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Babys am LKH Graz vor 25 Jahren womöglich vertauscht - 200 DNA-Tests nötig

Mögliche Baby-Verwechslung vor 25 Jahren am LKH Graz
Mögliche Baby-Verwechslung vor 25 Jahren am LKH Graz ©SXC (Themenbild)
Vor 25 Jahren sollen am LKH Graz zwei Babys vertauscht worden sein. Im Zuge einer Blutspende erkannte eine junge Steirerin, dass ihre Mutter nicht ihre leibliche Mutter sein kann. Das Uniklinikum bietet nun verunsicherten Frauen einen kostenlosen DNA-Test an. Zehn Frauen haben sich bis Mittwochnachmittag gemeldet.

Im Frühjahr 2014 hat eine der beiden heute jungen Frauen nach einer Blutspende erfahren, dass es Abweichungen zwischen ihrer tatsächlichen und jener in den Mutter-Kind-Pass eingetragenen Blutgruppe gibt. Daraufhin zeigte ein DNA-Test, dass es zu einer Verwechslung des Kindes – das am LKH Graz geboren wurde – gekommen sein muss, bestätigte Betriebsdirektor Gebhard Falzberger gegenüber der APA eine Meldung der “Kleinen Zeitung” (Mittwochsausgabe).

Vonseiten der betroffenen Familie wird vermutet, dass die Vertauschung im LKH Graz stattgefunden hat. Aus Sicht der Uniklinikums ist das nicht bewiesen: “Tatsache ist, dass das Kind bei uns zur Welt gekommen ist”, so Betriebsdirektor Falzberger im Gespräch mit der APA. Man sei seit einigen Monaten gemeinsam mit der betroffenen Familie bemüht den Verdachtsfall aufzuklären, so Falzberger. Der Vorstand der Uniklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe , Uwe Lang betonte gegenüber der APA, dass bei den bisherigen Recherchen und Untersuchungen zu einer möglichen Verwechslung “nirgendwo ein Hinweis auf Fehlverhalten der Mitarbeiter” gefunden worden sei.

Fall für Staatsanwaltschaft verjährt und abgeschlossen

Die Staatsanwaltschaft Graz war von April bis Dezember 2015 mit dem Fall befasst, hat die Ermittlungen wegen Kindesentziehung (Paragraf 195) und Unterschiebung eines Kindes (Paragraf 200) aber eingestellt. Der Fall sei verjährt. Außerdem müsse ein Vorsatz vorliegen, um strafrechtliche Konsequenzen ziehen zu können, erklärte Sprecher Hansjörg Bacher. Die fünfjährige Verjährungsfrist hatte mit dem 16. Lebensjahr des Opfers begonnen und sei somit bereits abgelaufen.

Zivilrechtliche Klage noch möglich

Im Zivilrecht ist die Verjährungsfrist noch nicht abgelaufen, sagte Rechtsanwalt Johannes Öhlböck im Gespräch mit der APA. Denn im Zivilrecht gibt es zwei unterschiedliche Fristen – eine allgemeine, absolute mit 30 Jahren sowie eine relative mit drei Jahren. Hier gelten die schadenersatzrechtlichen Ansprüche drei Jahre ab Kenntnis von Schaden und Schädiger. Eingeklagt werden kann von der jungen Frau sowohl materieller als auch immaterieller Schadensersatz.

200 Frauen müssten zum DNA-Test

“Sollte die Verwechslung tatsächlich bei uns passiert sein, möchte ich mich bei allen Betroffenen im Namen der Klinik entschuldigen”, so Falzberger. Um dies herauszufinden wird Frauen, die verunsichert sind, weil sie in der fraglichen Zeit zwischen dem 15. Oktober und 20. November geboren wurden, ein kostenloser DNA-Test angeboten. Laut Anstaltsleitung wurden in dieser Zeit rund 200 Mädchen geboren.

Zehn Frauen meldeten sich

Am Mittwochnachmittag hatten sich laut Auskunft der Pressestelle bereits zehn Frauen gemeldet. Unter ihnen sieben 25-Jährige und drei Mütter, die in der fraglichen Zeit ein Kind am Uniklinikum geboren haben. Der Test könne kurzfristig am Klinikum durchgeführt werden, die Auswertung nehme allerdings rund zehn Tage in Anspruch, hieß es. Bei Bedarf werde den Betroffenen ein psychologischer Dienst zur Seite gestellt.

Immer wieder werden Babys vertauscht

Der Albtraum vieler Eltern, dass ihr Neugeborenes nach der Geburt im Spital mit einem anderen Baby vertauscht wird, wird selten wahr, kommt aber immer wieder vor. Hier eine Auswahl spektakulärer Fälle seit 2005. In diesem Jahr wurde im Landesklinikum Mistelbach eine Mutter mit dem falschen Mädchen nach Hause geschickt.

2015: Gut zwei Jahrzehnte nach der Geburt ihrer im Krankenhaus vertauschten Babys spricht ein französisches Gericht in Grasse zwei Familien eine Entschädigung von zwei Millionen Euro zu. Die neugeborenen Mädchen waren im Sommer 1994 in der Klinik in Cannes vertauscht worden. Beide bekamen Tage nach ihrer Geburt Gelbsucht und wurden aus Platzgründen zusammen in ein Kinderbett gelegt und UV-bestrahlt.

Später gab eine Angestellte auf der Geburtsstation die falschen Babys heraus, wobei die Mütter Zweifel anmeldeten – denn ein Elternpaar war hellhäutig, das andere stammte von der französischen Insel La Reunion im Indischen Ozean. Doch erst nach zehn Jahren kam es zur Aufklärung: Ein Vater war häufigem Spott ausgesetzt, weil seine Tochter doch einen sehr anderen Teint hatte als er, der angebliche Vater. Also ließ er den DNA-Test machen. Dieser deckte auf, dass beide nicht die biologischen Eltern waren.

