Morales fordert Meerzugang für Bolivien

Evo Morales in Wien
Evo Morales in Wien
1.000 Teilnehmer aus 90 Ländern nehmen seit Montag in Wien an der UN-Konferenz für Binnen-Entwicklungsländern teil. Der bolivianische Präsident Evo Morales hat dabei vor allem eine Mission: Einen Meerzugang für sein Land einzufordern: "Wir wollen die bolivianische Position unterstreichen, dass die Ozeane gemeinsames Erbe aller Menschen sind", erklärte Morales am Montagnachmittag vor Journalisten.


Noch bis vor knapp 140 Jahren hatte Bolivien auch einen solchen. Doch dann verlor das Land 1879 in einem Krieg mit Chile 400 Küstenkilometer und ist nicht nur vom Meer, sondern auch weitgehend von der internationalen Schifffahrt abgeschnitten. So wie alle Binnen-Entwicklungsländer, denen dadurch ein gewaltiger Wettbewerbsnachteil entsteht. Etwa kostet es einem Binnenland laut Weltbank rund 3.050 Dollar (2.435 Euro) um einen Standard-Container zu verschiffen, einen Staat mit Meerzugang lediglich rund 1.270 Dollar.

“Bolivien ist kein Staat ohne Meerzugang. Vielmehr ist Bolivien ein Land, das temporär seines Meeres- und Küstenzugangs beraubt wurde”, hatte Morales zuvor laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE bei der Wiener Konferenz erklärt. Daher ist das Andenland im April 2013 auch vor den Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag gezogen.

Chile ist jedoch der Meinung, der IGH sei nicht zuständig, da der “Vertrag über Frieden und Freundschaft” von 1904 Bolivien ohnehin einen privilegierten Zugang zum Meer und verschiedenste Handelsvorteile in Höhe von 100 Mio. Dollar pro Jahr einräume. Bis 14. November hat Bolivien noch Zeit seinerseits eine Stellungnahme abzugeben.

Man wolle keinesfalls die internationale Ordnung stören, fügte Morales hinzu. “Aber wir wollen, dass Chile verpflichtet wird, Verhandlungen zu führen.” Während Bolivien über keinen Meerzugang verfügt, hat Chile mehr als 6.000 Kilometer Küste.

Der bolivianische Präsident klagte, zu oft sei seinem Land in der Vergangenheit von Chile ein Entgegenkommen in Aussicht gestellt und dann nicht gehalten worden. Mit Präsidentin Michel Bachelet sei etwa schon in ihrer ersten Amtszeit von 2006 bis 2010 ein Drei-Punkte-Plan erstellt worden, der auch einen eigenen Meerzugang für Bolivien beinhaltet habe, aber schließlich nichts erreicht worden. Ihr Nachfolger Sebastian Pinera habe ebenfalls Verhandlungen in Aussicht gestellt, die dann nie stattgefunden hätten.

Jedenfalls sei die Frage des bolivianischen Meerzugangs, “ein Problem der Regierungen, nicht der Völker”, betonte der ehemalige Koka-Bauer. “Als ich 2006 Chile besuchte, rief die Bevölkerung:’ Wir wollen einen souveränen Meerzugang für Bolivien’.”

Keinerlei Probleme dürfte es hingegen mit der österreichischen Staatsspitze geben: Morales und Bundespräsident Fischer, der den Bolivianer am Nachmittag in der Hofburg empfing, pflegen ein äußerst freundschaftliches Verhältnis. Morales habe dabei “insbesondere die ausgezeichneten Leistungen der österreichischen Firma Doppelmayr beim Seilbahnbau in Bolivien”, erwähnt, heiß es danach aus der Präsidentschaftskanzlei. Weitere Aufträge auf diesem Gebiet seien “durchaus im Bereich des Möglichen”.

Das Seilbahnprojekt ist der bisher größte Auftrag einer österreichischen Firma in Lateinamerika, laut bolivianischen Medienberichten soll das Volumen rund 200 Mio. Euro betragen. Insgesamt werden in der Hauptstadt La Paz drei Seilbahnlinien errichtet, zwei davon wurden bereits eröffnet, eine dritte soll im November folgen.

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