Misshandlung in NÖ Erziehungsheim: Prozess wurde fortgesetzt

Schwere Vorwürfe gegen Erziehungsheim
Schwere Vorwürfe gegen Erziehungsheim ©Bilderbox (Sujet)
Der Prozess um die angebliche Misshandlung eines ehemaligen Zöglings in der "Kinderwelt Stiefern" (Bezirk Krems-Land) ist am Landesgericht Krems am Dienstag mit Zeugenbefragungen fortgesetzt worden.
Beginn des Prozesses

Zu einem Urteil wird es am Mittwoch, noch nicht kommen, sagte Einzelrichterin Susanne Daniel auf Anfrage. Weiters gehört werden u.a. Vertreter des Jugendamtes und des Landes, Gutachten werden beantragt.

Vorwürfe gegen Kinderheim-Arzt

Wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung ist der Gesellschafter der Einrichtung, in der bis zu 70 Kinder aus Wien und Niederösterreich untergebracht sind, angeklagt. Er soll laut Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2008 einen damals Zwölfjährigen mit einem Gehstock am Fuß verletzt, ihn am Genick gepackt und ins Bad geschleift und dort seinen Kopf unter Wasser gedrückt haben.

Der Arzt hatte sich nicht schuldig bekannt, mit dem Zögling sei er nie zusammengetroffen. Sein Verteidiger ortete in der Verhandlung im September eine “Hetzkampagne” gegen seinen Mandanten.

Betreuerin sagt als Zeugin aus

Hauptbelastungszeugin ist eine ehemalige – im Februar 2008 gekündigte – Betreuerin. Ihr wurden heute einige unterschiedliche Aussagen vorgehalten, u.a. ob sie an jenem Wochenende über das interne “Nottelefon” oder die Rufbereitschaft Alarm geschlagen hatte, weil der Bub mit Gegenständen um sich geschmissen hatte.

Nach dem Vorfall im Bad sei der Zwölfjährige – nass bis auf die Schultern – nicht ansprechbar und im Nacken “blau” gewesen. An blutende Wunden, wie sie vor der Polizei angegeben hatte, konnte sie sich nicht mehr erinnern. Anwalt Hubert Sacha zeigte auf, dass sich die Frau nicht an die Heimaufsicht gewandt hatte und dann 2008 bei der Polizei zwar Missstände in 18 Punkten anprangerte, den Vorfall aber nicht erwähnte.

Kinder wurden “untergetaucht”

Die Pflegemutter des heute 18-Jährigen gab an, dass ihr Sohn von diesem “Untertauchen” erzählt hatte, was ihr die Betreuerin in einem Telefonat dann bestätigt habe. In einem E-Mail an den Jugendgerichtshof 2008 hatte sie geschildert, dass ihrem Sohn der Kopf in ein Waschbecken unter rinnendes kaltes Wasser gedrückt worden sei.

Die 54-Jährige meinte, der Bub habe “diverse Störungen” gehabt – in Stiefern hätte ihm geholfen werden sollen. In das Heim kam er nach einem Vorfall daheim: Im Zuge eines Wortwechsels darüber, ob er fortgehen dürfe, sei er ihrem Mann beim Umdrehen in den Ellbogen gerannt – tags darauf erklärte er in der Schule sein blaues Auge damit, dass sein Vater ihn geschlagen habe. Das sei der größte Fehler seines Lebens gewesen, sage er heute noch – “wir sind heute nach wie vor Mama und Papa für ihn”.

Vorfall bestritten

“So einen Vorfall hat es nie gegeben”, erklärte die Frau des Beschuldigten. Dieser sei nicht ins operative Geschäft eingebunden. Die ehemalige Betreuerin “führt einen Vernichtungskrieg gegen Stiefern und insbesondere gegen meinen Mann”, meinte sie. Von niemandem sonst seien irgendwelche Vorwürfe zu hören. Andere belastende Aussagen von Kindern so um 2005 herum, die Opferanwältin Eva Plaz nachfragte, seien “erst viel später” gekommen – von Kindern aus der Gruppe der Erzieherin.

Der betroffene Bub sei ihr insofern namentlich bekannt, weil er als schwierig gegolten habe. Man habe in der Folge einen sozialtherapeutischen Platz für ihn beantragt, sagte die Zeugin.

(apa/red)

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