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Mordfall Silke Schnabel: Stundenlange Plädoyers zu Ende

Die Plädoyers am Vortag dauerten bis 20.30 Uhr. Ein wesentliches Indiz für die Schuld des Angeklagten sei, dass "damals wie heute keine Hinweise auf andere Tatverdächtige vorlagen, betonte Staatsanwalt Andreas Allex.

Er war der letzte Mensch, der Silke Schnabel gesehen hat.” Der Todeszeitpunkt sei dem gerichtsmedizinischen Gutachten zufolge sehr wahrscheinlich ident mit dem Verschwinden des Mädchens.

Laut Zeugen habe Silke Schnabel in der mutmaßlichen Tatnacht am 11. Juli 1992 auch jene Bluse getragen, die ein paar Wochen später bei dem Angeklagten sichergestellt wurde. Zur Frage, wie die Bluse in die Wohnung von Anton W. kam, mutmaßte der Staatsanwalt: Diese könnte von den zwei Polizisten, die Anton W. am Morgen des 11. Juli schlafend an der Salzachböschung auffanden, nicht bemerkt worden sein, W. hätte die Bluse dann mitgenommen.

Als weiteres Indiz wertete Allex, dass das Blut am Gürtel des Verdächtigen dieselbe Blutgruppe wie die von Silke Schnabel aufwies. Belastend seien auch nicht nur Aussagen von Prostituierten und des damaligen Chefermittlers gewesen, sondern auch die Tatortanalyse von Thomas Müller. Offensichtlich habe der Angeklagte die Tat verdrängt, sagte der Staatsanwalt.

Opferanwalt Stefan Rieder, der die Mutter des Opfers vertritt, bezeichnete es als sehr belastend für den Beschuldigten, dass dessen Mutter zwei Beweisgegenstände verschwinden lassen wollte: Die Bluse von Silke Schnabel und den mit Blut befleckten Gürtel des Verdächtigen. Rieder forderte einen “symbolischen Mindestbetrag” von 1.000 Euro als Teilschmerzensgeld. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass die Silkes Mutter von dem Angeklagten Geld haben wolle, erklärte Rieder.

Verteidiger Karl Wampl rüttelte an das Gewissen der Geschworenen: “Meine Überzeugung, ja fast Aufforderung an Sie ist: sprechen Sie ihn frei, einen sicheren Beweis haben wir nicht.” Für alle “Fakten” in diesem Mordfall könne man auch eine andere plausible Erklärung finden, meinte der Anwalt. Die Schlüsse, die Täter-Profiler Mülle ziehe, “sind wissenschaftlich nicht messbar”. Sie beruhten auf Erfahrungswerte und Beobachtungen, seien aber nicht zwingend, erklärte Wampl.

Die Übereinstimmung der Blutgruppe ist für den Verteidiger ebenfalls kein Beweis. Die Blutgruppe A hätten ja 43 Prozent der Menschen im westlichen Kulturkreis. Und das Faktum, dass Anton W. die Bluse bei sich zu Hause hatte, spreche nicht gegen seinen Mandanten. “Hat er sie als Trophäe heimgenommen? Das wäre ja noch dümmer als sich am Tatort hinzulegen. So blöd kann er nicht sein”, sagte Wampl. Er erinnerte die Geschworenen auch daran, dass am Tatort keine Spuren eines Mordes festgestellt wurden und dass sich mit der Zeit die Erinnerungen der Zeugen “verformen” würden – manche seien gewollt oder ungewollt durch die Medienberichterstattung manipuliert worden.

Das “letzte Wort” hatte der Angeklagte. “Ich habe es schon zweimal gesagt – mehr kann ich nicht sagen: Ich bin unschuldig. Danke.”

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