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Mordalarm in Wien: Drei Kinder offenbar von ihrer Mutter getötet

Die Frau meldete die Tat selbst bei der Polizei.
Die Frau meldete die Tat selbst bei der Polizei. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Samstagfrüh soll eine Mutter in Wien ihre drei Kinder getötet haben. Sie meldete die Tat selbst bei der Polizei.

Eine 31-Jährige soll in einer Wohnung in Wien-Donaustadt ihre drei kleinen Kinder getötet haben. Nach einem Suizidversuch, der laut Polizei nicht lebensgefährliche Verletzungen verursachte, meldete sich die Frau über den Notruf, wo sie das Tötungsdelikt gestanden habe. Der acht Monate alte Bub und die drei und neun Jahre alten Mädchen starben laut vorläufigen Angaben der Gerichtsmedizin durch Ersticken. Um das Leben der Ältesten kämpften die Ärzte noch rund eine Stunde lang.

Bluttat in der Donaustadt

Weil die aus Nepal stammende Frau beim Notruf angekündigt hatte, sich selbst töten zu wollen, sei sie zunächst an Ort und Stelle von den ersten Einsatzkräften fixiert worden. "Bei einer sofortigen Durchsuchung der Wohnstätte fanden die Polizeibeamten ein Mädchen und einen Buben vor, bei denen eindeutige Todeszeichen vorhanden waren. Ein drittes Mädchen wurde hospitalisiert, die Reanimation blieb jedoch erfolglos", berichtete Polizeisprecher Paul Eidenberger.

Die Mutter hatte den Notruf gegen 5.20 Uhr abgesetzt. Einsatzkräfte rasten zu dem Mehrparteienwohnhaus in der Nähe des Kagraner Platzes. Die Frau selbst wies laut Eidenberger Verletzungen im Handbereich auf, die nicht so schwerwiegend waren, dass sie ins Spital gebracht hätte werden müssen. Es habe sich um oberflächliche Schnitte durch ein Messer gehandelt. Sie wurde am Samstagvormittag auf einem Polizeikommissariat von einem Amtsarzt untersucht, der u.a. feststellen musste, ob die 31-Jährige vernehmungsfähig ist.

Obduktionen der Töchter am Samstagabend

Die Obduktionen der Kinder dürften am Samstagabend stattfinden. Die vorläufige Diagnose der Gerichtsmedizin lautete Tod durch Ersticken. Für die beiden jüngeren Kinder kam jede Hilfe zu spät. Die Neunjährige war von den Rettungskräften leblos vorgefunden worden, es bestand aber offenbar Hoffnung, sie wiederzubeleben. Rund eine Stunde bemühten sich die Helfer, das Kind zu reanimieren, letztlich erfolglos.

Die Verständigung Angehöriger war am Samstag noch im Gang. Der Vater der Kinder halte sich vermutlich in Wien auf, lebte aber offenbar getrennt von der Familie, hieß es.

Kerze vor der Eingangstür

Eine Kerze vor der Eingangstür, eine Handvoll Medienvertreter vor dem einstöckigen Wohnbau in Wien-Donaustadt, unweit des Kagraner Platzes - nur wenig deutete gegen Samstagmittag darauf hin, dass wenige Stunden zuvor eine Mutter hier in einer Wohnung im Obergeschoß ihre drei kleinen Töchter umgebracht haben dürfte. In der Straße hier herrschte wie immer reger Verkehr, viele Autofahrer nützen sie, um den Kagraner Platz zu umgehen. Passanten gab es dagegen kaum.

Lediglich eine Frau führte mit ihrer erwachsenen Tochter ihre beiden kleinen Hunde aus. Sie wohnt in der unmittelbaren Nachbarschaft, sagte sie. Über die Mutter und ihre Kinder wusste sie nichts, sagte sie, zeigte sich aber über das Verbrechen betroffen. Welche Verzweiflung eine Frau fühlen müsse, um vermutlich ihre drei Kinder umzubringen, das fragten sich alle am Ort des Geschehens.