Die beiden Elternpaare trafen einander und ihre biologischen Töchter – ohne dass ein “Rücktausch” vereinbart wurde. Die jungen Frauen ihrerseits wollten auch nicht zu ihren eigentlichen Eltern zurück

2013: In Vietnam erwartet eine Mutter einen Buben und bekommt im Krankenhaus ein Mädchen in den Arm gelegt, eine andere wird mit einem Sohn statt einer Tochter überrascht. Nach drei Monaten stellt sich heraus: Die Säuglingen wurden in der Klinik wohl beim Waschen verwechselt. Die Eltern tauschen Bub und Mädchen zurück.

2013: Drei Wochen nach der Geburt kehren zwei in Argentinien versehentlich vertauschte Babys wieder in die Arme ihrer leiblichen Eltern zurück. Eine Mutter war kurz nach der Geburt misstrauisch geworden, mit ihren Sorgen im Krankenhaus aber nicht durchgedrungen. Erst ein Gentest und auf behördliche Anordnung von der Privatklinik konfiszierte Dokumente setzen der Verwechslungsgeschichte ein Ende.

2012: 37 Jahre lang wachsen zwei Russinnen in falschen Familien auf, weil sie nach der Geburt vertauscht wurden. Die Frauen aus Orenburg am Ural sind seit der Schule befreundet und hatten sich gewundert, dass sie ihren Eltern nicht ähneln. Ein DNA-Test bringt Klarheit.

2009: 26 Jahre nach der Verwechslung zweier Babys in einer Warschauer Klinik werden die betroffenen Familien mit umgerechnet 425.000 Euro finanziell entschädigt. Im Dezember 1983 war ein 15 Tage altes Zwillingspärchen wegen einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen; eine der Schwestern wurde dort aus Versehen mit einem anderen Mädchen vertauscht. 17 Jahre später finden sie durch Zufall heraus, dass sie gar keine Schwestern sind: Die eine war auf der Straße mit ihrer wahren Zwillingsschwester verwechselt worden.

2009: Eine Klinik in Kuri (Südkorea) muss einer Mutter umgerechnet 40.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, weil eine Krankenschwester 17 Jahre zuvor ihr Baby mit einem anderen Neugeborenen vertauscht hatte.

2008: Mit 24 Jahren kann sich ein Brasilianer, der aufgrund seines unterschiedlichen Aussehens misstrauisch geworden war, endlich einen DNA-Test leisten und findet heraus: Er wurde im Krankenhaus kurz nach seiner Geburt mit einem anderen Baby vertauscht. Beide Familien machen das Beste aus der Situation und ziehen zusammen auf einen Bauernhof.

2008: In einer Klinik in Saarlouis werden zwei neugeborene Mädchen vertauscht. Nach einem halben Jahr wird der Irrtum entdeckt, als bei einem Kind mit einem Gentest die Vaterschaft geklärt werden sollte. Dabei wird festgestellt, dass weder “Vater” noch “Mutter” mit dem Mädchen verwandt sind. Die Kinder kommen zu ihren leiblichen Eltern.

2008: Zwei spanische Zwillingsschwestern, die nach der Geburt durch eine Verwechselung getrennt worden waren, finden nach drei Jahrzehnten wieder zusammengefunden. Zu verdanken haben sie dies der Angestellten einer Modeboutique in Las Palmas auf Gran Canaria, die mit einer der Schwestern befreundet ist. Die Verkäuferin war in dem Geschäft durch Zufall der anderen Schwester begegnet, hielt sie irrtümlicherweise für ihre Freundin und wunderte sich, dass diese nicht grüßte.

Beide waren im März 1973 in einem Krankenhaus in Las Palmas zur Welt gekommen. Eine von ihnen wurde jedoch versehentlich mit dem Baby einer anderen Frau vertauscht und wuchs bei Eltern auf, die nicht ihre eigenen sind. Die andere erhielt eine Schwester, die nicht mit ihr verwandt ist.

2007: Nachdem sie monatelang mit einer “falschen” Tochter gelebt haben, erfahren zwei Paare aus Tschechien, dass ihre Kinder nach der Geburt vertauscht wurden. In der Klinik in Trebic kam es wohl zur Verwechslung, weil beide Mütter mit Vornamen Jaroslava heißen. Kurz vor dem ersten Geburtstag kommen die Kinder zu den leiblichen Eltern.

2006: Zehn Jahre wachsen in einem thailändischen Krankenhaus vertauschte Kinder bei den falschen Eltern auf, bis sie die Wahrheit erfahren. Das Mädchen und der Bub leben in Nachbardörfern und besuchen die selbe Schule – und die Ähnlichkeit mit der jeweils anderen Familie fällt Nachbarn auf. Schließlich klärt ein Gentest den Irrtum auf.

2005: Am Landesklinikum Mistelbach werden nach der Geburt auf der Säuglingsstation zwei Babys vertauscht. Der Irrtum wird erst zu Hause durch eine Schwester des Kindes aufgedeckt: “Du, Mama. Auf dem Armband der Sonja steht Viktoria drauf.”

“Ich komme mit einem fremden Baby und möchte meines abholen”, wendet sich die Mutter daraufhin an das Krankenhaus. Dort denken die Mitarbeiter zuerst an einen Scherz. Die andere Mutter liegt aber noch in der Klinik, um sich von der Geburt zu erholen.

Böse auf das Spital sind die Frauen nicht: “Das hat ja niemand absichtlich gemacht.” Wahrscheinlich wurden die beiden Mädchen nach dem Füttern auf der Station in den falschen Babywagen gelegt – und niemand hat danach die Armbänder kontrolliert.

(APA)

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