Mit Verhaltenskodex gegen Missbrauch: Diözese Innsbruck lässt unterschreiben

Verpflichtender Ethikvertrag für Mitarbeiter soll Missbrauch vorbeugen.
Verpflichtender Ethikvertrag für Mitarbeiter soll Missbrauch vorbeugen. ©AP(dapd)
Die Diözese Innsbruck will mit einem Verhaltenskodex sexuellem Missbrauch vorbeugen. Mitarbeiter werden verpflichtet einen Ethikvertrag zu unterschreiben.

Künftig sollen alle Priester, Diakone, Ordensleute sowie alle hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter, die mit Kindern zu tun haben, verpflichtend eine Erklärung unterzeichnen, erklärte Bischof Manfred Scheuer am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. In “dieser Gesamtheit” sei das in Österreich das erste Mal der Fall, ergänzte der Generalvikar der Diözese Innsbruck, Jakob Bürgler.

Verhaltenskodex in allen Diözesen?

Auch in allen anderen Diözesen gebe es Überlegungen in diese Richtung, sagte Bürgler, der neben Scheuer und weiteren kirchlichen Berufsgruppenvertretern im Rahmen des Pressgespräches als erster seine Unterschrift unter die Verpflichtungserklärung setzte. Sollte sich jemand weigern, zu unterschreiben und sich somit dem Kinder- und Jugendschutz nicht verpflichten, werde er in der pastoralen Arbeit und in der Seelsorge nicht mehr mitarbeiten können. Der Ethikvertrag sei auch als “Selbstschutz für die Mitarbeiter gegen Pauschalverdächtigungen” zu verstehen.

Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen würde in kirchlichen Einrichtungen “anders und schwerer” wiegen als außerhalb der Kirche, meinte Bürgler. Ernstzunehmenden Analysen zufolge würden sich jedoch nur 0,3 Prozent der Fälle im kirchlichen Kontext ereignen, stellte der Generalvikar klar.

Punkte gegen Missbrauch

“Ich unterlasse es im seelsorglichen Gespräch mich dem Gesprächspartner verbal oder körperlich sexuell anzunähern” besagt eine der Erklärungen, eine andere lautet: “Ich nutze keine Abhängigkeiten aus”. “Es gilt, die Mauer des Schweigens aufzubrechen und Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu enttabuisieren”, erklärte Scheuer. Möglichen “Tätern in den eigenen Reihen” solle der Zugriff auf Kinder so schwer wie möglich gemacht werden, meinte der Diözesanbischof.

Nein, zu sexualiserter Gewalt

Zusammen mit der am 1. April des vergangenen Jahres gegründeten Stabsstelle “Kinder- und Jugendschutz” sei ein Maßnahmenbündel erarbeitet worden. Neben der Verpflichtungserklärung setze man auch auf präventive Bildungsmaßnahmen wie Schulungen und Mitarbeitergespräche, sagte Bürgler. Zudem seien eine Betriebsvereinbarung gegen Missbrauch und Gewalt für alle Dienstnehmer, eine Informationsbroschüre “NEIN! Zu sexualisierter Gewalt”, ein Informationsfolder für Begleiter bei Erstkommunion und Firmung sowie eine Fachtagung im Juni 2012 im Maßnahmenpaket enthalten. APA

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