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) angenommen, die bisherigen “Drittnutzer” können bleiben.

Jänner 2001: Die Neubauten im Museumsquartier werden von den Auftraggebern (Bund und Gemeinde Wien) an ihre Nutzer zur Einrichtung, Möblierung und Besiedelung übergeben.

MQ wächst mit kreativem Raum

Mai 2001: Die beiden Veranstaltungshallen und die kleine Ausstellungshalle der Kunsthalle Wien nehmen ihren Betrieb auf.

Juni 2001: Am 11. Juni feiert die Kunsthalle Wien ihre Gesamteröffnung, von 28. bis 30. Juni wird das Museumsquartier mit einem dreitägigen Fest feierlich eröffnet. Offizieller “Geburtstag” ist die Eröffnung durch Bundespräsident Thomas Klestil, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), Kulturministerin Elisabeth Gehrer (V) und Bürgermeister Michael Häupl (S) am 30. Juni.

Herbst 2001: Das Museum Moderner Kunst (MUMOK) eröffnet am 15. September, das Leopold Museum am 21. September, das ZOOM Kindermuseum am 29. September. Im Oktober startet das Tanzquartier Wien, gefolgt von der “Gesamteröffnung” des Architekturzentrum Wien (AZW).

Sommer 2002: Die vom Künstler Josef Trattner im Auftrag des Museumsquartiers für die Außenräume entworfenen Schaumstoffobjekte werden ein voller Erfolg.

Herbst 2002: Am 13. September eröffnet das quartier21 im Fischer von Erlach-Trakt. Zunächst finden hier 20 kleinere Kulturinstitutionen Heimat.

Mai 2003: Die im Winter im Form von Iglus erstmals verwendeten neuen Sitzmöbel “Enzis” von PPAG werden – in der Farbe “schwimmbadblau” erstmals im Sommer in den Höfen aufgestellt und sogleich ein voller Erfolg. Mit per Voting bestimmter jährlich wechselnder Farbgebung werden sie zum Markenzeichen und Werbeträger des Areals.

Juni 2004: Erstmals findet das Literaturfestival “O-Töne” in den Höfen statt.

Oktober 2004: Dschungel Wien und Glacis Beisl feiern (Wieder-)Eröffnung.

März 2005: Feridun Zaimoglu sorgt mit einer Installation von türkischen Fahnen an der Kunsthallen-Fassade für Aufregung.

Oktober 2006: Im Rahmen einer Personale im MUMOK lässt der Künstler Erwin Wurm ein umgedrehtes Einfamilienhaus an der Dachkante des Museums anbringen – ein viel fotografierter Eye Catcher. 

Schärfere Kontrolle bei Alkohol

Juni 2009: Gegen schärfer kontrollierte Regeln, nach denen auf dem Areal keine selbstmitgebrachten alkoholischen Getränke mehr konsumiert werden dürfen, regt sich heftiger Protest. Museumsquartier-Direktor Wolfgang Waldner spricht schließlich von einem “riesengroßen Missverständnis”. Man wolle nur den illegalen Verkauf von Alkoholika verbieten, nicht deren Konsum.

November 2009: In den frühen Morgenstunden des 19. November geht der erst knapp eine Woche zuvor eröffnete und aus Enzi-Liegen zusammengesetzte “Eispalast” im Haupthof aufgrund eines technischen Defekts in Flammen auf.

März 2010: Drei begehbare Skulpturen des Ateliers Van Lieshout, darunter die “BarRectum”, erregen Aufsehen.

August 2010: Die “Enzis” bekommen Geschwister: die “Enzos” sind bunt und hohl – und etwas weniger beliebt wie ihre großen Sitzmöbel-Schwestern.

Mai bis Oktober 2011: Mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm wird der 10. Geburtstag des Museumsquartiers begangen.

(apa)

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