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Mordfall Silke Schnabel: Spaziergängerin dachte an einen Kampf

In den Zeugenstand trat auch jene Spaziergängerin, die am 11. Juli 1992 ihren Schäferhund ausführte und Anton W. gegen 6.00 Uhr fast nackt an der Salzachböschung nahe der Lehenerbrücke liegen sah. "Ich glaubte, der Mann ist tot und verständigte die Polizei."

Sie erinnerte sich noch, dass seine Jeans, die bis zu den Knöcheln heruntergezogen waren, und das danebenliegende violette Hemd augenscheinlich nass waren.

Das 40 Zentimeter hohe Gras war in einem Durchmesser von zwei, drei Metern “um ihn herum niedergetreten. Zur Salzach führte eine breite Spur. Ich dachte an einen Kampf. Oben, auf dem Gehweg, sah ich einen Blutfleck, auf der Straße lag eine Gürtelschlaufe”, schilderte die Zeugin. Silke Schnabel wurde, nachdem sie vergewaltigt und erwürgt worden war, in die Salzach geworfen.

Ein weiterer Zeuge, ein Maschinist des Mönchsbergaufzuges, der im Sommer 1992 nach Dienstschluss gegen 3.30 Uhr entlang des Mayburgerkais nach Hause geradelt war, berichtete, dass er gegen 3.40 Uhr ein Pärchen auf einer Bank nahe der Lehenerbrücke sitzen gesehen hatte. An Details konnte er sich nicht mehr erinnern, nur so viel: “Der Mann war dunkelhaarig (wie der Angeklagte, Anm.).” Laut Niederschrift der Polizei gab der Maschinist in seiner ersten polizeilichen Einvernahme an, dass eine weibliche, halbnackte Person auf der Bank saß. Vor ihr kniete ein Mann, der auf sie einredete. Ob es sich bei ihm um den Angeklagten handelte, konnte der Maschinist nicht sagen. Anton W. hatte laut Zeugen allerdings erst um 5.00 Uhr das Lokal “Max und Moritz” verlassen.

Die damalige Geschäftsführerin des Beisls stellte dem Angeklagten heute ein schlechtes Zeugnis aus: “Er ist ein Narrischer. Wenn er betrunken war, war er aggressiv. Nach seiner Enthaftung habe ich ihn immer rausgeschmissen.” Für sie sei es eine klare Sache, dass W. der Mörder sei. “Er gehört in ein Arbeitslager”, sagte die 68-jährige Zeugin.

Zur Sprache kam heute auch jene zur Tatzeit 17-jährige Frau, die vor dem Mord mit Silke Schnabel in einer betreuten Wohngemeinschaft gelebt hatte. “Silke war ein relativ starker Mensch, hatte aber eine geringe Hemmschwelle.” Sie wollte Silke am Abend des 10. Juli noch überreden, mit ihr ein anderes Lokal zu besuchen, erzählte die Zeugin. Doch Silke, die sich zuvor noch mit ihrem Freund gestritten hatte, ging alleine weg. “Sie trug Jeans, eine Jeansjacke, meinen BH und ein weißes Hemd, das aus grobem Material war.” Auf die Frage des vorsitzenden Richters Günther Nocker, warum sie die Bluse jetzt näher beschreiben konnte, in einer früheren Einvernahme aber nicht, fand sie keine Antwort. Bei einer Hausdurchsuchung Ende Juli 1992 entdeckten Polizisten bei Anton W. eine weiße Damenbluse. Verteidiger Karl Wampl hatte gestern erklärt, Silke sei vermutlich drei Wochen vor ihrem Verschwinden zu Hause bei dem Beschuldigten gewesen und hätte die Bluse womöglich dort liegen gelassen.

Der Angeklagte saß während der Zeugeneinvernahme am Vormittag regungslos auf seinem Platz und gab kein Wort von sich. Als die Ex-Prostituierte an die Reihe kam, wurde er auf Anordnung des Vorsitzenden aus dem Saal geführt. Am Nachmittag werden noch weitere Zeuge einvernommen.

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