Mord an Oppositionellem in Tunesien: Flüge von Wien nach Tunis verspätet

Auch Flüge von Wien nach Tunis sind vom Streik betroffen.
Auch Flüge von Wien nach Tunis sind vom Streik betroffen. ©APA (Symbolbild)
International ist die Ermordung des Oppositionspolitikers Mohamed Brahmi in Tunesien verurteilt worden. Erneut ist es in Tunis zu spontanen Protesten gekommen, Streik und Flugausfälle sind die Folge. Auch zwei Flüge vom Flughafen Wien-Schwechat sind betroffen.

Die tunesischen Gewerkschaften protestieren am Freitag mit einem Generalstreik gegen die Bluttat, weswegen auch alle Flüge in der beliebten Urlaubsdestination ausfallen.

Ermordung international verurteilt

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon rief zu Ruhe auf. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass diese abscheuliche Tat den Demokratieprozess in dem Land zum Scheitern bringe, sagte Ban laut einem Sprecher. Der französische Präsident Francois Hollande und der deutsche Außenminister Guido Westerwelle verurteilten die Bluttat. Politische Gewaltakte seien in keiner Weise hinnehmbar, erklärte Westerwelle. “Ich rufe alle politisch Handelnden in Tunesien auf, sich auch in diesem schwierigen Moment ihrer Verantwortung für die junge Demokratie des neuen Tunesiens bewusst zu sein.”

AUA-Flüge von Streik betroffen

Die wichtigste Gewerkschaft UGTT rief für diesen Freitag zu einem Generalstreik auf, im Parlament war ein Trauertag geplant. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, wurden alle Flüge von und nach Tunesien am Freitag gestrichen. Auf dem Flughafen Wien-Schwechat würde dies jeweils zwei Flüge betreffen. Der AUA-Flug OS 9325 mit Abflug um 5.15 Uhr ist laut Flughafen-Homepage bis 20.00 Uhr verspätet. Um 16.55 Uhr wäre der Tunisair-Flug TU 4733 betroffen.

Mohamed Brami erschossen

Der Abgeordnete Mohamed Brahmi wurde am Donnerstag in einem Vorort von Tunis vor den Augen seiner Frau von Unbekannten auf der Straße erschossen. Der 58-Jährige gehörte in der Verfassungsgebenden Versammlung dem linken, nicht religiösen Lager an und leitete die Partei “Bewegung des Volkes”. Brahmi galt als erbitterter Gegner der Islamisten.

Da der Mordanschlag am Gedenktag zur Republikgründung im Jahr 1957 verübt wurde, gab es kaum Zweifel daran, dass radikalislamische Kräfte hinter der Tat stecken. “Die Nachricht ist klar. Die Täter sind gegen den Staat und die Werte der Republik”, sagte Kherif Khyari von der Parteienkoalition Front Populaire der dpa. Bereits am Donnerstag versammelten sich in Tunis viele Menschen zu spontanen Protesten gegen Terrorismus und Gewalt. Vor dem Innenministerium mussten Sicherheitskräfte Tränengas gegen aufgebrachte Demonstranten einsetzen. In der Stadt Sidi Bouzid steckten Randalierer den Sitz der Bezirksregierung in Brand.

Massenproteste in Tunesien

Anfang des Jahres war in Tunesien der Oppositionspolitiker Chokri Belaid von islamistischen Extremisten ermordet worden. Im Anschluss eskalierten seit längerem anhaltende Spannungen im Ursprungsland des Arabischen Frühlings und es kam zu Massenprotesten. Die islamistische Regierungspartei Ennahda stimmte deswegen einer Kabinettsneubildung zu. Die Partei hatte 2011 die erste Wahl nach dem Sturz von Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali klar gewonnen. Sie bildet seitdem mit der Mitte-Links-Partei CPR und der sozialdemokratischen Ettakatol eine Koalition.

“Wir verurteilen dieses abscheuliche Verbrechen aufs Schärfste”, kommentierte die Ennahda die erneute Bluttat. Der Mord sei nicht nur ein Angriff auf Brahmi, sondern auf den gesamten demokratischen Übergangsprozess. (APA)

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