Die Polizei hatte ihre Arbeit am Tatort bereits beendet. Nur ein Siegel an der Wohnungstür deutete darauf hin, dass hier ein Verbrechen verübt wurde. Der Nachbar zeigte sich von den Medienvertretern im Stiegenhaus genervt. "Wir haben heute schon genug Scherereien gehabt", meinte er und drohte, die Polizei zu rufen, falls das Stiegenhaus nicht geräumt werde.

Mutter einvernahme- und haftfähig

Ein Amtsarzt beurteilte die 31-Jährige mittlerweile als einvernahme- und haftfähig. Sie sollte im Laufe des Nachmittags unter Beiziehung eines Dolmetschs befragt werden, ebenso der getrennt von Frau und Kindern lebende Familienvater.

Dem Vater überbrachten Ermittler die Schreckensnachricht an seinem Arbeitsplatz in einem Lokal im Bezirk Alsergrund. Er wird, ebenfalls mit Hilfe eines nepalesischen Übersetzers, als Zeuge vernommen werden, sagte Eidenberger.

In der Familie, die offenbar schon jahrelang in Österreich lebte, war es vor einigen Wochen zu einem heftigen Streit mit gegenseitiger Körperverletzung gekommen, der mit einer Wegweisung des 44-Jährigen endete. "Es wurde ein Betretungs- und Annäherungsverbot verhängt, das mit Ende September vorbei war und nicht zu einer einstweiligen Verfügung verlängert worden ist", was die 31-Jährige hätte beantragen können, sagte der Polizeisprecher.

Jüngstes Opfer war ein Bub

Eine 31-Jährige soll in Wien-Donaustadt ihre drei Kinder im Alter von acht Monaten sowie drei und neun Jahren getötet haben, sie befand sich am Samstagnachmittag in Polizeigewahrsam. Nachdem zunächst immer von drei Mädchen die Rede gewesen war, berichtigte die Polizei am Nachmittag ihre ursprünglichen Angaben: Das jüngste Opfer sei ein Bub, stellte Sprecher Paul Eidenberger gegenüber der APA richtig.

Gefährdung der Kinder "war nicht absehbar"

Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe "kennt die Familie anlässlich der Information über eine Wegweisung durch die Polizei seit zwei Wochen", gab deren Sprecherin Andrea Friemel auf APA-Anfrage bekannt. Bei Wegweisungen wird standardmäßig eine sogenannte Gefährdungsabklärung begonnen. "Im Zuge dieses Verfahrens gab es mit den Eltern und den Kindern sowie mit der Schule und der WienerInterventionsstelle gegen Gewalt in der Familie persönliche und telefonische Kontakte. Es zeigten sich bei den Eltern die in der Wegweisung angeführten Beziehungsprobleme", so die Sprecherin. Eine Gefährdung der Kinder "war bei den Kontakten nicht absehbar". Betreffend des Beziehungskonflikts der Eltern sei Beratungsbedarf wahrgenommen worden, worauf Beratungstermine mit Unterstützung durch eine Dolmetscherin organisiert worden seien. "Eine derartig tragische Handlung der Mutter macht betroffen und war nicht vorhersehbar", so Friemel.

Auslöser könnten Eheprobleme gewesen sein

Eine 31-Jährige, die in der Familienwohnung in Wien-Donaustadt ihren acht Monate alten Sohn und die beiden Töchter, drei und neun Jahre alt, getötet haben soll, hat sich in der Einvernahme weiterhin geständig gezeigt. Die Hintergründe der Tat könnten "in Eheproblemen und Familienproblemen" zu suchen sein, sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger der APA. Der Vater der Kinder sei bereits einvernommen, er sei zum Tatzeitpunkt definitiv nicht in der Wohnung gewesen.

Aus dem Umfeld der Familie verlautete, dass sich die Frau ungefähr seit der Geburt des jüngsten Kindes in einer psychisch schwierigen Lage befunden haben soll. Es sei zu Streit mit dem 44-Jährigen gekommen, eine Trennung oder Scheidung standen offenbar im Raum. Die 31-Jährige soll befürchtet haben, in diesem Fall die Kinder zu verlieren. Der Mann hatte zuletzt nicht mit seiner Frau und den Kindern zusammengelebt, er war nach einem angeblich von beiden Seiten handgreiflichen Streit weggewiesen worden.

(APA/Red)

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