AA

Mittelschicht in Österreich: Gehören Sie noch dazu?

Mann und Frau, zwei Kinder, ein Haus - Das klassische Bild einer Familie aus der österreichischen Mittelschicht.
Mann und Frau, zwei Kinder, ein Haus - Das klassische Bild einer Familie aus der österreichischen Mittelschicht. ©Canva Pro
Zwischen Wohlstand und Wirtschaftsdruck: Österreichs Mittelschicht im Fokus.

Die Mittelschicht in Österreich, einst das stabile Zentrum der Gesellschaft, steht an einem Wendepunkt. Die jüngste Entwicklung der Inflationsrate, die im Januar 2024 auf 4,5 Prozent gesunken ist, bietet zwar einen Lichtblick, doch die Frage, wer heute zur Mittelschicht zählt und wer nicht, bleibt aktueller denn je. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten der letzten Jahre haben die Grenzen zwischen den sozialen Schichten verschoben und viele Österreicherinnen und Österreicher dazu veranlasst, ihre Zugehörigkeit zur Mittelschicht zu hinterfragen.

Jetzt auf VOL.AT lesen

Die Mittelschicht unter Druck

Traditionell umfasst die Mittelschicht jene Bevölkerungsgruppe, deren Einkommen zwischen 60 und 180 Prozent des Medianeinkommens liegt. Doch die anhaltende Inflation, obwohl sie zuletzt einen Rückgang verzeichnete, zusammen mit steigenden Wohn- und Energiekosten, hat viele in der Mittelschicht hart getroffen. Die finanzielle Belastung zehrt an der Kaufkraft und lässt den Traum vom Eigenheim für viele unerreichbar erscheinen.

Wer gehört noch zur Mittelschicht?

Die sinkende Inflationsrate könnte als Zeichen der Hoffnung interpretiert werden, dass die wirtschaftliche Belastung für die Mittelschicht abnimmt. Doch die Realität ist komplex. Die Definition der Mittelschicht basiert nicht allein auf Einkommenskriterien; auch die Lebenshaltungskosten und die Fähigkeit, finanzielle Rücklagen zu bilden, spielen eine entscheidende Rolle. In diesem Kontext müssen viele Österreicherinnen und Österreicher ihre Zugehörigkeit zur Mittelschicht neu bewerten. Die Frage ist nicht nur, ob man formal noch dazugehört, sondern auch, ob man sich den Lebensstandard, der traditionell mit der Mittelschicht assoziiert wird, noch leisten kann.

Einkommensschichten* in Österreich: Eine detaillierte Betrachtung

Geringverdiener: Personen, deren Einkommen unter 60 Prozent des Medianeinkommens liegt, fallen in diese Kategorie. Für das Jahr 2022, mit einem Medianeinkommen von 27.844 Euro netto pro Jahr, bedeutet dies ein Einkommen von weniger als 16.706 Euro. Diese Gruppe sieht sich mit erheblichen finanziellen Herausforderungen konfrontiert, die oft durch begrenzten Zugang zu Ressourcen und Dienstleistungen verschärft werden.

Untere Mittelschicht: Diese Schicht umfasst Haushalte mit einem Einkommen zwischen 60 und 100 Prozent des Medianeinkommens, was einem Bereich von 16.706 bis 27.844 Euro netto pro Jahr entspricht. Personen in dieser Gruppe bewegen sich an der Schwelle zum durchschnittlichen Lebensstandard, wobei sie oft hart arbeiten, um ihren sozialen Status zu erhalten oder zu verbessern.

Mittelschicht: Definiert durch ein Einkommen zwischen 100 und 180 Prozent des Medianeinkommens, zählen dazu Haushalte mit einem jährlichen Nettoeinkommen von 27.844 bis 50.119 Euro. Diese Gruppe gilt als das Rückgrat der Gesellschaft und der Wirtschaft, konfrontiert jedoch mit steigenden Lebenshaltungskosten und der Notwendigkeit, finanzielle Sicherheit für die Zukunft zu gewährleisten.

Obere Mittelschicht: Haushalte mit einem Einkommen zwischen 180 und 250 Prozent des Medianeinkommens, also zwischen 50.119 und 69.610 Euro netto pro Jahr, gehören zur oberen Mittelschicht. Diese Gruppe genießt eine höhere finanzielle Sicherheit und kann sich einen Lebensstandard leisten, der über dem Durchschnitt liegt, einschließlich Qualität in Bildung, Wohnen und Freizeitaktivitäten.

Spitzenverdiener: Personen und Haushalte, deren Einkommen über 250 Prozent des Medianeinkommens liegt, also mehr als 69.610 Euro netto pro Jahr, fallen in diese Kategorie. Sie verfügen über signifikante finanzielle Ressourcen, die ihnen nicht nur einen hohen Lebensstandard ermöglichen, sondern auch eine größere finanzielle Flexibilität und Sicherheit.

*Bitte beachten Sie, dass die genannten Zahlen und Einkommensgrenzen auf den Angaben des Momentum Instituts basieren. Die tatsächlichen Verhältnisse können variieren.

Die politische Dimension

Die wirtschaftliche Situation der Mittelschicht hat auch politische Implikationen. Parteien und Bewegungen, die Lösungen für die drängendsten Probleme wie Wohnkosten und Energiepreise anbieten, finden zunehmend Gehör. So konnte die KPÖ in Salzburg mit dem Thema hoher Mieten punkten, und auf Bundesebene setzte sich Andreas Babler mit Forderungen nach Vermögens- und Erbschaftssteuern durch.

Ausblick und Herausforderungen

Die Zukunft der Mittelschicht in Österreich hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab: der weiteren Entwicklung der Inflation, der Effektivität politischer Maßnahmen zur Unterstützung der Mittelschicht und der Anpassungsfähigkeit der Gesellschaft an wirtschaftliche Veränderungen. Die sinkende Inflationsrate bietet einen Anlass zur Hoffnung, doch die langfristigen Aussichten bleiben ungewiss. Für viele in Österreich ist die Zugehörigkeit zur Mittelschicht mehr als eine Frage des Einkommens; sie ist ein Ausdruck von Sicherheit, Stabilität und Zugehörigkeit.

(VOL.AT)

  • VIENNA.AT
  • Österreich
  • Mittelschicht in Österreich: Gehören Sie noch dazu?