Mobbing in Schulen: Wien stellt Eskalationsplan vor

Zunächst soll mit dem Lehrer selbst über das Mobbing gesprochen werden.
Zunächst soll mit dem Lehrer selbst über das Mobbing gesprochen werden. ©pixabay.com
Bei weiteren Fällen, in denen Lehrer Schüler Mobben, will Wien einen Eskalationsplan verfolgen. Zunächst soll dabei versucht werden, das Problem intern zu lösen.
Lehrerin soll Kinder erniedrigt haben

Schüler, die sich wie im aktuellen Fall an einer Wiener AHS von einem Pädagogen systematisch bloßgestellt fühlen, können auf mehreren Ebenen Hilfe suchen. Der “Eskalationsplan” sieht dabei zuerst eine Lösung an der Schule vor. Gelingt das nicht, soll die Bildungsdirektion (früher Landesschulrat) eingeschaltet werden, heißt es aus dem Büro des Wiener Bildungsdirektors Heinrich Himmer zur APA.

Verschiedene Anlaufstellen für Schüler

Wird das Verhalten eines Lehrers oder einer Lehrerin als übergriffig erlebt, sollen Schüler bzw. Eltern wenn möglich zunächst einmal mit dem betreffenden Pädagogen selbst das Gespräch suchen. Wenn das nichts bringt, ist der Klassenvorstand der nächste Ansprechpartner. Wird auch dabei keine befriedigende Lösung gefunden, ist die Schulleitung die nächste Anlaufstelle. Daneben gibt es an manchen Schulen speziell ausgebildete Schüler-Mediatoren, die auch im Umgang mit solchen Themen geschult sind.

Kann das Problem nicht an der Schule selbst gelöst werden und es gibt konkrete Vorwürfe gegen den Lehrer, können sich Schüler bzw. deren Eltern an die Bildungsdirektion wenden. Dort gibt es mehrere Stellen, die in Frage kommen: Man kann sein Anliegen dem zuständigen Schulaufsichtsbeamten melden, sich von Schuljuristen in einer Ombudsfunktion beraten lassen oder an die Schulpsychologie wenden.

Lehrerin wurde bereits geprüft

Im aktuellen Fall einer Lehrerin an einem Gymnasium in Wien-Währing wehren sich Schüler und Eltern darüber hinaus noch mit anderen Mitteln: Nach Beschwerden hat die Volksanwaltschaft zu dieser Causa bereits zum zweiten Mal ein Prüfverfahren eingeleitet. Ergebnis der ersten Prüfung von 2017 war jedoch, dass die Behörde im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle nötigen Maßnahmen gesetzt habe.

Elterninitiative kündigt Konvolut von Fällen an

In der Wiener Bildungsdirektion (früher Stadtschulrat) sind bisher 15 Stellungnahmen zum Fall einer Wiener AHS-Lehrerin eingegangen, der Schüler systematische Erniedrigung vorwerfen. Darin finden sich zwar laut einem Sprecher bisher “wenig konkrete Hinweise auf neue Verdachtsfälle”, es werden aber noch bis Freitagmittag Meldungen gesammelt. Eine Elterngruppe hat ein ganzes Konvolut angekündigt.

Eine Elterninitiative hat zahlreiche Fälle aus den vergangenen zehn Jahren dokumentiert, berichtet deren Sprecher im “Kurier” (Donnerstagausgabe). Es gebe “Beweise in ausreichender Dichte und Güte” für das übergriffige Verhalten der Lehrerin. “Wir haben die Namen betroffener Schüler und Eltern, die jederzeit in einem Verfahren aussagen würden.”

Erste Vorwürfe wurden bereits 2013 laut

Diese Sammlung ist auch Anlass für die Einleitung eines zweiten Verfahrens der Volksanwaltschaft in dieser Causa, für das derzeit noch Stellungnahmen gesammelt werden. Ein ersten Verfahren 2017 hatte ergeben, dass die Behörde im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle nötigen Maßnahmen gesetzt habe. Die ersten Vorwürfe gegen die Pädagogin wurden in der Bildungsdirektion 2013 dokumentiert. Die betreffende Lehrerin wurde deshalb in der Vergangenheit bereits zur Teilnahme an einer Schulung der Sozialkompetenz verpflichtet. Für andere Maßnahmen fehlten bisher laut Bildungsdirektion klare rechtliche Tatbestände. Außerdem seien bisher die Vorwürfe ausschließlich in anonymisierter Form vorgelegen, es sei Aussage gegen Aussage gestanden.

Konkret wird der Pädagogin von der Elterngruppe vorgeworfen, sie habe psychischen Druck ausgeübt und einzelnen Schülern oder auch Gruppen schon zu Beginn des Schuljahres gesagt, dass sie in ihrem Fach durchfallen werden. Willkür bei der Benotung habe dazu geführt, dass sich in der Oberstufe ganze Klassen aufgelöst hätten, weil Schüler durchgefallen seien oder die Schule verlassen hätten. Es sei keineswegs das Ziel der Elterngruppe, die Existenz der betreffenden Lehrerin zu ruinieren. Diese könnte ja auch in der Schulverwaltung arbeiten. “Uns geht es um den Schutz der Kinder.”

Lehrerin: Vorwürfe sind “unrichtig”

Die beschuldigte Lehrerin hat am Mittwochabend gegenüber “Wien heute” über ihren Anwalt alle Vorwürfe und Anschuldigungen als “unrichtig” bezeichnet und “mit Entschiedenheit zurückgewiesen”. Das aktuell eingeleitete zweite Verfahren der Volksanwaltschaft sei ihr “bislang nicht bekannt” gewesen. Die schon lange zurückliegenden Vorwürfe hätten sich laut Anwalt aber bereits im Verfahren der Volksanwaltschaft von 2017 “als vollkommen unbegründet und haltlos” erwiesen. “Es liegen aus der Sicht meiner Mandantin keine neuen Fakten oder Sachverhalte vor.”

(APA/red)

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