Misstrauensantrag gegen Mailath-Pokorny durch ÖVP und Grüne Wien

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Gegen den Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) wird es in der Gemeinderatssitzung am Montag einen Misstrauensantrag durch die Wiener ÖVP und die Wiener Grünen geben.

Mailath-Pokorny habe “seine Sorgfaltspflicht und seine Kontrollaufgaben verletzt”, da er trotz wiederholter Kritik in Kontrollamtsberichten an “fehlender Transparenz, Verschwendungssucht und zu hohen Intendanten-Gehältern” bei den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) nichts geändert habe, sagten die Kultursprecher Franz Ferdinand Wolf (V) und Marie Ringler (Grüne) am Freitag bei einem Pressegespräch.

Der derzeit in Cannes weilende Kulturstadtrat sieht dem ersten gegen ihn gerichteten Misstrauensantrag “mit Gelassenheit entgegen”, wie es auf APA-Anfrage aus seinem Büro hieß. Mailath-Pokorny habe mit Thomas Drozda eine “neue Geschäftsführung eingesetzt, die schon Reformschritte gesetzt hat”. Dies sei bereits auch vom Kontrollamt “positiv bewertet und bestätigt” worden.

“Es reicht”, sagt hingegen Ringler. Mit der “doch ungewöhnlichen Zusammenarbeit” der beiden Oppositionsparteien und dem Ausschöpfen “eines der letzten Mittel”, die der Opposition zur Verfügung stehen, wolle man “verhindern, dass in der Frage der VBW zur Tagesordnung übergegangen wird”. Hauptkritik gilt der Musical-Sparte. Diese sei in ihrer Gesamtheit zu überdenken, sagte Wolf, und “Tricks, um zu Auslastungszahlen zu kommen”, müssten beendet werden. Die VBW-Musicals würden zu kostspielig produziert und erreichen dann zu geringe Auslastungszahlen – “der Bereich Musical ist in einem kritischen Zustand”, so Wolf. Es würden “viele Millionen investiert, um Flops zu produzieren”. Es gebe “nur einen im Publikum, der klatscht: Mailath-Pokorny“, so Ringler.

Die Gemeinde Wien habe sich bei der VBW-Teilprivatisierung 1989 ein Mitspracherecht in wirtschaftlichen Fragen gesichert, daher könne Mailath-Pokorny verantwortlich gemacht werden. “Es gibt sehr wohl eine Möglichkeit, für Ordnung zu sorgen”. Ringler und Wolf sprechen sich u.a. dafür aus, die Vertragsverlängerungen von Musical-Intendantin Kathrin Zechner und Theater an der Wien-Chef Roland Geyer zurückzunehmen und die Positionen auszuschreiben. Die Verträge seien “ohne Not” bis Sommer 2013 verlängert worden, so Ringler und Wolf, die Prämienzahlungen und hohe Gehälter kritisierten. Mit den handelnden Personen werde sich “nichts ändern”. Beide betonten, dass es im Bereich Oper “künstlerischen und auch Publikums-Erfolg” gebe.

Die Oppositionsparteien kritisieren neben der Sanierung des Ronachers, die trotz hoher Kosten bereits ein Jahr nach der Wiedereröffnung neue Sanierungen notwendig mache, auch “empörende Einzelfälle der Verschwendung” (Wolf). Darunter seien etwa eine Prämie in der Höhe von neun Monatsgehältern an den ehemaligen VBW-Generaldirektor Franz Häußler “ohne entsprechende Kriterien” oder die Betriebspension für Häußler in der Höhe von 80 Prozent seines letzten Monatsgehaltes. Die fehlende Transparenz bei den VBW sei “besonders dramatisch”, da es “um so viel Geld geht”, so Ringler. Es brauche insgesamt “massive Einschnitte und eine Neupositionierung” des VBW-Konzerns. Man müsse die “VBW an die Kandare” nehmen, diese müssten “vierteljährliche Berichte” liefern, forderte Ringler.

“Es gibt nichts zu verheimlichen”, er wolle aber keine “wöchentlichen Auslastungsberichte” liefern müssen, sagte der geschäftsführende VBW-Direktor Thomas Drozda zu den Vorwürfen der Intransparenz im APA-Gespräch. Man müsse aber eine “vernünftige und strukturierte Diskussion über die Gesamtsituation der VBW führen”. Drozda, der die Leitung im Vorjahr übernommen hat, hat Ende April Auslastungszahlen und die Budgetsituation vorgelegt. “So will ich es auch weiter halten.” Zur Kritik an der Verlängerung der Intendantenverträge meinte Drozda, er habe “metierkonforme Vertragssituationen” schaffen wollen, die Rücksicht auf die langen Vorlaufzeiten der Musik-Branche nehmen. Eine nicht gesetzlich vorgeschriebene Ausschreibung vor Verlängerungen sei “eine Infrage-Stellung der Person, die diesen Job erfolgreich macht.” Dazu zählt Drozda auch Zechner: Vor einem Jahr sei diese als “Musicalwunder in den Himmel geschrieben worden”. Es sei “typisch Wien, dass – wenn ein, zwei Produktionen nicht funktionieren” -, man gleich nach personellen Veränderungen rufe.

Zur Kritik an den Prämienzahlungen meinte Drozda, bei Geyer und Zechner habe es dafür klare Kriterien gegeben. Er selbst werde auch keine Prämien auszahlen, die “nicht festgeschrieben sind”. Die Musical-Branche sei weltweit von der Wirtschaftskrise getroffen, das sei “keine Ausrede, sondern ein Faktum, mit dem wir uns beschäftigen müssen”. Wien als Kulturmetropole müsse sich zu Musical als “elementarem Teil des Angebots” bekennen.

SP-Woller: “Misstrauensantrag gegen Kulturstadtrat Mailath-Pokorny ist nicht nachvollziehbar”

“Der Misstrauensantrag der Grünen und der ÖVP gegen Kulturstadtrat Mailath-Pokorny ist nicht nachvollziehbar, sagt der Vorsitzende des Kulturausschusses, SP-Gemeinderat Ernst Woller. “Die Stadt Wien nimmt Kontrollamtsberichte sehr ernst. Viele der Vorschläge des Kontrollamtes sind – wie auch dem Kontrollamtsbericht zu entnehmen ist – in Umsetzung.

 

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