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"Modellmacher" als Betrüger verurteilt

Symbolfoto
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Der Betreiber einer bekannten Modellagentur ist am Mittwoch im Wiener Landesgericht wegen versuchten gewerbsmäßigen schweren Betrugs zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt worden.

Er hatte mit einer dreisten Methode junge Mädchen und Burschen „abzuzocken“ versucht, indem er ihnen Hoffnung auf eine Model-Karriere machte, ihnen für eine Art „Vorstellungsgespräch“ 590 Euro in Rechnung stellte und – als diese mangels erbrachter Gegenleistung nicht zahlten – drohende „Inkasso-Briefe“ zukommen ließ.

Die inkriminierten Schreiben gaben eindeutig vor, sie würden von einem Inkasso-Büro stammen, das von der Agentur mit dem Eintreiben der Forderung beauftragt worden war. In Wahrheit hatte sie der Unternehmer selbst an seinem Firmen-PC verfasst, was er vor dem Schöffensenat (Vorsitz: Claudia Bandion-Ortner) wortreich verteidigte.

“Schlechte Zahlungsmoral” schuld

„Die Zahlungsmoral der Leute wird immer schlechter! Früher war das nicht so. Heute macht man sich Termine aus, und dann kommen die Leute einfach nicht“, tönte er. Mit seinen Aufwendungen bleibe er da „auf der Strecke“, und weil das zunächst von ihm zugezogene Inkasso-Büro nie mehr wie 1.000 Euro monatlich eingetrieben habe, „habe ich die Idee gehabt, das selber zu machen“.

Allerdings hatte der Unternehmer dafür keinen Gewerbeschein, als er sich im Oktober 2004 hinsetzte und in Dutzenden Fällen nicht nur 590 Euro verlangte, obwohl er in den allermeisten Fällen nicht die geringste Leistung erbracht hatte, außer dass seine Adressaten seine Büroräumlichkeiten zu sehen bekommen hatten. Er stellte auch noch exorbitante Mahnspesen und eine Inkassogebühr in Rechnung, so dass die Forderungen plötzlich weit über 1.000 Euro ausmachten.

„I hab mir ’dacht, i tram, als i den Brief aufg’macht hab’“, erklärte ein junger Fleischhauer dem Gericht, der nebenbei gern als Modell gearbeitet hätte. Ein Mädchen, das als Statistin zum Film wollte, wandte sich wie viele andere an den Verein für Konsumenteninformation (VKI), der Medienberichte über die unseriösen Praktiken des Agentur-Betreibers lancierte und auch Zivilklagen gegen diesen einbrachte.

„Ich hab’ mir nix Böses dabei gedacht”

Er habe ja eh eine eigene Inkasso-Abteilung gründen wollen und gleichsam darauf hin „vorgearbeitet“, rechtfertigte sich der Mann:
„Ich hab’ mir nix Böses dabei gedacht.“ Die Gründung habe sich halt leider verzögert: „Ich bin zeitlich sehr belastet. Bei mir geht alles langsam, das gebe ich zu.“

Das Gericht nahm ihm diese Verantwortung nicht ab, sondern unterstellte ihm in der Urteilsbegründung „zweifelsfrei eine Täuschungsabsicht“: Schließlich habe er seine Briefe nicht mit seinem, sondern einem fiktiven Namen unterschrieben. Außerdem wurde ein Firmenstempel heran gezogen, der nicht das Geringste mit seiner Agentur zu tun hatte.

Während sich der Geschäftsmann Bedenkzeit erbat, meldete Staatsanwalt Georg Krakow Berufung an. Ihm erschien die verhängte Strafe zu gering.

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