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Modestudium bei Vivienne Westwood

Turnschuhe sind eine Todsünde, und es ist auch nicht ratsam, in Vivienne Westwoods Mode-Unterricht legere Kleidung von der Stange zu tragen.

„Vivienne hasst den Berlin-Look“, sagt Konstanze Knapp. Die 29-Jährige ist eine der Modestudentinnen, die bald ihr Diplom an der Universität der Künste macht. Im zehnten Jahr lehrt die bekannte Designerin nun in der deutschen Hauptstadt. Zuvor, von 1989 bis 1991, war sie Gastprofessorin der Modeklasse an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Der Unterricht läuft auf Englisch, und die Meisterin lässt sich beim Vornamen nennen.

So locker, wie es klingt, ist das Modestudium nicht. Das Urteil der extravaganten Westwood ist in ihren Klassen gefürchtet; sie gilt als energiegeladen, streng – und als „Workaholic“. Wer eine Punk-Lady als Referentin erwartet, hat sich gründlich geirrt. „Sie hasst es, mit Punk in Zusammenhang gebracht zu werden. Da fühlt sie sich auf ihre Anfänge reduziert“, erklärt Knapp. Heute gelte die Leidenschaft der 61-jährigen Designerin der historischen Mode.

Für die Studenten ist es erst einmal spannend zu sehen, was sie für Kleidung trägt. Bunt und schrill sieht es zumeist aus, eigenwillig und handgemacht. Die Studenten dürfen sicher sein, dass sie von ihrer Lehrerin gleichfalls gemustert werden. Es ist sicher nicht einfach, den Geschmack einer Lady zu treffen, die Sätze sagt wie: „Die meisten Leute kleiden sich so furchtbar, dass ich sie nicht ansehen mag.“

Ernst wird es, wenn Vivienne Westwood die Arbeiten ihrer Modeschüler betrachtet. Fällt bei ihr ein Entwurf als „Hausfrauen-Look“ durch, kann der Schöpfer desselben einpacken. „Wenn ihr aber eine Idee gefällt, will sie bis zum letzten Knopf mitbestimmen“, ergänzt Knapp. Für sie ist ihre Lehrerin „eine der letzten Avantgardistinnen, die sich von keiner Strömung leiten lassen“. Ein gesundes Selbstbewusstsein und ein eigener Stil gehören dazu, um einen der begehrten Plätze in Westwoods Modeklassen zu ergattern.

Einmal im Jahr macht Westwood in Berlin auf Mode aufmerksam:
mit einer großen Schau, auf der ihre Schüler Arbeiten präsentieren. Neben dem „Walk of Fashion“ in Berlin-Mitte und der Modenschau auf dem Kurfürstendamm ist das heute eines der wenigen regelmäßigen Mode-Ereignisse an der Spree.

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