Mit HDR die technischen Grenzen der Kamera sprengen

Digitale Fotografie: Das heutige Thema lautet "High Dynamic Range".
Digitale Fotografie: Das heutige Thema lautet "High Dynamic Range". ©Canon
Eine noch relativ junge Technik in der Fotografie heißt HDR, wobei die Abkürzung für „High Dynamic Range“ (hoher Dynamikumfang) steht und dafür sorgen soll, dass das Hauptmotiv und der Himmel darüber gleichermaßen naturgetreu ins Bild gerückt werden.

Bei diesem Verfahren werden schnell hintereinander mehrere Bilder von ein und demselben Motiv mit unterschiedlichen Belichtungswerten geschossen, und daheim auf dem Computer zu einem in allen Bereichen richtig belichteten Bild zusammengesetzt. Viele Kameras sind bereits serienmäßig mit einer HDR-Funktion ausgestattet, sodass die Nachbearbeitung am PC wegfällt.Obwohl die Bildsensoren hoch entwickelte, intelligente Komponenten sind, kommen sie an die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Auges in Verbindung mit dem Gehirn, das die Informationen weiter verarbeitet, noch lange nicht heran. Wenn der Mensch seinen Blick über die Landschaft schweifen lässt, ist der Himmel strahlend blau, die einzelnen Wolken zeichnen sich scharf und in sich noch fein strukturiert ab, gleichzeitig leuchten die Wiesen darunter in einem saftigen Grün, und die Berge am Horizont scheinen zum Greifen nah. Die Bildsensoren in der Kamera sind im Vergleich dazu in ihrem so genannten Dynamikumfang noch immer ziemlich eingeschränkt. Um diese Stimmung in ihrer Gesamtheit auf einem Foto festzuhalten, braucht man ziemlich viel Glück, die Sonne muss genau an der richtigen Stelle stehen, ansonsten sind entweder die Wolken perfekt belichtet, und die Wiese im Vordergrund wird zu einer dunklen, langweiligen Fläche, oder das Gras wird richtig dargestellt, dafür ist der Himmel weiß, und die Wolken sind kaum noch zu erahnen…

Bei HDR werden nun zwei oder mehr Aufnahmen aus der genau gleichen Perspektive geschossen, wobei die Belichtung jedesmal auf einen anderen Teil des Bildes ausgerichtet wird. Um die Bilder später genau übereinander legen zu können, ohne dass es zu Doppelkonturen kommt, ist es dringend anzuraten, für HDR-Aufnahmen ein Stativ zu benutzen.

HDR-Verfahren lässt künstlerische Gestaltung offen

Dabei lässt dieses Verfahren auch jede Menge Spielraum für die künstlerische Gestaltung offen. Man kann ein Resultat erzielen, das in etwa der menschlichen Wahrnehmung entspricht, aber auch total überzeichnen und somit eine ganz eigene Stimmung kreieren. Kameras mit eingebauter HDR-Funktion bieten hier meist zwei oder drei vorgefertigte Varianten mit unterschiedlicher Intensität an, auf dem PC stehen dem Benutzer dagegen praktisch uneingeschränkte Möglichkeiten zur Nachjustierung zur Verfügung – was aber wohlbemerkt relativ viel Zeit in Anspruch nimmt.

Die HDR-Fotografie hat aber auch einige Einschränkungen: Abgesehen davon, dass man dazu ein Stativ benötigt, können bewegte Elemente sehr schnell den Gesamteindruck zerstören. Wenn ein Auto durchs Bild fährt, wird das Gefährt jedesmal an seiner veränderten Position fotografiert und erscheint dann entsprechend mehrmals auf dem endgültigen Bild. Aus langsameren Objekten wie Fußgängern werden geisterhafte Schatten, und selbst vom Wind bewegte Gräser und Äste können zu unerwünschten Nebeneffekten führen.

“Missglücktes Foto” doch noch retten

Trotzdem lassen sich auch in Szenen mit schnellen Bewegungen HDR-Effekte erzielen – bei vielen Kameras ist der Dynamikumfang nämlich höher, als auf den Bildern ersichtlich ist. So können aus komplett schwarz erscheinenden Flächen bei entsprechendem Aufhellen noch verborgene Strukturen hervorgezaubert werden. So können aus einer einzigen Aufnahme unter Umständen noch nachträglich mehrere Bilder mit unterschiedlicher Belichtung generiert werden, die dann wieder nach dem HDR-Prinzip zusammengefügt werden. Bei dieser Technik spricht man von „Pseudo-HDR“. Die Qualität ist zwar meist nicht so gut wie bei einer richtigen HDR-Aufnahme, aber dennoch lässt sich auf diese Weise aus so  manchem auf den ersten Blick missglückten Foto nachträglich noch ein durchaus passables Bild generieren. Wenn das Ausgangsmaterial im so genannten RAW-Format vorliegt (welches allerdings meist nur bei Spiegelreflex- und Systemkameras zur Auswahl steht), sind die Erfolgschancen für ein akzeptables Resultat übrigens wesentlich höher als bei JPG, wo unter Umständen noch brauchbare Bildinformationen durch die Kompression zerstört werden.

Sowohl zur Erzeugung von echten HDR-Bildern, wie auch zur Generierung von Pseudo-HDR-Aufnahmen lassen sich klassische Allround-Bildbearbeitungsprogramme wie Adobes Photoshop benutzen, es gibt aber auch Dutzende Programme wie etwa DynamicPhoto HDR von MediaChance, HDR Darkroom von Everimaging, oder Unified Colors HDR Express , die auf genau diese Aufgabe spezialisiert und daher für ungeübte Benutzer auch wesentlich einfacher zu bedienen sind.

(Text: Uwe Fischer)

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